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Republikanischer Gouverneurskandidat in Minnesota zieht sich zurück

Minneapolis attorney Chris Madel speaks at his office in Minneapolis on Dec. 1, 2025. (Leila Navidi/Star Tribune via AP)
Chris Madel kritisiert seine eigene Partei scharf.Bild: AP Star Tribune

«Kann meinen Töchtern nicht in die Augen schauen»: Republikaner zieht Kandidatur zurück

Der republikanische Gouverneurskandidat Chris Madel beendet überraschend seine Kampagne. Als Grund nennt der Anwalt aus Minneapolis den Kurs seiner Partei in der Einwanderungspolitik und scharfe Kritik an jüngsten ICE-Einsätzen.
26.01.2026, 21:1526.01.2026, 22:00

Der Republikaner Chris Madel hat am Montag seinen Rückzug aus dem Rennen um das Gouverneursamt im US-Bundesstaat Minnesota bekanntgegeben. In einer Videoansprache erklärte der Anwalt aus Minneapolis, er könne die Linie der nationalen Parteiführung nicht länger mittragen. Madel hatte sich um die republikanische Nominierung beworben, nachdem Amtsinhaber Tim Walz Anfang Monat auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte.

Madel war Teil eines breiten republikanischen Bewerberfeldes. Bekannt wurde er zuletzt auch, weil er einen ICE-Beamten juristisch unterstützt hatte, der in Minneapolis die 37-jährige Renee Good erschossen hatte. Die Tat hatte landesweit Proteste ausgelöst und die Debatte über das Vorgehen von Bundesbehörden im Inland neu entfacht.

Scharfe Worte gegen die eigene Partei

In seiner Erklärung distanzierte sich Madel deutlich vom Vorgehen der Bundesbehörden und von der Rhetorik der Republikanischen Partei auf nationaler Ebene. Die jüngsten ICE-Operationen bezeichnete er als «völlige Katastrophe». Besonders deutlich wurde er mit Blick auf die Auswirkungen auf Minderheiten.

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Bild: @briantylercohen.bsky.social

Wörtlich sagte Madel:

«Ich kann meinen Töchtern nicht in die Augen schauen und sagen, dass ich als Republikaner kandidiere, während Menschen mit hispanischem oder asiatischem Hintergrund allein wegen ihrer Hautfarbe angehalten werden. Dafür habe ich mich nicht entschieden.»
Chris Madel

Er könne sich nicht länger als Teil einer Partei bezeichnen, die solche Praktiken dulde oder unterstütze. Auch eine von Republikanern angekündigte «Vergeltung» gegen den Bundesstaat Minnesota könne er nicht mittragen.

Chris Madels Statement im Original.Video: watson/x.com/cwmadel

Zweifel an Wahlchancen der Republikaner

Madel bezeichnete sich selbst als Pragmatiker und stellte grundsätzlich infrage, ob Republikaner unter den aktuellen politischen Vorzeichen landesweite Wahlen in Minnesota gewinnen könnten. Die nationale Parteiführung habe es «fast unmöglich gemacht», mit einem republikanischen Label erfolgreich anzutreten, sagte er.

Der Rückzug gilt als weiteres Zeichen für innerparteiliche Spannungen innerhalb der Republikanischen Partei, insbesondere im Zusammenhang mit der verschärften Einwanderungspolitik und dem Auftreten von Bundesbehörden fernab der Grenze. (mke)

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Amadeus
26.01.2026 21:25registriert September 2015
Es hat ein wenig gedauert, aber wenigstens haben jetzt ein paar gemerkt, wohin die USA unter dem Diktat der Orange driftet. Es ist zu hoffen, dass noch mehr Republikaner das Wohl des Landes über das Wohl von Trump stellen.
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Frank der Stein
26.01.2026 21:27registriert Juni 2022
Wow, es gibt also doch noch Republikaner mit Anstand.
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Walter Sahli
26.01.2026 21:25registriert März 2014
Wow, ein Republikaner scheint einen Funken Anstand in sich gefunden zu haben. Man sollte ihn aus Seltenheitsgründen in einem Museum ausstellen.
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Der Unterschied zwischen «ICE» und «Border Patrol»
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