Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
L'entraineur lausannois Craig MacTavish, et le directeur sportif lausannois John Fust, regardent l'echauffement des joueurs lausannois lors d'un match amical de preparation pour la nouvelle saison de hockey sur glace National League entre Lausanne HC, LHC et le EHC Biel-Bienne le vendredi 21 aout 2020 dans la patinoire de la vaudoise arena de Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Welches Gesicht zeigt Lausanne in dieser Saison? Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Zu viel Hollywood im «Fürstentum Svoboda» – Lausanne als SC Bern des Welschlandes

Lausanne hat eine wunderbare Arena, ein temperamentvolles Publikum und ein Team, gut genug für den Titel. Aber Lausanne findet einfach keine Ruhe. Nun rocken eine tschechische und eine kanadische Eishockey-Legende die Liga. Das ist selbst für Lausanne zu viel Hollywood.



Eigentlich weiss Petr Svoboda alles über Hockey. Er hat über 1000 NHL-Partien gespielt, gewann olympisches Gold (1998) und war Stanley Cup-Sieger mit Montréal (1986), später Agent von Grössen wie Jaromir Jagr, Jakub Voracek oder Denis Malgin.

Aber er kennt die Besonderheiten unseres Eishockeys noch nicht. Der Mann aus dem böhmischen Most ist nicht der erste vermeintliche Hockey-Grossmeister, der bei uns eine Anlaufzeit braucht. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie kurz sein wird. Entweder, weil er so viel über Hockey weiss und schnell lernt oder dann, weil sein Abenteuer nur von kurzer Dauer ist.

Petr Svoboda, director of hockey operations of the Lausanne Hockey Club, speaks to the media on the situation regarding the COVID-19 about starting the new season from the National League Swiss Championship 2020-21 during a press conference , at the Vaudoise Arena in Lausanne, Switzerland, Tuesday, July 28, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Petr Svoboda ist der neue Sportdirektor in Lausanne. Bild: keystone

Wie Marc Lüthi in Bern mit der Anstellung von Sportchefin Florence Schelling und Trainer Don Nachbaur hat auch Petr Svoboda als Sportdirektor bereits im Sommer für viel Aufregung gesorgt. Dabei wäre keine Aufregung nötig gewesen. Sportchef Jan Alston hatte in geduldiger, beharrlicher Arbeit seit dem Wiederaufstieg von 2013 das Fundament für eine Meistermannschaft gebaut. Mit ein paar transfertechnischen Handgriffen wäre es nun möglich, daraus in den nächsten zwei Jahren eine Meistermannschaft zu machen. Ohne Revolution.

Der erste Akt im Hockeytheater

Wenn es den Eseln zu wohl wird, beginnen sie auf dem Eis zu tanzen. Das Management in Lausanne mahnt schon ein wenig an diese alte Bauernweisheit. Wieder einmal hängt das Glück an der Geduld ausländischer Besitzer. Nach dem Amerikaner Ken Stickney versuchen inzwischen die Financiers Gregory Finger, ein russischer Mehrfachbürger und der tschechische Geschäftemacher Zdenek Bakala aus Lausanne einen Titelkandidaten zu machen.

Sie haben die Geduld bereits verloren. Ohne jede Not ist Jan Alston, der diskrete Architekt des neuen Lausanne und seit mehr als 20 Jahren mit den Besonderheiten unserer Hockeykultur vertraut, des Amtes enthoben worden. Der Mann des Vertrauens der neuen Besitzer ist also Petr Svoboda. Manager Sacha Weibel bleibt im «Fürstentum Svoboda» noch die Rolle des braven Soldaten Schwejk.

Jan Alston, directeur sportif du Lausanne HC, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et HC Ambri-Piotta, ce mardi 24 fevrier 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Jan Alston wurde ohne Not aussortiert. Bild: KEYSTONE

Was in der NHL gut ist, ist in der kleinen National League billig. Wenn selbst Stars in der NHL hin- und hergeschoben werden können wie Schachfiguren, dann wird das wohl auch in der Schweiz möglich sein. Und wie kann ein Manager seinen Besitzern zeigen, dass er unermüdlich, fleissig, ohne Rast und Ruh für das Unternehmen tätig ist? Am besten mit schlagzeilenträchtigen Spielertauschs.

Petr Svoboda hat aus Genf die Hinterbänkler Tim Bozon, Petr Cajka, Guillaume Maillard und Florian Douay geholt und dafür mit dem WM-Silberhelden Joël Vermin einen der komplettesten Stürmer der Liga und mit Tyler Moy einen hochkarätigen Doppelbürger hergeben. Ein nordamerikanischer Beobachter unseres Hockeys kommentierte dieses Tauschgeschäft sarkastisch so: «Servette flushed the toilet». Er meinte: Servette ist die Spieler losgeworden, die man eigentlich gar nicht mehr wollte. Doch das war nur der erste Akt im grossen Hockeytheater Lausanne. Petr Svoboda wird uns während der Saison laufend mit Transferaktivitäten unterhalten. Zurzeit versucht er Etienne Froidevaux loszuwerden. Der ehemalige SCB-Junior war immerhin letzte Saison noch Captain.

Le defenseur lausannois Joel Genazzi, gauche, et lÕattaquant lausannois Etienne Froidevaux, centre, celebrent le 2eme but devant le defenseur tessinois Michael Ngoy, droite, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne HC, LHC, et HC Ambri-Piotta ce mardi 11 octobre 2016 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Auch Etienne Froidevaux könnte Lausanne bald verlassen. Bild: KEYSTONE

Und trotzdem könnte der Winter auf dem Eis ruhmreich werden. Das mag zeigen, wie viel sportliche Substanz noch immer vorhanden ist. Das mit viel Geld hochgerüstete Team ist bei weitem gut genug für einen Spitzenplatz. Der Zirkus mahnt an den SC Bern und so wie der SCB im Selbstverständnis das Bayern München unseres Hockeys ist, so sieht sich Lausanne als Montréal unseres Hockeys. Aber Lausanne hat die besseren Torhüter, die besseren Ausländer und den besseren Trainer als der SCB.

