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Tristan Scherwey und sein SCB haben sich am Samstagabend zum Schweizer Meister gekürt.
Tristan Scherwey und sein SCB haben sich am Samstagabend zum Schweizer Meister gekürt.Bild: KEYSTONE
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Der 16. Titel für den SCB – ein Triumph des bernischen «Ur-Selbstvertrauens»

Playoffs ist, wenn doch der SC Bern gewinnt. Die Berner haben den dritten Titel in vier Jahren geholt. Aber ihr Triumph hing an einem seidenen Faden.
21.04.2019, 08:4421.04.2019, 13:15

Die Revolution muss verschoben werden. Mit dem SCB hat erneut einer der «Grossen Vier» (SCB, ZSC, Lugano, Davos) die Meisterschaft gewonnen. So ist es seit 1998. Zug war 1998 der letzte «andere» Meister. Die «neuen Mächte» (Zug, Biel, Lausanne) müssen sich noch etwas gedulden und vor dem Lift nach ganz oben weiterhin warten.

Der SCB hat die erste Dynastie dieses Jahrhunderts aufgebaut: drei Titel (2016, 2017, 2019) in vier Jahren und 13 der letzten 14 Playoffserien gewonnen. Um solche Ruhmestaten zu finden, müssen wir in die 1900er Jahre zurückgehen. Kloten, inzwischen für lange Zeit von der Hockeylandkarte verschwunden, holte zwischen 1993 und 1996 vier Titel in Serie.

Der 16. SCB-Titelgewinn ist auf den ersten Blick logisch und folgerichtig. Nach der Niederlage im Startspiel auf eigenem Eis (1:4) hat der SCB viermal in Serie gewonnen.

Aber auf den zweiten Blick zeigt sich, auf welch dünnem Eis der neue Meister während den Playoffs zeitweise stand. Am Ende setzte sich der SCB dank seiner ausgeprägten Siegermentalität und dem Beistand der Hockeygötter doch noch durch.

Zur Siegermentalität gehört, dass keine andere Hockeyfirma seit Jahren so kompromisslos auf den Erfolg setzt. Seit den Erschütterungen der Saison 2013/14 (der SCB verpasste als erster Meister die Playoffs) verzichten die Berner auf jede Form von Experimenten und Ausbildungsfolklore. Das ist richtig so. Sie sind, mehr als die durch Mäzen abgesicherten Konkurrenten aus Zug, Lugano und Zürich, auf Erfolg, Publikumsaufmarsch und Gastronomieumsatz angewiesen. Es bleibt kein Raum für Experimente.

Nach dem Irrtum Guy Boucher, der mit dem Titel unter Lars Leuenberger im Frühjahr 2016 ein glückliches Ende nahm, hat der SCB im Sommer 2016 mit Kari Jalonen den Bandengeneral gefunden, für den nichts anderes als der Erfolg zählt. Mit ihm haben die Berner dreimal hintereinander die Qualifikation und die Titel 2017 und 2019 gewonnen. Dabei nehmen sie bewusst in Kauf, dass Erfahrung mehr zählt als Jugend, dass im Zweifelsfalle immer die Routiniers bevorzugt werden, dass nur noch die besten eigenen Talente eine Chance bekommen und der SCB für entwicklungsfähige junge Spieler nicht mehr attraktiv ist. Während die Konkurrenz die Qualifikation auch nützt, um junge Spieler ans Spitzenhockey heranzuführen, zählt in Bern nur die Wahrheit oben auf der Anzeigetafel.

Kari Jalonen, Bandengeneral beim SCB seit 2016.
Kari Jalonen, Bandengeneral beim SCB seit 2016.Bild: KEYSTONE

So haben die Berner dreimal hintereinander die Qualifikation ohne jede Krise durchgestanden – und sich zuletzt beinahe «zu Tode gesiegt». Der etwas martialische Ausdruck illustriert die Situation ziemlich treffend. Kari Jalonen hat die Mannschaft so gut organisiert, dass die Siege immer mehr das Produkt des Systems und weniger der Leidenschaft und Inspiration wurden. Das daraus resultierende «Schablonen-Hockey» hatte die Zuschauer nach der Spengler-Cup-Pause zwischendurch verärgert.

