Riesenärger in Luzern: Schweizer Rasen zu schlecht für die Nati-Stars
Noch vor wenigen Tagen ärgerte sich die Schweizer Nationalmannschaft über den schwer bespielbaren Rasen in Nordmazedonien. Nun wartet auch bei den beiden Länderspielen in Luzern kein ideales Geläuf. Der Platz in der Thermoplan-Arena ist vor den Partien gegen Slowenien am Samstag und Nordmazedonien am Dienstag in einem schlechten Zustand.
Der Schweizerische Fussballverband findet auf Anfrage klare Worte: «Der Platz in Luzern entspricht leider nicht den Standards, die wir uns wünschen und die unsere im Ausland spielenden Nationalspieler gewohnt sind.»
Das Problem liegt laut Verband nicht nur an der sichtbaren Grasnarbe, sondern tiefer im Boden. Die Rasentragschicht besteht in Luzern nicht wie bei modernen Fussballplätzen üblich aus reinem Sand, sondern aus Vulkangestein. «Die Stadt Luzern und ein privates Unternehmen haben intensiv daran gearbeitet, die Rasenqualität zu verbessern. Es braucht jedoch Zeit, bis die neu verlegten Rasenteile ausreichend verwurzelt sind», schreibt der SFV.
Teile des Rasens bereits ersetzt
Nach dem letzten Heimspiel des FC Luzern gegen GC wurden Teile des Spielfelds ersetzt. Auf der Seite des Gästesektors wurde der Fünfmeterraum erneuert, auf der Seite vor der Heimkurve ein grösserer Teil des Strafraums. Schon seit Wochen beobachtet der Verband die Entwicklung des Platzes eng. Platzspezialist Pierre-Yves Bovigny hat den Rasen im Vorfeld zweimal vor Ort inspiziert. Der SFV wurde zudem mehrmals pro Woche über die Entwicklung informiert.
Jeweils rund zwei Monate vor einem Länderspiel besichtigt Bovigny das Spielfeld und erstellt mit dem Greenkeeper des Stadions einen Pflegeplan. «Ziel ist es, den Rasen bestmöglich auf das Länderspiel vorzubereiten und optimale Spielbedingungen zu schaffen», erklärt der SFV.
FCL schont Trainingsplatz seit Wochen
Auch bei den Trainingsplätzen wird derzeit genau hingeschaut. Am Donnerstag trainierte das Nationalteam unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Platz 6 hinter der Arena. Schwarze Blachen schirmten das Feld ab, dennoch versammelten sich davor einige Kinder und Fans, die einen Blick auf die Nati-Stars erhaschen wollten.
Normalerweise nutzen die Profis des FC Luzern diesen Rasen als Trainingsplatz. Seit sechs Wochen weichen sie auf einen weiter entfernten Rasenplatz aus, um den Platz für den Besuch der Nati zu schonen. Auch während des Aufenthalts der Nationalmannschaft trainieren die Luzerner auf dem Ausweichplatz. Entsprechend froh sind die Luzerner, nach den Länderspielen auf ihren angestammten Trainingsplatz zurückkehren zu können.
Für den FCL stellt sich nun auch die Frage, wo er künftig sein Abschlusstraining durchführen kann. Üblicherweise findet dieses in der Arena statt, damit die Einheit nicht beobachtet werden kann. Der zunehmend beanspruchte Stadionrasen verträgt jedoch kaum zusätzliche Trainingseinheiten. Deshalb könnten die Sichtschutzblachen rund um Platz 6 auch nach der Abreise der Nationalmannschaft stehen bleiben.
Luzern ist mit seinen Rasenproblemen allerdings kein Einzelfall. «Generell stellt die Rasenqualität in der Schweiz – mit wenigen Ausnahmen – eine Herausforderung dar», so der SFV.
Schon in Skopje gab der Rasen zu reden
Für das Nationalteam ist die Rasenqualität derzeit ein wiederkehrendes Thema. Bereits vor der Partie in Skopje hatte sich Nationaltrainer Murat Yakin Rasen geärgert. «So kann man nicht Fussball spielen», sagte Yakin. Nach der Begegnung ergänzte er: «Man hat gesehen, dass es ein paar Mal kritisch war. Je länger das Spiel dauerte, umso schlechter wurde der Platz.»
Auch Mittelfeldspieler Ardon Jashari stellte nach dem Spiel fest, dass der Rasen Einfluss auf die Partie gehabt hatte. «Es ist schwierig zu beurteilen, ob sie ihn noch geschnitten haben. Aber ich glaube nicht. Trotz des Rasens haben wir eine saubere Leistung hingelegt.» Augenzwinkernd fügte er an: «Jeder, der weiss, was Fabian Rieder für Qualitäten hat, der weiss auch, wie gute Corner oder Standards er spielen kann. Von dem her gebe ich heute dem Rasen die Schuld, dass sie nicht so gut waren.»
Den Kontrast zu den schwierigen Bedingungen in Skopje lieferte am Dienstag der Hampden Park. Auf dem makellosen Rasen erzielte Ricardo Rodriguez mit einem sehenswerten Freistoss die Schweizer Führung. Die Nati siegte erneut 3:0. Als Rodriguez am Donnerstag nach dem Training in Luzern in den Mannschaftsbus stieg, rief ihm ein Bube nach: «Geiler Freistoss, Ricci. Hat dir das schon jemand gesagt?» (schweizheute.ch)
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