Vorbereitungsspiele

SC Bern 3:1
Biel 3:5
Gottéron 3:4
Ajoie 3:4
Grenoble 5:2
Visp 4:1
Langnau 0:1
Grenoble 7:3
Sierre 9:1
Gottéron 4:3

Ein Trainer mit viel Charisma

Für Trainer Craig MacTavish, ein Kumpel von Petr Svoboda aus NHL-Zeiten ist der erstmalige Einzug in die Playoffs, ja sogar in den Final angesichts des investierten Geldes, des ganzen Theaters und des zelebrierten Selbstvertrauens des Klubs eigentlich Pflicht. Wenn wir uns ein wenig näher mit dem Kanadier beschäftigen, dann erahnen wir, warum er die Schlüsselfigur sein wird. Er ist wahrhaftig eine Hockey-Legende. Er spielte über 1000 NHL-Partien ohne Helm und war der 1997 bei seinem Rücktritt der letzte NHL-Profi, der keinen Held trug. Und doch hat er nie eine Gehirnerschütterung erlitten. Er gewann vier Stanley Cups mit Edmonton und den Rangers und als kanadischer Nationaltrainer den Spengler Cup, coachte Edmonton neun Jahre lang und erreichte 2006 den Stanley-Cup-Final.

Einst galt Craig MacTavish als «harter Hund», nun ist er 61 und ein wenig altersmilde geworden. Er hat im Quadrat mehr Charisma als sein Vorgänger Ville Peltonen, dessen Job er im Februar übernommen hat. Der Kanadier wird die taktischen Fesseln lösen und mit Lausanne spektakuläres «Firewagon-Hockey» probieren. Das Hockey, das er einst an der Seite von Wayne Gretzky selber zelebriert hat. Ein grosses Spiel hat er mit Lausanne ja schon gewonnen: die letzte Partie der letzten Saison gegen den SCB. Die Niederlage kostete den Titelverteidiger die Playoffs.

Lausanne's Head coach Craig McTavish reacts behind his players, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and Lausanne HC behind closed doors, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Friday, February 28, 2020. All games of the National League of the Swiss Championship are played behind closed doors due to the advancement of the (Covid-19) coronavirus in Switzerland. The Swiss confederation announced today that all events involving more than 1,000 people would be banned until 15 March. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Craig MacTavish soll Lausanne zum Titel führen. Bild: KEYSTONE

Lausanne ist ein Titan mit Meisterpotenzial, der in die neue Saison taumelt. Der Trainer ist ein Glücksfall: was kümmert einen Mann mit so viel Hockey-Lebenserfahrung wie Craig MacTavish das tschechisch-welsche Theater im und um den Klub herum? Er ist der französischen Sprache sowieso nicht mächtig. All die Polemik rund um dieses Hockey-Hollywood wird ihn in der Konzentration auf den Job nicht stören.

Aber wenn Craig MacTavish in vollem Umfang realisiert, auf was für ein Abenteuer er sich da im «Fürstentum Svoboda» eingelassen hat, stürzt Lausanne in die grösste Krise seit dem Wiederaufstieg.

Prognose:

Platz 8. Von Platz 4 bis Platz 9 ist alles möglich. Und es ist keineswegs sicher, dass Petr Svoboda im nächsten Frühjahr noch Lausannes allmächtiger Chef sein wird.

So tippt der Eismeister die Qualifikation:

1.
2.
3.
4.
5.
6.
------------------------------------------
7.
8. Lausanne HC
9. SC Bern
10.
------------------------------------------
11.
12.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Der 1000er-Klub des Schweizer Eishockeys

Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
123und456
26.09.2020 17:39registriert July 2015
Denis Malgin? Ich denke Sie haben unseren Nationalstürmer mit Evgeni verwechselt Herr Eismeister...
473
Melden
Zum Kommentar
CaptainObvious
26.09.2020 20:16registriert April 2017
Der SCB ist nur nach Klaus das Bayern München des Hockeys, aber sicherlich nicht in den Köpfen der Fans (zumindest nicht in meinem und meiner Bekannten).
Der SCB ist allerdings unbestreitbar ein erfolgreicher Club (mit Ausrutschern 🤦🏼‍♂️), und darauf darf man auch stolz sein.
3811
Melden
Zum Kommentar
9

Eismeister Zaugg

Das gefährliche Erbe der Virus-Krise: Verschwinden die Stehplätze für immer?

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Saisonstart sind nicht Siege und Niederlagen. Es geht um viel mehr. Die Klubmanager wissen jetzt, dass die totale Überwachung möglich ist. Der Keim für eine Entwicklung ist gelegt, die unser Hockey nachhaltig verändern wird.

In Krisen werden Notmassnahmen eingeführt, die eigentlich befristet sind. Aber dann bleiben sie und werden ein selbstverständlicher Teil unseres Alltages. Ein gutes Beispiel ist die «Wehrsteuer». Sie wurde 1940 als Bundessteuer auf die Einkommen von natürlichen Personen und auf den Gewinn von Firmen eingeführt. Um die Armee kriegstüchtig zu machen. Bei der Einführung dieser Steuer durch den Bundesrat ist hoch und heilig versprochen worden, dass sie auf die Dauer des Krieges befristet …

Artikel lesen
Link zum Artikel