Das Ablösesumme-Rätsel um Berns neuen «Problem-Schillerfalter»
Die dem SCB nahestehende «Berner Zeitung» überraschte soeben mit der Schlagzeile «Für diesen Spieler zahlt der SCB dem Kantonsrivalen gar eine Ablösesumme». Es geht um den Wechsel des «Problem-Schillerfalters» Rodwin Dionicio aus einem noch bis Ende der nächsten Saison laufenden Vertrag von Biel nach Bern. Keine gute Reklame für das SCB-Management.
Dieser Transfer ist hochinteressant und gibt einen Einblick in die besonderen Mechanismen und Eitelkeiten des nationalen Hockey-Universums.
Biel gibt den talentiertesten jungen Verteidiger mit Schweizer Pass aus einem laufenden Vertrag frei. Es besteht die «Gefahr», dass er beim SCB aufblüht. Da ist es wichtig, gegenüber Kritikern und Sponsoren eine gute Begründung parat zu haben. Die da lautet: «Da war nichts zu machen. Der SCB hat uns eine Ablösesumme überwiesen.»
Nur: Bezahlt der SCB tatsächlich eine Ablösesumme? Biels Sportchef Martin Steinegger sagt sibyllinisch (geheimnisvoll) auf Nachfrage: «Das Gesamtpaket dieses Transfers, das wir mit Bern ausgehandelt haben, enthält eine Ablösesumme.» Wer diese Summe letztlich bezahle, wisse er nicht. So falsch ist also die BZ-Schlagzeile nicht.
Da beim SCB die Sportabteilung die Bezahlung einer Ablösesumme durch den Klub oder einen Sponsor oder dem SCB nahestehende Kreise entschieden dementiert wird, stellt sich die Frage: Wer bezahlt? Dass brandschwarz gelogen wird – was ja im Hockey-Business ab und an vorkommen soll –, können wir in diesem Fall wohl ausschliessen.
Natürlich gibt es beim SCB ein Interesse, eine Ablösesumme durch alle Böden hindurch zu dementieren. Die Kritiker sind dann nicht weit, die – nicht ganz zu Unrecht – sagen: «Für einen Risikotransfer auch noch Ablöse bezahlen? Geit's no?» Aber lügen, wenn doch Biels Sportchef bestätigt, sein Klub bekomme eine Ablösesumme, wäre denn doch dreist und würde der Glaubwürdigkeit schaden. Zu leicht wäre die Bezahlung zu beweisen. Fest steht auch, dass das Geld nicht wie Manna vom Himmel in Biels Kasse gefallen ist. Es muss irdischen Ursprungs sein.
Tatsächlich wird ein Betrag im unteren fünfstelligen Bereich nach Biel überwiesen. Das ist auch richtig so. Wenn ein Spieler einen Vertrag unterschreibt, sollte er sich daran halten, und wenn er den Vertrag auflösen will, sollte eine «Strafe» sein – umgekehrt wird ja der Klub bei einer Entlassung auch zur Kasse gebeten.
Aber woher kommt das Geld? Des Rätsels Lösung: Die eher symbolische Ablösesumme wird vom Spieler bezahlt bzw. intern beim SCB mit seinem Gehalt verrechnet – so bestätigen es verlässliche Gewährsleute trotz Verschwiegenheitsklausel im Transfer-Deal. Damit Rodwin Dionicio den EHC Biel – wo er bei Cheftrainer Christian Dubé keine Chance mehr bekommt – verlassen und seine Karriere beim SCB neu lancieren kann. Es ist eine Investition in die eigene Karriere und dokumentiert die Professionalität des Spielers und seines Agenten: Es geht jetzt um die Karriere, um die persönliche und sportliche Weiterentwicklung und nichts dokumentiert den Willen, alles dafür zu tun, besser als eine Investition aus dem eigenen Geldbeutel.
Prognosen sind immer schwierig, vor allem, wenn es um die Zukunft geht. Aber alles deutet darauf hin, dass Rodwin Dionicio die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass er mit dem Transfer zum SCB den ersten Schritt vom «Problem-Schillerfalter» zum Musterprofi gemacht hat und dass es drei Sieger gibt: Der SCB, dem womöglich ein Jahrzehnttransfer gelungen ist, der EHC Biel, der vernünftigerweise einen Spieler freigegeben hat, der, wäre er geblieben, unter dem aktuellen Trainer nur für Unruhe gesorgt hätte, und Rodwin Dionicio, für den nun in Bern alle Wege offenstehen, einer der besten Verteidiger der Liga zu werden. Aber Ausreden hat er keine mehr.
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