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Geneve-Servette's Head coach Patrick Emond instructs his players, during the first training session for the new season of the Swiss National League, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Monday, August 10, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Findet Patrick Emond auch in der neuen Saison die richtige Taktik für Servette? Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Servette – noch zwei Jahre Zeit, um Meister zu werden

Zum ersten Mal seit 19 Jahren hat Chris McSorley bei Servette nichts mehr zu sagen. Kann das Unternehmen ohne ihn funktionieren? Kann sich Servette so schnell von seiner «Überfigur» emanzipieren wie der HC Davos von Arno Del Curto? Ja. Die grosse Bewährungsprobe folgt erst in zwei Jahren. Also hat Servette zwei Jahre Zeit, um erstmals Meister zu werden.



Im Juli 2020 ist Chris McSorley als Sportchef des Amtes enthoben worden und zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Genf im Sommer 2001 hat er bei Servette keinerlei Funktion mehr. Mit ihm geht der Mann, der den Club im Frühjahr 2002 aus den Niederungen der NLB erlöst und zu einer Marke in unserem Eishockey, zum zweifachen Finalisten und Spengler-Cup-Sieger gemacht hat.

ARCHIV – ZUR ENTLASSUNG VON CHRIS MCSORLEY BEIM HC SERVETTE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Servette Cheftrainer Chris McSorley kurz vor dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und Geneve-Servette HC, am Samstag, 22. Dezember 2018, in der Tissot Arena in Biel.(KEYSTONE/Peter Klaunzer)

In Genf beginnt ohne Chris McSorley eine neue Ära. Bild: keystone

Anderthalb Jahre nach Arno Del Curto verlässt mit Chris McSorley der letzte charismatische «Alleinherrscher» die Bühne. Die Davoser können schon ein gutes Jahr später sagen: «Arno ist gegangen – na und?» Aber Chris McSorleys Einfluss war bei Servette noch stärker als jener von Arno Del Curto in Davos. Als temporärer Besitzer prägte er das Unternehmen zeitweise nicht nur sportlich, sondern auch administrativ und wirtschaftlich stark.

Der Ablöseprozess hat bereits letzte Saison unter einem neuen Trainer begonnen: mit Patrick Emond – zuvor «nur» Juniorentrainer – spielte Servette mit dem jüngsten Team der Liga erfrischendes, modernes Hockey. Niemand merkte, dass Titanen wie Goran Bezina und Kevin Romy nicht mehr dabei waren und Chris McSorley im Büro sass und nicht mehr an der Bande stand. Sportlich ist die Emanzipation geglückt.

Patrick Emond hätte eine Auszeichnung verdient

Servette gehört inzwischen einer der reichsten Stiftungen der Schweiz und hat ein wirtschaftlich solides Fundament bekommen. So wie es auch nach General Henri Guisan eine Armee und nach Helmut Hubacher eine SP gibt, so kann es ein erfolgreiches Servette nach Chris McSorley geben.

Und doch gibt es Fragen: Kann Patrick Emond auch Trainer, wenn nicht mehr Chris McSorley hinter ihm steht? Wenn er den Grossmeister nicht mehr um Rat Fragen oder sich einfach mit ihm austauschen kann? Wir sagten vor einem Jahr, die Hauskatze von Chris McSorley habe mehr Charisma als Patrick Emond. Die beste Ausrede wäre es, nun zu behaupten, wir hätten verschwiegen, dass sich der Kanadier einen Löwen als Hauskatze halte. Wir suchen keine Ausreden.

Geneve-Servette's Head coach Patrick Emond gestures, during the first training session for the new season of the Swiss National League, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Monday, August 10, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Emond leistete in Genf bisher sehr gute Arbeit. Bild: keystone

Patrick Emond hat in seinem ersten Jahr als Cheftrainer eines Profiteams (im Alter von 54 Jahren) Servette in die Spitzengruppe geführt. Dafür hätte er die Auszeichnung «Trainer des Jahres» verdient. Die Freude über den Rückzug von Chris McSorley aus der Kabine und die Befreiung aus taktischen Fesseln setzten die Spieler in erfrischendes Energiehockey und einen erstaunlichen 4. Platz um. Aber wie dauerhaft ist der «Genfer Hockey-Frühling»?

Vorbereitungsspiele

Visp 3:0
Sierre 9:1
Zug 5:4
Grenoble 6:3
Gottéron 4:1
Davos 3:5
ZSC Lions 2:3
SC Bern 3:2
Biel 2:5

Ist Torhüter Descloux gut genug?

