Kann sich Barça einen Spieler wie Rodri überhaupt leisten?
Es ist eine Realität, an die man sich in den letzten Jahren schon gewöhnt hat. Der FC Barcelona sitzt trotz sportlichen Erfolgs (Meister 2023, 2025 und 2026) auf einem massiven Schuldenberg. Gemäss einem Bericht von footballfinancelab.com sollen die Katalanen im April 2026 mit 2,27 Milliarden Euro verschuldet gewesen sein.
Die Schulden explodierten, weil einerseits die Lohnkosten von Superstars wie Lionel Messi oder Neymar immer grösser wurden sowie eine Milliardensumme in die Renovierung des Camp Nou gesteckt wurde. Andererseits brachen während der Coronaviruspandemie auch die Einnahmen ein.
In der jüngeren Vergangenheit hatte dies auch Auswirkungen auf die sportliche Situation von Barcelona. Im Sommer 2024 durfte der Klub Neuverpflichtung Dani Olmo eine Zeit lang nicht registrieren, weil es die Finanzregeln der spanischen Liga nicht zuliessen. Erst ein Schlupfloch aufgrund einer Verletzung von Verteidiger Andreas Christensen ermöglichte es, dass Olmo für Barça auflaufen konnte. Im Januar 2025 startete das ganze Drama erneut, doch der Klub erzwang Olmos Spielberechtigung vor dem spanischen Sportgerichtshof.
Angesichts dieser Tatsache stellt sich unweigerlich die Frage, wie sich der FC Barcelona nun die Dienste von Rodri leisten kann. Der spanische Welt- und Europameister wurde gestern offiziell vorgestellt. Barça überwies für den Mittelfeldspieler rund 70 Millionen Euro Ablösesumme an Manchester City. Dazu soll Rodri bei den Katalanen rund 15 Millionen Euro pro Jahr verdienen.
Lewandowski ist weg
Trotz dieser massiven Ausgaben dürfte Barcelona keine Mühe haben, Rodri bei der Liga zu registrieren. Das hat diverse Gründe. Die offensichtlichsten sind Einnahmen aus Transfererlösen sowie wegfallende Lohnkosten von anderen Spielern. Barça-Sportchef Deco hat Ferran Torres an Paris Saint-Germain verkauft, was neben eingesparten Salärmillionen auch knapp 50 Millionen Euro an Transfererlösen einbringen soll.
Zudem ist seit diesem Sommer auch Robert Lewandowski offiziell nicht mehr in den Barça-Lohnbüchern. Der polnische Stürmer soll bei den Blaugrana rund 26 Millionen Euro pro Jahr verdient haben. Marcus Rashford müssen die Katalanenebenfalls nicht mehr bezahlen. Selbst mit Rodri und den anderen Neuzugängen wie Anthony Gordon und Karim Adeyemi sollte der Klub tiefere Ausgaben haben als in der Vorsaison.
Mehr Einnahmen aus dem Stadion
Ein anderer wichtiger Faktor in Barcelonas verbesserter finanzieller Lage ist die Rückkehr ins Camp Nou. Im vergangenen November hat der Klub nach zweieinhalb Jahren im Exil im Olympiastadion sein erstes Spiel im umgebauten Heimstadion ausgetragen. Aktuell ist die Kapazität immer noch leicht beschränkt, gegen Ende dieses Jahres sollen die Umbauarbeiten aber so weit fortgeschritten sein, dass zwischen 70'000 und 80'000 Fans Platz haben sollen.
Das ist für Barcelona besonders wichtig, denn das Financial-Fairplay-System in der spanischen Liga funktioniert strikt über die Einnahmen des jeweiligen Klubs. Die Klubs müssen ihre prognostizierten Einnahmen (TV-Gelder, Sponsoren, Ticketverkäufe etc.) für die jeweilige Saison angeben. Die Ausgaben (Ablösesummen, Gehälter von Spielern und Staff, Prämien, etc.) des Klubs dürfen diese geprüften Prognosen dann nicht überschreiten.
Nachdem der FC Barcelona in den letzten Jahren für frühere Versäumnisse bestraft wurde, durfte er jeweils nur einen Teil seiner Einnahmen auch wieder ausgeben. Der Rest musste zur Schuldentilgung verwendet werden. Mittlerweile sind aber auch wieder die Katalanen in der 1:1-Regelung – das heisst, sie dürfen ihre gesamten Einnahmen zur Berechnung der Kostenlimits verwenden. Daher ist es für Barcelona umso wichtiger, dass die neuen VIP-Logen mittlerweile fertiggestellt sind. Diese Plätze sollen dem Klub jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen.
Bald wieder im Exil
Allerdings ist die finanzielle Schräglage noch nicht langfristig behoben. Ab dem Sommer 2027 muss der FCB erneut ins Exil, während zum Abschluss der Camp-Nou-Renovation das Dach gebaut wird. Noch ist nicht ganz klar, wie lange das dauert, doch man geht derzeit von mehreren Monaten aus.
In dieser Zeit wird der Klub also wieder verringerte Einnahmen haben, sowie auch grössere Ausgaben für die Miete des Olympiastadions. Zudem sollen die Kosten für die Stadionrenovation auch grösser sein als zunächst angenommen. Klubpräsident Joan Laporta hat unlängst angekündigt, dass Barça dafür einen zusätzlichen Kredit aufnehmen muss.
Umso wichtiger wäre für die Katalanen da auch sportlicher Erfolg – insbesondere in der Champions League. Wer sich zum besten Klub Europas krönt, kann mit Einnahmen von bis zu 115 Millionen Euro rechnen. Und dank der Investitionen in diesem Sommer sollte der FC Barcelona im europäischen Vergleich auch konkurrenzfähig sein. Mit Rodri, Pedri und Dani Olmo haben die Katalanen nun fast das ganze Mittelfeld von Spaniens Weltmeisterteam in den eigenen Reihen. Was dem Team von Hansi Flick noch fehlt, ist ein echter Mittelstürmer, aber mit Lamine Yamal, Raphinha und den Neuzugängen Gordon und Adeyemi ist das vielleicht auch nicht nötig.
