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Infantino wollte wohl die European Super League an sich reissen

FILE - FIFA President Gianni Infantino makes comments during the opening ceremony of the International Broadcast Center, June 1, 2026, in Dallas. (AP Photo/Tony Gutierrez, File)
Gianni Infantino
Gianni Infantino steht seit über einer Woche stark in der Kritik.Bild: keystone

Geheimpapier sorgt für Wirbel: Infantino wollte wohl die European Super League kapern

Während Gianni Infantino sich in Marokko unbeeindruckt von der Kritik an ihm zeigt, wird ein neues Dokument publik. Es enthüllt Erstaunliches über mutmassliche Geheimpläne der FIFA.
06.08.2026, 06:1606.08.2026, 17:09

Nach einer Krisensitzung in Marokko hat die Spitze des Fussball-Weltverbandes FIFA ihrem umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino volle Rückendeckung gegeben. «Im Anschluss an ein Treffen in Rabat bekräftigten der FIFA-Generalsekretär und die anwesenden Mitglieder der FIFA-Geschäftsleitung ihre uneingeschränkte Unterstützung für FIFA-Präsident Gianni Infantino», hiess es am späten Mittwochabend in einer Erklärung.

Infantino war zuletzt wegen des gescheiterten Plans, Teile der WM an Investoren zu verkaufen, stark unter Druck geraten. Zugleich schlug die FIFA gegen ihre Kritiker zurück: «Die FIFA wird keinerlei Angriffe auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Massnahmen ergreifen, um ihren Ruf zu verteidigen», hielt der Weltverband fest.

Allerdings löst nun ein Zeitungsbericht neuen Wirbel um den FIFA-Präsidenten aus. Es geht um ein Projekt, das vor einiger Zeit ebenfalls beerdigt werden musste: die Super League. Darauf hatte die FIFA entgegen anderslautenden öffentlichen Stellungnahmen offenbar ein Auge geworfen. Wie der britische Guardian berichtet, soll Infantino bei dem Projekt ein Millionengeschäft für den Weltverband gewittert haben.

Die Pläne für die Super League hatten 2021 eine Welle der Empörung ausgelöst. Es war die Zeit der Corona-Lockdowns, Fussball wurde häufig nur vor leeren Rängen gespielt – dennoch zog es manchen Fan im April 2021 auf die Strasse, um zu demonstrieren. Vor allem in England liefen die Anhänger Sturm.

epa09147749 Chelsea fans stage a demonstration against the European Super league before the English Premier League soccer match between Chelsea FC and Brighton & Hove Albion FC in London, Britain, ...
Die European Super League kam bei den meisten Fans nicht gut an.Bild: keystone

Der Protest richtete sich gegen den irrwitzigen Plan einer europäischen Eliteliga, in der nur die besten (und reichsten) Teams um die Meisterschaft spielen. Federführend waren zahlreiche europäische Spitzenklubs. Sie versprachen sich von dem Modell einer geschlossenen Eliteliga nach dem Vorbild von US-Ligen wie NBA oder NFL höhere Einnahmen, finanzielle Stabilität sowie mehr Kontrolle über die TV-Übertragungsrechte.

Die Gründungsmitglieder der Super League hätten also nicht absteigen können. Sie wären dadurch unabhängiger von den Qualifikations-Mechanismen der UEFA-Turniere wie etwa der Champions League gewesen. Ausserdem hätte es einigen der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Top-Klubs eine sofortige Finanzspritze beschert, als Investor hätte die US-Bank JP Morgan bereitgestanden. Die Bank war offenbar bereit, vier Milliarden Euro in das Projekt zu pumpen. Schliesslich scheiterte der Plan jedoch am breiten Widerstand von Fans, Verbänden und Sponsoren.

Laut «Guardian» wollte offenbar auch die FIFA unter ihrem Boss Infantino von Anfang an bei dem Unterfangen mitmischen. Wie die Zeitung berichtet, gab es bereits einen Vertragsentwurf, demgemäss die Super League das FIFA-Label aufgedrückt bekommen sollte. Infantino strebte demnach für die Elite-Veranstaltung ein sogenanntes Branding an, die Übernahme der Markenrechte an dem Projekt. Dafür wäre er laut der Zeitung auch bereit gewesen, die nationalen Mitgliedsverbände vor den Kopf zu stossen und der FIFA exklusive Rechte an der neuen Liga sowie einen Teil der Einnahmen zu sichern.

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Infantino war der Super League wohl nicht abgeneigt.Bild: www.imago-images.de

Mitgliedsverbände hätten aussen vor bleiben sollen

Von einer «mindestens zwölfjährigen Partnerschaft zwischen der FIFA und der Super League» ist in dem Dokument die Rede. Vorgeschlagen wurde offenbar ein Joint Venture zwischen Weltverband und neuer Eliteliga, allerdings sollte die FIFA deren kommerzielle Aktivitäten leiten, wie es in dem Entwurf hiess.