Viel hängt davon ab, ob Robert Mayer ersetzt werden kann. Er und Gauthier Descloux bildeten 2019/20 das statistisch beste Goalieduo der Liga. Die beiden liessen nur 116 Gegentore zu und Servette hatte die beste Abwehr der Liga. Chris McSorley fand dafür die passenden Worte: «Es gibt bei unseren Torhüterleistungen zwei Optionen: Entweder sind sie grossartig. Oder sie sind grossartig.»

Mit der grossartigen Herrlichkeit könnte es vorbei sein: Robert Mayer ist von Davos mit einem Fünfjahresvertrag abgeworben worden. Die Schlüsselfrage lautet daher: Ist Gauthier Descloux robust genug, um eine konstante Nummer 1 zu sein? Er hat in seiner Karriere noch nie mehr als 30 Spiele pro Saison bestritten. Daniel Manzato gilt zwar als die beste Nummer 2 der Liga – aber so gut wie Robert Mayer letzte Saison ist er nicht.

Neuzugang Robert Mayer vom HC Davos, aufgenommen im Training, am Mittwoch, 5. August 2020, in der Trainingshalle in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Robert Mayer steht neu bei Davos im Tor. Bild: keystone

Aber vielleicht wird es so sein, dass vorne kompensiert wird, was hinten mehr reingeht. Der Zuzug des schwedischen Stilisten Linus Omark sorgt für noch mehr Zug nach vorne. Die grosse Frage ist allerdings: Wer macht die Tore? Der schwedische Zauberflügel hat in den letzten sechs Jahren in der KHL «nur» 86 Tore erzielt, aber 231 vorbereitet. Servette fehlt ein Vollstrecker (2019/20 nur vier Spieler und mit Noah Road ein einziger Schweizer mit mindestens zehn Toren).

Wir sehen, dass es sportlich wenig Anlass zur Sorge gibt. Was durchaus Gründe hat: Eigentlich haben wir immer noch Chris McSorleys Servette. Es ist die Mannschaft, die er zusammengestellt, mit dem ausländischen Personal, das er rekrutiert, mit dem Trainer, den er ausgebildet hat. Die Verträge der wichtigen Schweizer Spieler laufen noch mindestens zwei Jahre (bis 2022). Chris McSorley hinterlässt Servette eines der jüngsten, talentiertesten und entwicklungsfähigsten Teams der Liga.

Noch 2 Jahre Zeit für eine Meisterfeier

Nun muss sich zeigen, ob sein Nachfolger Marc Gautschi fähig ist, dieses Erbe zu verwalten und daraus bis 2022 eine Meistermannschaft zu machen. Der viersprachige Emmentaler war 18 Jahre lang als Verteidiger ein Hinterbänkler in der höchsten und zweithöchsten Liga (SCB, Lausanne, Biel, Basel, Langenthal, Ambri, Servette). Eigentlich die perfekte Vorbereitung auf seinen Job: Er hat so die ganze Hockeyschweiz bereist und so ziemlich alle kennen gelernt, die ein Sportchef kennen sollte. Sein Vorgänger Chris McSorley war als Spieler ja auch ein Hinterbänkler.

Marc Gautschi, Sport Director of Geneve-Servette HC, respecting the social distance as a precaution against the spread of the coronavirus COVID-19 talks to reporter, after the first training session for the new season of the Swiss National League, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Monday, August 10, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Marc Gautschi ist neuer Sportchef in Genf. Bild: keystone

Servette hat nicht die Mittel, alle wichtigen Spieler nach 2022 zu halten. Es kann durchaus sein, dass die Genfer nach 2022 jahrelang nicht mehr eine so gute Mannschaft zur Verfügung haben wie zwischen 2020 und 2022. Oder noch einfacher gesagt: Wenn sie eine Meisterfeier veranstalten wollen, dann bleibt ihnen noch zwei Jahre Zeit.

Servette Meister? Wie heisst es so schön: On est jamais au bout des surprises. Eigentlich warten wir seit der Einführung der Playoffs im Frühjahr 1986 auf die grosse Überraschung. Und seit 1973 auf eine welsche Meistermannschaft.

Prognose:

Platz 6.

So tippt der Eismeister die Qualifikation:

1.
2.
3.
4.
5. EHC Biel
6. Genève-Servette
--------------------------------------------
7. HC Davos
8. Lausanne HC
9. SC Bern
10.
--------------------------------------------
11. SC Rapperswil-Jona Lakers
12.

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