Niclas Füllkrug ist so gut, dass selbst Jürgen Klopp einknicken muss
Im Sommer kam Niclas Füllkrug aus der weiten Fussballwelt zu Werder Bremen zurück. 2023 war der Stürmer von seinem Jugendklub zu Borussia Dortmund gewechselt, nach einem Jahr zog er weiter zu West Ham, das ihn zuletzt aber ein halbes Jahr an die AC Milan verlieh. Auf seiner grossen Reise erlebte Füllkrug eine Menge, spielte im Final der Champions League, sammelte Erfahrungen in der Premier League und traf im San Siro. So richtig glücklich wurde er aber nirgends.
Deshalb kehrte der 33-jährige Füllkrug im Sommer wieder nach Hause zurück. Dafür verzichtete er angeblich auf eine hohe sechsstellige Summe Gehalt, wobei er selbst klarstellte: «Verzichten tue ich nicht. Ich werde einfach nur in einer anderen Währung bezahlt: Die lautet Emotion und Leidenschaft.» Das hätte ihm auch kein anderer Klub in der Währung geben können, fügte Füllkrug an. Was er damit meint, wurde schnell klar.
Schon vor seinem ersten Auftritt nach seiner Rückkehr wurde er von den Fans gefeiert. Natürlich traf er dann in der 1. Runde des DFB-Pokals auch gleich. So richtig kitschig wurde die Geschichte aber erst danach.
In seinem ersten Heimspiel im Weserstadion war Füllkrug mit einem Tor ein wichtiger Faktor beim 3:1-Sieg gegen Leipzig. Es folgten sieben weitere Partien mit mindestens einem Tor von «Lücke», wie der Goalgetter aufgrund seiner Zahnlücke liebevoll genannt wird. Mit neun Treffern in acht Spielen führt er die Bundesliga-Torschützenliste an. Nicht Harry Kane von Bayern München oder Serhou Guirassy von Borussia Dortmund – sondern ein Stürmer von Werder Bremen.
Und das schlägt sich auch in der Tabelle nieder. Die Bremer, die in der letzten Saison lange gegen den Abstieg kämpften, stehen vor dem Spiel in Stuttgart vom Samstagabend (18.30 Uhr) auf Platz 5. Vier Siege und nur eine Niederlage resultierten aus den ersten acht Runden. Wie wichtig Füllkrug für den aktuellen Erfolg des Teams von Trainer Daniel Thioune ist, zeigt folgende Statistik: Er erzielte wettbewerbsübergreifend 55 Prozent der Tore seines Klubs und trägt damit gemäss Opta den höchsten Anteil in den Top-5-Ligen. Ohne seine Tore würden Werder acht Punkte fehlen und wäre der Klub nur dank der besseren Tordifferenz vor dem Relegationsplatz.
Wie es möglich ist, dass Füllkrug nach zwei harten Jahren in England und Italien mit nur vier Toren in 49 Spielen kaum zurück in Bremen gleich wieder so treffsicher ist, fragte er sich selbst. In einem Interview mit der Vereinswebsite nannte er später seine Antwort: «Ich glaube, dass das Gesamtpaket aus Umfeld, Mannschaft und Energie einfach stimmt und es belohnt wird, wenn man sich für den richtigen Weg entscheidet.» Er habe sich für den emotionalen Weg entschieden und sei damit auch ein gewisses Risiko eingegangen, so Füllkrug. «Das hat sich jetzt schon gelohnt», konstatierte er schon vor einigen Wochen.
Füllkrug fühlt sich in Bremen einfach wohl, hier arbeitet er nicht nur, sondern ist auch Fan, wie er sagt. Und bei den Grünweissen spürt er auch die uneingeschränkte Unterstützung des Publikums. «Es gibt ja leider heutzutage auch viel Missgunst», sagt Füllkrug, der in Dortmund trotz guter Leistungen auch viel Kritik einstecken musste. «Hier habe ich aber das Gefühl, alle Fans im Stadion, die Mannschaft, die Bank und das nahe Umfeld wünschen sich von Herzen, dass ich treffe und wir als Team erfolgreich sind.»
Und dieses Gefühl treibt ihn in Bremen, wohin der gebürtige Hannoveraner schon als 13-Jähriger wechselte, wieder zu Höchstleistungen. Aufgrund dieser musste nun auch Bundestrainer Jürgen Klopp einknicken. Mitte Oktober hatte der 59-Jährige noch gesagt: «Niclas Füllkrug schiesst in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen – aber er ist 33. Das ist nicht meine Schuld.» Viele interpretierten dies als Absage für eine potenzielle Rückkehr Füllkrugs ins Nationalteam. Dies stellte sich jedoch als Irrtum raus.
Als Klopp sein Aufgebot für die Nations-League-Spiele der kommenden Woche gegen Serbien und die Niederlande bekannt gab, war Niclas Füllkrug einer der 24 Namen. «‹Fülle› hat performt und unterschiedlichste Tore geschossen, die nahezu alle spektakulär waren», lobte Klopp. Der Stürmer habe aber nicht nur durch seine Tore einen unglaublichen Einfluss auf das Spiel, «sondern auch durch die Art und Weise, wie er auftritt». So lässt sich Füllkrug auch gerne mal fallen und bringt sich im Spielaufbau ein. Und er macht mit seiner positiven Art eben auch seine Mitspieler besser, was in Bremen gerade wieder zu spüren ist.
Der 33-Jährige, der in bisher 24 Länderspielen 14 Tore erzielt hatte, freute sich natürlich über die Nominierung. Ganz typisch für den sympathischen Füllkrug, gab er das Lob aber gleich weiter. «Durch die guten Leistungen unserer Mannschaft konnte ich profitieren», schwärmte er und sagte: «Ich empfinde das auch als tolle Anerkennung für unser gesamtes Team.»
Niclas Füllkrug ist zurück in der Nationalmannschaft! Jürgen Klopp erläutert die Entscheidung. 🇩🇪 https://t.co/2pjGHDX7tj
— Sky Sport (@SkySportDE) November 5, 2026
Ein Problem gibt es aber trotzdem noch. Niclas Füllkrug gehört Bremen noch gar nicht, sondern ist von West Ham nur an den Bundesligisten ausgeliehen. Es sei etwas merkwürdig sagt die Nummer 10 der Werderaner. «Nach Hause leiht man sich eigentlich nicht aus.» Doch schon jetzt ist klar: Der Klub würde ihn gerne behalten und West Ham würde ihn wohl günstig abgeben.
Noch einmal dürfte Füllkrug Bremen also nicht verlassen. Die weite Fussballwelt kennt er jetzt ja nun und deshalb weiss er auch: Es ist nirgends so schön wie zu Hause.
