DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
HC Ajoie Torhueter Tim Wolf startet eine Pruegelei mit EHC Kloten Stuermer Victor Oejdemark (#65) waehrend dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Ajoie am Montag, 26. April 2021, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Im Playoff-Final der Swiss League steckt jede Menge Zunder. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Ajoie, Kloten und des Eismeisters grösster Irrtum in bald 40 Jahren

Der Chronist ist noch eine Niederlage von der gröbsten Fehleinschätzung seines bald 40-jährigen schriftstellerischen Wirkens entfernt. Wie konnte das passieren?



Kloten besiegt Ajoie im ersten Finalspiel 5:2. Alles nimmt seinen gewohnten Lauf. Oder besser: Scheint seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Wie erwartet. Kloten wird aufsteigen. Schliesslich haben die Zürcher die Qualifikation gewonnen und in drei von vier Spielen der Regular Season gegen Ajoie obsiegt. Der Chronist titelt:

Inzwischen führt Ajoie im Final 3:2. Noch eine Niederlage und Kloten steigt nicht auf.

Fehleinschätzungen gibt es immer wieder. Sogar bei so wichtigen Ereignissen wie der Wahl des US-Präsidenten: «Dewey Defeats Truman» («Dewey besiegt Truman») war die falsche Schlagzeile auf der Titelseite der ersten gedruckten Exemplare der «Chicago Tribune» vom 3. November 1948.

Präsident Harry S. Trumans Niederlage gegen den republikanischen Herausforderer Thomas E. Dewey war allseits erwartet worden – ähnlich wie jetzt Klotens Finalsieg und Aufstieg gegen Ajoie. Aber Truman gewann die Wahl. Ein berühmtes Foto zeigt, wie er belustigt ein Exemplar mit seinem vorzeitigen politischen Nachruf emporhält.

Dewey defeats Truman

Präsident Truman mit der Schlagzeile, die fälschlicherweise seine Niederlage verkündet. Bild: National Archives and Records Administration

Nun denn: Kloten kann trotz der gestrigen Niederlage mit zwei Siegen doch noch aufsteigen. Es ist der einzige Weg zur Promotion. Liga-Direktor Denis Vaucher sagt nämlich unmissverständlich: «Kloten kann nur als Meister aufsteigen. Sollte Ajoie Meister werden und auf den Aufstieg verzichten, dann gibt es keinen Aufsteiger.» Also kein Erben. Kein Nachrutschen.

Wie kommt der Chronist zu seiner kapitalen Fehleinschätzung? Eine Fehleinschätzung ist es nämlich auch dann, wenn Kloten doch noch aufsteigen sollte. Die Party war, wie wir jetzt sehen, nach dem ersten Sieg der Zürcher ja nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Sie begann erst.

Es gibt eine Erklärung. Aber keinesfalls eine Entschuldigung.

Der Chronist hat sich von den Emotionen im Stadion, in den Kabinengängen und des Umfelds leiten lassen.

Die Spieler von Kloten jubeln im ersten Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen den EHC Kloten und dem HC Ajoie am Sonntag 18. April 2021, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Im ersten Finalspiel zeigt Kloten dem Gegner den Meister. Bild: keystone

Kloten will unbedingt aufsteigen und hat eigentlich alles vorgekehrt. Die Liga möchte Kloten oben sehen. Die Regelung, dass es zwar keinen Absteiger, aber einen Aufsteiger gibt und die National League dann halt nächste Saison 13 Teams umfassen wird, ist ein wenig auch eine «Lex Kloten». Und da ist ja noch das Theater um die zwei kanadischen Leitwölfe Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen, die angeblich für nächste Saison schon bei Kloten unterschrieben haben – aber nur, falls Kloten aufsteigt.

Das ist nur eine Erklärung. Eine Ausrede ist das nicht. Weil es keine Ausrede gibt. Eigentlich hätte der Chronist wissen müssen, dass eine Best-of-Seven-Serie nicht im ersten Spiel entschieden wird. Dass all die Sprüche, über die gespottet wird – es ist alles erst vorbei, wenn es vorbei ist – eben doch ewige Wahrheiten sind.