Die Berner hatten erstaunliche Mühe mit dem Umschalten vom beschaulichen Qualifikations-Alltag auf den Ernstfall Playoffs. Sie taumelten durch die Viertelfinals (Servette) und im Halbfinale standen sie vor dem Aus: Biel hatte die Chance, mit einem Heimsieg ins Finale einzuziehen.

Dieses sechste Spiel im Halbfinale sollte zum Wendepunkt werden. Mit Hilfe der Hockeygötter und dem Torhüter siegte der SCB 1:0 und der Bann war gebrochen. Diese Partie war der Moment, in dem Leonardo Genoni beschlossen hat, erneut Meistergoalie zu werden.

Weil Kari Jalonen ein grosser Trainer ist, hat er seinen System-Starsinn gerade noch rechtzeitig aufgegeben und seinen Spielern wieder taktische Freiheiten eingeräumt.

Nach diesem 1:0 in Biel haben wir den besten SCB der ganzen Saison gesehen: Zwar in der Grundaufstellung defensiv, aber stilsicher, taktisch schlau und flexibel, immer auf den Zehenspitzen stehend, um jede Gelegenheit zum Konter zu nützen und dazu in der Lage bei Bedarf «Dampf» zu machen. Bis zum 1:0 in Biel schien der SCB verwundbar, nach diesem 1:0 war er solide, zeitweise sogar unwiderstehlich und beinahe unverwundbar.

Das erste Finalspiel folgte bereits zwei Tage nach der letzten Halbfinalpartie. Die 1:4-Niederlage zum Finalauftakt weckte bei den Zugern trügerische Hoffnungen. Nach diesem Fehlstart setzte sich der SCB mit seiner ausgeprägten Siegermentalität durch. Der Triumph war letztlich mehr eine Sache des Kopfes als eine der Arme und Beine. Ein Triumph des bernischen Ur-Selbstvertrauens von grossen Spielerpersönlichkeiten, des Meisterkönnens, der Ruhe und Gelassenheit, um kritische Momente zu überstehen, der vielen kleinen Gewohnheiten, die Sieger ausmachen. Die Rückkehr von Verteidiger Ramon Untersander und von Gaëtan Haas nach Verletzungspausen gab dem SCB mehr Kadertiefe – auch das war ein entscheidender Faktor.

Der Unterschied zwischen Zug und Bern lässt sich auf den Captain und die Torhüter reduzieren. Simon Moser und Raphael Diaz sind beide doppelte WM-Silberhelden. Aber Simon Moser weiss aus eigener Erfahrung, wie Meisterschaften gewonnen und schwere Rückschläge überwunden werden. Er gehörte zu Langnaus Abstiegsteam von 2013, aber er ist auch der raue Leitwolf der SCB-Meistermannschaften von 2016, 2017 und 2019. Raphael Diaz, der elegante Verteidigungsminister, weiss halt immer noch nicht wie es ist, eine Meisterschaft zu gewinnen.

Simon Moser hat den SCB zum dritten Titel in vier Jahren geführt.
Simon Moser hat den SCB zum dritten Titel in vier Jahren geführt.Bild: KEYSTONE

Playoffs ist, wenn am Ende der bessere Goalie gewinnt. Leonardo Genoni ist besser als Tobias Stephan. Er hat in den entscheidenden Partien gegen Zug die Differenz gemacht. Wenn es nicht so wäre, hätte Zug nicht Tobias Stephan nach Lausanne ziehen lassen und Leonardo Genoni mit einem Fünfjahresvertrag verpflichtet.

So einfach, klar und wahr sind manchmal die Dinge.

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