Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Zuercher bejubeln das 2-2 durch Zuerichs Justin Sigrist, zweiter von rechts, waehrend einem Vorbereitungsspiel der National League, zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Freitag, 25. September 2020, in Herisau. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Der Meistertitel 2021 ist schon an die ZSC Lions vergeben – oder?

Einen so klaren Titelfavoriten wie die ZSC Lions hat es im 21. Jahrhundert noch nie gegeben. Aber schon vor zwei Jahren schien alles so klar. Und dann kam es doch ganz anders.



Grosse Vermögen werden oft in Zeiten der Krise gemacht. Wer zielstrebig durch eine Welt geht, die ein wenig aus den Fugen geraten ist, kommt weit. Es ist zwar ein wenig bösartig, die ZSC Lions als «Krisengewinner» zu bezeichnen. Aber diese Bezeichnung trifft die Sache am besten.

Die Zürcher haben die Turbulenzen der letzten Monate auf und neben dem Eis am besten gemeistert. Sie haben alle neun Vorbereitungsspiele gewonnen, auch die gegen die Topteams Zug (7:4) und zweimal gegen Davos (3:1 und 5:3). Sie sind trotz eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten im Hallenstadion dazu in der Lage, allen Dauerkartenbesitzern Einlass zu gewähren. Weil das Hallenstadion auch in normalen Zeiten nur Sitzplätze hat.

Das Zurich Jazz Orchestra probt unter den aktuellen Abstandsregeln im Hallenstadion in Zuerich, aufgenommen am Freitag, 3. Juli 2020. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Für einmal profitiert der ZSC von seinem eher ungeliebten Hallenstadion. Bild: keystone

Der klarste Favorit seit dem «Grande Lugano»

Die Besitzer des Klubs um den Milliardär Walter Frey haben die «Kriegskasse» für eine Transferoffensive aufgefüllt. Mit Sven Andrighetto ist der begehrteste Spieler auf dem Transfermarkt gleich mit einem Fünfjahresvertrag nach Zürich geholt worden. Nicht zuletzt deshalb, weil der einzige ernsthafte Konkurrent – der EV Zug – wegen eines selbstverordneten Personalstopps auf dem Transfermarkt nur zögerlich aufgetreten ist. Obwohl auch EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel ein Milliardär ist. Womöglich haben die Zuger den Titel im Sommer verspielt.

Die ZSC Lions starten als klare Favoriten in die neue Saison. Seit den Zeiten des «Grande Lugano» in den späten 1980er-Jahren hat es im Playoff-Zeitalter (seit 1986) nie mehr einen so klaren Titelanwärter gegeben. Zwar schien schon einmal nichts und niemand die ZSC Lions aufhalten zu können. Das war nach dem Titelgewinn von 2018. Meistertrainer Hans Kossmann blieb nicht an Bord. Aber Sportchef Sven Leuenberger machte die Meistermannschaft durch geschickte Transfers noch besser. Und dann scheiterten die Zürcher grandios und erreichten nicht einmal die Playoffs. Wenigstens war die Unterhaltung grandios und die Krisensaison bescherte Arno del Curto den letzten Auftritt als Hockey-Rockstar.

Zuerichs Sven Andrighetto, vorne, waehrend einem Vorbereitungsspiel der National League, zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Freitag, 25. September 2020, in Herisau. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Königstransfer: Sven Andrighetto. Bild: keystone

Suter nur im Farmteam genehm

Im letzten Frühjahr sind die Zürcher nicht Meister geworden wie 2018. Sondern «nur» Qualifikationssieger. Aber sie sind die «gefühlten» Meister des Jahres ohne Playoffs. Warum ist die Absturzgefahr jetzt so viel geringer als vor zwei Jahren? Im Unterschied zur echten Meistersaison 2017/18 ist der Trainer geblieben. Der charismatische Rikard Grönborg wird kein Ruhen auf den Lorbeeren dulden. Der Verlust von Liga-Topskorer Pius Suter ist durch den Transfer von Sven Andrighetto kompensiert.

Weil Pius Suter in die NHL wechselt, dürfen ihn die Zürcher durch einen 5. Ausländer ersetzen. Er verbringt seine Wartezeit auf den NHL-Saisonstart bei den GCK Lions. Mit dem Farmteam trainiert und spielt er. Obwohl ein Einsatz bei den ZSC Lions möglich wäre. Aber ein so wichtiger Spieler, der voraussichtlich im November schon wieder gehen wird, hilft nicht bei der Entwicklung der Mannschaft.

Die ZSC Lions haben mit Präsident Walter Frey einen Milliardär als Mäzen. Die besten Spieler, den besten Trainer, den besten Präsidenten und ab dem Herbst 2022 mit der neuen Arena das beste Stadion. Also gehört es sich, auch alles zu tun, um in jeder Hinsicht exzellent und das beste Hockey-Unternehmen im Land zu sein. Sonst ist man eines Milliardärs und eines neuen Stadions nicht würdig.