HC Ajoie PostFinance Top Scorer Philip-Michael Devos, links, gegen EHC Kloten Verteidiger Fabian Ganz waehrend dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Ajoie am Montag, 26. April 2021, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Philip-Michaël Devos, Ajoies bissiger Topskorer. Bild: keystone

Vor allem aber: Er hätte als Berner, der den Jura so oft bereist hat, wissen müssen, welch eigenwilliges Volk das Elsgau (deutsche Bezeichnung der Ajoie) bewohnt. Welche Emotionen gerade Auseinandersetzungen mit der alemannischen Schweiz zu wecken vermögen. Zu welchen Heldentaten Trainer Gary Sheehan seine Mannschaft zu führen versteht.

Hatte der Chronist Ajoies Cupsieg, die Triumphe über die Titanen Lausanne, Biel, die ZSC Lions und Davos denn schon vergessen? Und wie konnte er den Stolz, die Trotzreaktion von Devos und Hazen unterschätzen? Den Zusammenhalt der Mannschaft in dieser ganz besonderen Situation ausser Acht lassen?

Und war Kloten nicht auch im Frühjahr 2018 schon beinahe gerettet und scheiterte dann dann doch? Ein 0:2 gegen die Lakers hatten die Zürcher in ein 3:2 umgewandelt – und verloren die Liga-Qualifikation doch 3:4 und stiegen erstmals in ihrer Geschichte ab. Also wäre doch nach bloss einem Sieg im Final gegen Ajoie höchste Zurückhaltung das Gebot der Stunde gewesen. Oder?

Les joueurs jurassiens du HC Ajoie fetent la victoire en coupe de suisse avec les supporters lors de la finale de Coupe de Suisse de hockey sur glace Swiss Ice Hockey Cup, entre HC Ajoie et HC Davos ce dimanche 2 fevrier 2020 a la patinoire de la vaudoise arena a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Rauschendes Fest: 2020 gewinnt Ajoie kurz vor Ausbruch der Pandemie den Cup. Bild: KEYSTONE

Ja, so ist es. Es gibt nichts anderes als das Eingeständnis eines groben Irrtums. Ohne «wenn» und «aber».

Das Internet ist unerbittlich und verzeiht nichts. Die ersten «Screenshots» mit der Headline «Allen ist klar, dass die Party eigentlich vorüber ist – Kloten wird aufsteigen» sind gestern Abend schon angekommen.

Selbst wenn Kloten die Wende doch noch schaffen sollte – die Ehre des Chronisten wäre nicht gerettet. Es hilft nicht einmal Konrad Adenauers Spruch «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern». Er streut Asche auf sein Haupt und verspricht hiermit, sich zu bessern.

Oder es wenigstens, es zu versuchen.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Fehler in der Matrix? Diese Bilder lassen dich nachdenken

1 / 26
Fehler in der Matrix? Diese Bilder lassen dich nachdenken
quelle: reddit
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Schnee im Juli – nein, doch nur eine Tankstelle

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Katastrophe in Indien – warum sie auch für uns Konsequenzen hat

Indien befindet sich nicht nur am Rand einer Katastrophe, sondern mittendrin. Warum der Westen eine Mitschuld daran trägt und wieso Indiens Situation uns eine Lehre sein sollte.

Während die Schweiz und andere Länder bis anhin immer knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt sind oder – im Falle von New York, Italien und Brasilien – mit einem Bein im Desaster standen und stehen, erlebt Indien gerade den Super-GAU.

Das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land ist momentan für 40 Prozent der weltweiten Corona-Neuinfektionen verantwortlich. Die tägliche Infektionsrate liegt bei ca. 350'000 Menschen pro Tag. Die Fallzahlen pro Million Einwohner liegen somit zwar «nur» auf dem …

Artikel lesen
Link zum Artikel