Patrick Fischer hat es immer noch nicht kapiert
35 Minuten dauert das Gespräch zwischen Patrick Fischer und dem früheren Blick- und «Weltwoche»-Journalisten Peter Röthlisberger, der heute eine PR-Agentur führt. Fischer gibt dabei auf die mehrheitlich unkritischen Fragen seines Gegenübers Antwort. Er erklärt, warum er sich nicht impfen liess, warum er ein gefälschtes Covid-Zertifikat erworben hat, um an die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking und andere Turniere zu reisen. Und er erklärt seine Sicht der Dinge, wie der Fälschungsskandal nach einem Mittagessen mit SRF-Journalist Pascal Schmitz an die Öffentlichkeit geriet.
Dass der 50-Jährige bis nach dem Abschluss der Hockey-WM damit gewartet hat, ehrt ihn. Das ist aber auch das absolute Minimum, das von einem anständigen Menschen erwartet werden darf. Ansonsten zeigt Fischer wenig Selbstreflexion.
Der Zuger spricht nur einmal darüber, einen Fehler begangen zu haben – und zwar nicht die Straftat der Urkundenfälschung, die ihn 38'190 Schweizer Franken Busse und am Ende auch den Job gekostet hat. Geht es nach Fischer, war es ein Fehler, dass er dem Schweizer Fernsehen SRF und dem Journalisten Pascal Schmitz vertraut hat. Das zeigt, dass Fischer immer noch nicht kapiert hat, dass er den ganzen Schlamassel selbst verschuldet hat.
Fischer wirft dem SRF vor, eine Vereinbarung gebrochen zu haben, wonach das Gespräch am Mittagstisch «Off the record» – also vertraulich – stattgefunden habe. Als Beweis liest Peter Röthlisberger dazu einen Auszug aus einer angeblichen E-Mail von SRF-Journalist Schmitz vor: «Mir ist die Bedeutung einer Off-the-record-Vereinbarung sehr bewusst und ich nehme dies ernst.» Wie der Satz weitergeht, lassen Fischer und Röthlisberger bewusst offen. Denn das SRF bestätigt in einer Stellungnahme gegenüber watson: «In seiner Antwort hat Pascal Schmitz auf diese nachträgliche Forderung Bezug genommen bzw. den Wortlaut des Verbandes wiedergegeben. Eine vorgängige ‹Off-the-record-Vereinbarung› wurde damit nicht bestätigt.»
Der Zuger räumt zwar ein, dass er mit dem Kauf eines gefälschten Covid-Zertifikats seiner Vorbildrolle als Nationaltrainer nicht nachkam. Als Privatperson sei er seiner Vorbildfunktion allerdings treu geblieben. Das zeigt, dass Fischer es grundsätzlich nicht problematisch findet, eine Straftat begangen zu haben.
Stattdessen verstrickt sich Fischer immer wieder in Halbwahrheiten und Relativierungen. Etwa wenn es um die Lüge geht, dass er sich juristisch vor dem Kauf des gefälschten Zertifikats nie etwas zuschulden habe kommen lassen. Der 50-Jährige behauptet, nicht mehr an das vorherige Verkehrsdelikt gedacht zu haben. Dass man ein Raserdelikt, das einen am Ende rund 14'000 Franken gekostet hat, einfach vergisst, scheint unwahrscheinlich.
Bei dieser Frage wird Patrick Fischer emotional:
Der Ex-Nati-Trainer behauptet auch, dass die Nati nie in Gefahr war, vom Olympiaturnier disqualifiziert zu werden, falls sein Vergehen damals schon aufgeflogen wäre. Der 50-Jährige kann schlicht nicht wissen, wie die strikten Organisatoren in Peking in der damaligen Extremsituation reagiert hätten.
Am auffälligsten ist am Ende aber Fischers Heuchelei. Er wirft dem SRF den Bruch einer Abmachung vor, was absolut scheinheilig ist. Er selbst hat in dieser Affäre die grössten Vertrauensbrüche begangen, indem er das Gesetz gebrochen und das verschwiegen hat. Fischer unterschrieb beim Verband einen Vertrag, in dem er sich bereiterklärte, an den drei Turnieren in dieser Saison teilzunehmen, um so eine Geldstrafe von einer halben Million Schweizer Franken zu umgehen. Gemäss seiner eigenen Aussage war ihm damals bewusst, dass es eine Impfung braucht.
Fischer sagt, er sei jemand, der für Offenheit und Vertrauen plädiert, während er jahrelang ein ganzes Land angelogen und hinters Licht geführt hat. Im November 2021 behauptete er im Tages-Anzeiger schwarz auf weiss: «Ich werde am 12. Dezember vollständig geimpft sein.»
Das Gespräch mit Peter Röthlisberger hat zwei Dinge klargemacht: Patrick Fischer hat aus dem Fälschungsskandal nichts gelernt. Und er ist in dieser Affäre nicht das Opfer, auch wenn er es gerne so darstellt.