Vorbereitungsspiele

Lakers 4:2
Davos 3:1
GCK Lions 8:0
Lugano 4:1
Kloten 4:3 n.P.
Servette 3:2
Biel 1:0
Zug 7:4
Davos 5:3

Meistertitel beginnen im Kopf der Chefetage

So ist die Erwartungshaltung in Zürich eben höher und die tägliche Arbeit anspruchsvoller, als wenn man sich als kapitalistischer Wolf unter dem Schafspelz der Budgetdisziplin, des Ligawohls oder den Bemühungen um eine Lohnbegrenzung tarnt. ZSC-Manager Peter Zahner ist als Verfechter des freien Marktes und des Leistungsprinzips auf und neben dem Eis gegen eine Salärbegrenzung. Diese Einstellung lebt er vor und setzt sie in seinem Unternehmen durch.

ZSC CEO Peter Zahner auf der Baustelle der Swiss Life Arena, dem zukuenftigen ZSC Stadion in Zuerich, aufgenommen am Sonntag, 6. September 2020. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Einer der Baumeister des Zürcher Erfolgs: Peter Zahner. Bild: keystone

Im Juli 2022 ist die Eröffnung des neuen Stadions geplant, das bessere wirtschaftliche Bedingungen eröffnet als das Hallenstadion und die Abhängigkeit von betriebsfremden Zuschüssen verringern wird. Der Bau dieser Arena in der Stadt Zürich ist eine Meisterleistung des Managements. Die Gefahr, dass aus den ZSC Lions ein «Lugano des Nordens» wird (zu viel Geld, zu wenig Geist) ist gering. Das ehrliche Bekenntnis zu Spitzenleistungen ist eine der Stärken dieser Organisation. Meistertitel beginnen im Kopf der Chefetage.

Das ist der Unterschied zu Lugano (seit 2006 nie mehr Meister) und zu Zug (bisher nur 1998 Meister), zwei Hockeyunternehmen, die auch durch milliardenschwere BesitzerInnen alimentiert werden. Aber die es nicht mehr oder noch nicht schaffen, ein Maximum aus ihrem grossen Potenzial herauszuholen.

Letzte Saison waren die Zürcher die Besten. Wie es sich gehört. Und doch sind sie nicht Meister geworden. Sie gewannen die Qualifikation. Aber die Playoffs mussten abgesagt werden. Meister ist nach wie vor der SC Bern, der nicht einmal die Playoff-Qualifikation geschafft hat. Für die ZSC Lions ein unhaltbarer Zustand, der nun korrigiert werden soll.

Alles klar? Nein. Die Zukunft, die nächste Saison, gehört auch im Eishockey keinem. Aber die ZSC Lions haben alles dafür getan, dass ihnen die nächste Saison gehören wird.

Prognose:

Platz 1.

So tippt der Eismeister die Qualifikation:

1. ZSC Lions
2. EV Zug
3. HC Lugano
4. HC Fribourg-Gottéron
5. EHC Biel
6. Genève-Servette
--------------------------------------------
7. HC Davos
8. Lausanne HC
9. SC Bern
10. HC Ambri-Piotta
--------------------------------------------
11. SC Rapperswil-Jona Lakers
12. SCL Tigers

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister

«Spider Dress 2.0» – So könnte die Mode der Zukunft aussehen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

46 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Züzi31
01.10.2020 14:04registriert August 2015
Transferoffensive? Wtf... Wegen einem Zuzug, welcher den Abgang von Suter nicht kompensiert? Berni ist auch nicht akkurat ersetzt worden. Zug hat mit Thürkauf und McLeod ihr Team verstärkt, welches letzte Quali gerade mal im letzten Spiel gegen Zürich den ersten Platz verspielt hat. Dahinter waren Davos und Genf auch nur 1 Punkt vom EVZ entfernt.
Keine Ahnung wieso Zürich klarer Favorit sein soll. Streitet ja keiner ab, dass der Titel das eigentliche Ziel ist, aber so eindeutige Favoriten wie hier beschrieben, gibt es nicht in dieser Liga.
Ich freu mich jedenfalls, dass es los geht. 🏒🥅
12823
Melden
Zum Kommentar
insert_brain_here
01.10.2020 14:14registriert October 2019
Schweizer Meister ist im Moment gar niemand.
10814
Melden
Zum Kommentar
Buceador
01.10.2020 14:07registriert March 2019
Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn alles anders kommt, als die zahlreichen "Experten" voraussagen :-)
713
Melden
Zum Kommentar
46

Kommentar

Das Ende der Berner Sportwelt wie wir sie kannten

Die Berner Kantonsregierung verbietet bis auf Weiteres Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Es ist das Ende des Berner Sportes mit den SCL Tigers, dem SC Bern, Biel und YB. Dieser Alleingang der Berner lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Eine Regierung dreht durch.

Zuerst einmal ein paar Reaktionen auf den Alleingang der Berner. Hockey-Ligadirektor Denis Vaucher ist fassungslos. «Wir haben alle Schutzkonzepte umgesetzt und es hat bei den Spielen nicht das kleinste Problem gegeben. Weil die Berner Regierung den Ausbau des Contact-Tracing verschlafen hat, gibt es nun diese Regelung.»

Wie es weiter geht, wird erst im Laufe des Montags bekannt. Die Klubs brauchen Zeit, um zu entscheiden, wie sie mit diesem Verbot von Fussball und vor allem von Hockey auf Berner …

Artikel lesen
Link zum Artikel