Doch die Pläne gingen laut «Guardian» offenbar noch weiter. So stellte die FIFA unter der Führung Infantinos in Aussicht, die FIFA-Klub-WM künftig jedes Jahr stattfinden zu lassen (anstatt alle vier Jahre) – und zwar als dreiwöchiges Turnier mit einer direkten Anbindung an die neue Super League. Auch hier war es laut des Vertragsentwurfs offenbar so, dass der Plan nur von den FIFA-Gremien – in denen unter Infantino nicht mit Widerstand zu rechnen ist – beschlossen werden sollte. Die nationalen Mitgliedsverbände hätten bei der Verabschiedung des Plans aussen vor bleiben sollen.

In dem Dokument wird zudem bestätigt, dass der FIFA «eine Vorzugsbeteiligung an der Super League gewährt» würde, wodurch sie weitgehende Entscheidungsbefugnisse erhalten hätte. Unter anderem in Bezug auf Formatänderungen, Kalenderanpassungen, die Verteilung von Solidaritätsgeldern und die Ernennung eines Geschäftsführers für den Wettbewerb.

Vor allem hätte sich die Partnerschaft bei der Erschliessung neuer Einnahmequellen auf die FIFA selbst und die erfolgreichsten europäischen Klubs beschränkt. Vereine, die hingegen nicht zur Nomenklatura des europäischen Fussballs zählen, wären von den Geldtöpfen der neuen Wettbewerbe Super League und Klub-WM weitgehend ferngehalten worden. Die Eliteliga hätte wohl zu einer Zweiklassengesellschaft im europäischen Fussball geführt und die Kluft zwischen einigen reichen Vereinen und dem grossen Rest verschärft.

Angeblich wollte Infantino sich nicht mit «Institutionen» anlegen

Nachdem die Pläne im April 2021 öffentlich geworden waren, distanzierte sich Infantino beim UEFA-Kongress im schweizerischen Montreux davon. Die FIFA lehne «die Gründung der Super League entschieden ab», sagte der Weltfussball-Boss vor den Delegierten. Gegenüber Vertrauten soll Infantino damals gesagt haben, er habe keine Absicht, sich mit den übrigen «Institutionen des Fussballs» anzulegen, wie der «Guardian» unter Berufung auf FIFA-Kreise berichtet. Das nun bekannt gewordene Dokument legt jedoch nahe, dass er in Wirklichkeit ganz anders dachte.

Die Integrität des 56-Jährigen wird inzwischen von vielen Verantwortlichen in der Fussballwelt in Zweifel gestellt. Das jüngst gescheiterte WM-Projekt, das die Gründung einer kommerziellen Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) vorsah, war dafür nur der letzte Auslöser. Die Gesellschaft sollte Wettbewerbe wie die WM und die Klub-WM vermarkten. Private Investoren hätten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen können. Doch Infantino band die Mitgliedsverbände offenbar nicht in den Plan ein, informierte sie erst spät über das Vorhaben.

Auf der Grundlage einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar (16,1 Milliarden Schweizer Franken) wollte die FIFA bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen. Zu den möglichen Investoren zählten auch Mitglieder der Familie des US-Präsidenten Donald Trump – und erneut auch JP Morgan. Es ist bereits das zweite Mal nach dem Super-League-Debakel 2021, dass die US-Bank sich an einem Fussball-Investment versucht, das krachend scheitert.

Die Pläne hatten für viel Kritik am FIFA-Boss geführt, unter anderem, weil dieser den Mitgliedsverbänden eine extrem kurze Frist zur Annahme des Investorenplans gesetzt hatte. Von «Erpressung» war unter Experten die Rede. In den vergangenen Tagen sah sich Infantino dem schwindenden Rückhalt nicht nur der UEFA, sondern auch weiterer mächtiger Kontinentalverbände ausgesetzt.

Nun versicherte sich der Schweizer beim Krisentreffen in Marokko zumindest der Rückendeckung seiner eigenen Leute. In einem FIFA-Statement wird die «hervorragende Arbeit der FIFA-Administration» gelobt. Der Weltverband lobt sich also selber, gibt jedoch zu, dass «das Vertrauen in die Organisation wiederhergestellt werden» müsse und verspricht «gleichzeitig die Mission der weltweiten Entwicklung des Fussballs fortzusetzen». Offenbar will man bei der FIFA zum Tagesgeschäft zurückkehren. (riz/tonline)

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Luusoner
06.08.2026 07:21registriert Juni 2024
«Die FIFA wird keinerlei Angriffe auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Massnahmen ergreifen, um ihren Ruf zu verteidigen»
Welcher Ruf? Der Ruf vom korrupten undurchsichtigen mafiösen Fussball-Weltverbandes? Mit so Aktionen wird der Ruf definitiv gefestigt. Gratulation FIFA alles richtig gemacht.
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ELMatador
06.08.2026 07:30registriert Februar 2020
Da fragt man sich, ob die FIFA noch tiefer fallen kann – und siehe da, ihre Reaktion lautet wortwörtlich: «Hold my beer.»
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Andreas Dzumla
06.08.2026 07:59registriert Januar 2025
Vielleicht sollte die UEFA - in Kooperation mit den anderen Kontinentalverbänden - die WM übernehmen….
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