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Der Zuercher Jonas Siegenthaler, links, drueckt den Berner Martin Pluess, rechts, aufs Eis beim Eishockeyspiel der National League A ZSC Lions gegen den SC Bern im Hallenstadion in Zuerich am Mittwoch, 9. September 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der SCB musste gestern bereits ein erstes Mal unten durch.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der SCB wie die Lakers – ein ungeheuerlicher Vergleich, aber ...

Vor einem Jahr die Lakers, jetzt der SC Bern. Die Saison-Ouvertüre der ZSC Lions wirft Fragen auf und provoziert zu einer gewagten Behauptung.



Die ZSC Lions gegen den SC Bern. In einer geordneten Hockey-Welt könnten wir davon ausgehen, dass das erste Spiel der Saison auch das letzte sein wird. Also die letzte Partie im Finale. So wie zuletzt 2013. Denn auf dem Papier handelt es sich um Titanen. Durchwegs grösser als die Konkurrenz. Die Berner in erster Linie als mächtige Hockey-Geldmaschine mit einem Konzernumsatz von über 50 Millionen Franken und mit schwarzen Zahlen seit 16 Jahren. Die ZSC Lions als mächtiges Hockey-Imperium, abgesichert von Milliardären, mit mehr als 600 Junioren und eigenem Farmteam (GCK Lions).

Auston Matthews, der Hockey-Popstar aus Amerika, wird in ein paar Tagen 18 Jahre alt und kann deshalb erst am 18. September gegen Fribourg erstmals spielen. Kein Problem. Vorerst ersetzt ihn der Kanadier Chris Foulcault von den GCK Lions. Und soeben haben die Zürcher die erste Phase der Champions Hockey League mit vier Siegen erfolgreich abgeschlossen. Wahrlich ein Titan.

01.09.2015; Zug; Eishockey NLA Testspiel EV Zug - ZSC Lions; Auston Matthews (ZSC) auf der Tribuene (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Auston Matthews muss sich noch etwas gedulden. 
Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Der SCB hat ein Goalie-Problem

Vor einem Jahr haben die ZSC Lions die Meisterschaft auch an einem Mittwoch eröffnet. Mit einem 4:1 gegen die Lakers. Am Ende gewannen sie die Qualifikation und die Lakers landeten auf dem letzten Platz und in der NLB. Damals war bereits im ersten Spiel ersichtlich, dass es so enden würde. Und jetzt?

Der SCB ist ein verwundbarer Titan. Die Berner haben sich in der Champions Hockey League blamiert, zum Abschluss mit einem 1:7 auf eigenem Eis. Der autoritäre SCB-Trainer Guy Boucher ist in den letzten Wochen ärger kritisiert worden als vor einem Jahr der antiautoritäre Lakers-Chef Anders Eldebrink.

Nicht genug, dass die Berner in Zürich lediglich mit drei Ausländern antreten können, weil es Trevor Smith im Rücken zwickt. Zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg (1986) beginnt der SCB die Saison nicht mit der Nummer 1 im Tor. Marco Bührer, die Legende, steht an der Bande. Janick Schwendener hat seinen Platz übernommen. Er wird in diesem Spiel ein Durchschnittsgoalie sein. Der SCB verliert nicht wegen ihm. Aber der SCB gewinnt eben auch nicht dank ihm. Also kein grosser Torhüter. Es ist nicht die Frage, ob der SCB diese Saison erstmals seit 29 Jahren ein Torhüterproblem haben wird. Sondern nur wann.

Denis Malgin, ZSC, rechts, scheitert im Duell gegen Torhueter Janick Schwendener, Bern, links, waehrend der National League A Partie zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern im Hallenstadion, am Mittwoch 9. September in Zuerich. (PHOTOPRESS/Nick Soland)

Nicht Marco Bührer, sondern Janick Schwendener stand gestern beim SCB zwischen den Pfosten. 
Bild: PHOTOPRESS

Wir blenden jetzt alles aus, was wir über die Macht und das Geld und den Einfluss und die Tradition der beiden Teams wissen. Wir verwandeln uns in einen hockeybegeisterten Zaungast, der schon vor einem Jahr das Eröffnungsspiel gegen die Lakers gesehen und sich gestern wieder einmal ins Hallenstadion verirrt hat.

Tja, dann kommen wir zu einem Schluss, den wir fast nicht publizieren dürfen. Der SCB beginnt die Partie schlechter als die Lakers vor einem Jahr (die führten immerhin 1:0). Die ZSC Lions sind so überheblich wie beim Saisonauftakt im September 2014 gegen die Lakers (4:1). Sie wären gestern zu packen gewesen.

Aber der SCB hat nicht viel mehr Stilsicherheit als damals die Lakers. Selbst als die Hockeygötter dafür sorgen, dass der Puck vorübergehend den Weg der Berner geht (der SCB braucht nur 76 Sekunden, um aus dem das 0:2 ein 2:2 zu machen), verändert sich die Struktur des Spiels nur vorübergehend. Am Ende siegen die ZSC Lions 5:3 und erzielen ein Tor mehr als vor einem Jahr gegen die Lakers. Wenn wir berücksichtigen, dass dem 3:2 ein Abseits vorangegangen ist, dann sind es gleich viele wie gegen die Lakers.

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Dem 3:2 der ZSC Lions ging wohl ein Abseits voraus.
gif: srf/watson

Die Berner sind zu wenig arrogant

Der SCB gar wie die Lakers? Nein, das ist eine gewagte, eine ungeheuerliche Behauptung. In der zweiten Hälfte des Spiels konstatiert der ahnungslose Beobachter immerhin eine beinahe wundersame zwischenzeitliche Steigerung. Am Ende wird er sagen, der SCB habe ein sportliches Drama zwischen blankem defensivem Entsetzen und befreiendem Jubel aufgeführt. Das Boxplay war vorzüglich. Kämpferisch waren die Berner auch. Aber letztlich haben wir einen braven, biederen SCB gesehen. Es fehlte Charisma, Selbstvertrauen und Stilsicherheit, die früher den grossen SCB auszeichneten.

Immerhin gibt es statistischen Trost. Letztmals ist der SCB im September 2012 beim Saisonauftakt in Genf mit einer 1:3-Pleite so punktelos geblieben wie am Mittwoch in Zürich. Im Frühjahr 2013 haben die Berner den Titel geholt.

Zuerich, 09.09.2015, Eishockey NLA - ZSC Lions - SC Bern, Enttaeuschung nach dem Spiel beim Trainer Guy Boucher (SCB) und seinen Spielern. (Marc Schumacher/EQ Images)

Der SCB legte einen biedern Auftritt hin. 
Bild: Marc Schumacher

Wenn wir denn diese erste Partie partout zum Erklärstück für die neue Saison machen und ein wenig philosophieren wollen, so können wir orakeln: Es ist durchaus noch möglich, dass die ZSC Lions und der SCB auch das letzte Spiel der Saison bestreiten werden. Aber nur dann, wenn der SCB einen Fehlstart vermeidet und zu seiner Stilsicherheit findet. Eine Auswärtsniederlage in Zürich erschüttert den SCB nicht. Eine Heimpleite am Freitagabend gegen die SCL Tigers hingegen schon.

Es gab eigentlich nur einen wesentlichen Unterschied in diesem Startspiel zwischen den vermeintlichen Titanen. Die Zürcher gewinnen diesen Saisonauftakt «nur» 5:3 und nicht mit vier oder fünf Toren Differenz, weil sie arrogant sind. Die Berner sind es nicht. Aber dass das so ist mit den Zürcher und Bernern, wissen wir ja auch aus dem richtigen Leben. Oder?

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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