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Formel 1: Wird es jetzt langweilig? Die drängendsten Fragen vor Spa

F1 Gran Prix of Hungary Max Verstappen of Red Bull Racing celebrates on the podium at the end of the F1 Grand Prix of Hungary at Hungaroring on July 31, 2022 Mogyorod, Hungary. Mogyorod Hungaroring Hu ...
Steht als Weltmeister schon so gut wie fest: Max Verstappen.Bild: imago

Wird die Formel 1 jetzt langweilig? Die drängendsten Fragen vor dem Wiederbeginn in Spa

Max Verstappen ist der Konkurrenz enteilt und wird seinen WM-Titel aller Voraussicht nach verteidigen. Ein Grund, den Rest der Formel-1-Saison abzuschreiben, ist das aber nicht.
25.08.2022, 15:0926.08.2022, 11:55

Nach vier Wochen Sommerpause rasen an diesem Wochenende wieder 20 Formel-1-Boliden über den Asphalt. In Spa-Francorchamps geht die Saison weiter. Es ist das erste von neun ausstehenden Rennen. Bevor in Belgien die roten Lichter erlöschen und der 14. Grand Prix im Jahr 2022 beginnt, beantworten wir die drängendsten Fragen zum Rest der Saison und darüber hinaus.

Ist der Titelkampf nicht längst entschieden?

Doch. Max Verstappen führt mit 80 Punkten vor Charles Leclerc. Selbst wenn Leclerc alle Rennen gewinnt, immer die schnellste Runde holt und das Sprintrennen in Brasilien für sich entscheidet, könnte es immer noch zu wenig sein, um den zweiten WM-Titel des Niederländers zu verhindern.

Es ist deshalb sehr unrealistisch, dass der Titelkampf noch einmal spannend wird – was vor allem an den vielen Fehlern von Ferrari und auch Leclerc liegt. Denn vom Talent seien die beiden «auf einem Niveau», wie Experte Marc Surer sagt. Die Buchmacher rechnen Verstappen eine Gewinnchance von rund 90 Prozent zu. Damit er die erfolgreiche Titelverteidigung noch versiebt, müsste er einmal, wahrscheinlich aber eher zweimal ausfallen, und Leclerc eine beinahe perfekte Restsaison gelingen.

Formula 1 2022: Hungarian GP HUNGARORING, HUNGARY - JULY 31: Charles Leclerc, Ferrari, on the grid during the Hungarian GP at Hungaroring on Sunday July 31, 2022 in Budapest, Hungary. Photo by Glenn D ...
Fehler von ihm und vor allem seinem Team kosteten Charles Leclerc den Anschluss an den Spitzenreiter.Bild: imago

Natürlich sagt man im Sport oft, dass alles möglich ist, aber realistisch gesehen werden Red Bull und der 24-jährige Verstappen nichts mehr anbrennen lassen. Selbst Leclerc weiss, dass es «immer schwieriger» wird, den Titel zu holen. Dennoch sagt der 24-jährige Monegasse gegenüber BBC: «Solange es mathematisch möglich ist, werde ich weiter dran glauben.»

Also wird der Rest der Saison langweilig?

Keineswegs. Die einzelnen Rennen versprechen immer wieder Spannung. So gab es in dieser Saison einige packende Duelle an der Spitze. Wie beispielsweise in Österreich, als Leclerc seinen Kontrahenten überholte und sich dann gegen Verstappen wehrte, um mit 1,5 Sekunden Vorsprung den Sieg einzufahren. Oder umgekehrt in Miami sowie zuletzt Ungarn, wo Verstappen auf dem Weg zum Sieg am Ferrari-Piloten vorbeizog.

Dennoch warten Motorsportfans noch auf einen Sieg von einem anderen Team als Red Bull und Ferrari. Verstappen (neun Siege), Leclerc (drei) und ihre Teamkollegen Sergio Perez sowie Carlos Sainz (je einen) teilen sich die Rennsiege in der bisherigen Saison. Letztmals gab es in der Saison 2016 nur vier verschiedene Sieger.

Weil es in diesem Jahr zwei Teams gibt, die deutlich bessere Autos haben als der Rest, ist es für andere Konstrukteure schwieriger, einen Sieg einzufahren. Denn auch wenn sowohl Red Bull als auch Ferrari bereits mit Ausfällen zu kämpfen hatten, schieden nie beide Topfahrer aus – anders als beispielsweise letzte Saison in Monza, wo Verstappen und Hamilton zusammenkrachten und Daniel Ricciardo profitieren konnte. Zumal auch Sainz und Perez sehr konstant aufs Podest fahren. So bleibt abzuwarten, ob noch ein dritter Konstrukteur die Ziellinie als Erster überqueren kann. Einen heissen Kandidaten gibt es zumindest …

Die Highlights von Ricciardos Sieg in Monza 2021.Video: YouTube/FORMULA 1

Greift Mercedes jetzt an?

Es ist ein ungewohntes Bild: Nach 13 Rennen ist der Dominator der letzten Jahre noch sieglos. Über eine volle Saison blieb Mercedes letztmals 2011 ohne Erfolg. Nico Rosberg und Michael Schumacher fuhren damals in einem nicht konkurrenzfähigen Auto. Das ist nun nicht der Fall. Zwar hatte Mercedes vor allem zu Beginn der Saison grosse Probleme, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Und gleichzeitig machte dem Team das Porpoising, bei dem das Auto durch die Luftströme unter dem Wagen ins Hüpfen kommt, grosse Sorgen.

Das wurde aber von Rennen zu Rennen besser. Gerade in den letzten Wochen vor der Sommerpause schien Mercedes das Problem in den Griff bekommen zu haben. In Silverstone holte Lewis Hamilton die erste schnellste Runde für das Team, in Frankreich landeten erstmals beide Piloten auf dem Podest und dann startete George Russell in Ungarn erstmals aus der Pole Position. Für den Sieg reichte es zwar nicht, aber es gab erneut zwei Podestplätze und Hamilton fuhr auch noch die schnellste Runde.

HAMILTON Lewis gbr, Mercedes AMG F1 Team W13, RUSSELL George gbr, Mercedes AMG F1 Team W13, portrait during the Formula 1 Aramco Magyar Nagydij 2022, Hungarian Grand Prix 2022, 12th round of the 2022  ...
Standen zweimal in Folge gemeinsam auf dem Podest, nur ein Sieg fehlt noch: George Russell (l.) und Lewis Hamilton.Bild: imago

Es deutet also alles in die richtige Richtung für die «Silberpfeile». So sagte auch Teamchef Toto Wolff bereits vor dem Grossen Preis von Frankreich gemäss Motorsport-Total: «Es muss weiter unser Ziel sein, noch dieses Jahr zu gewinnen.»

Nun bekommt Mercedes auch von der FIA «Unterstützung». Ab dem Rennen in Spa gelten neue Regeln bezüglich der Unterböden, die vor allem die Schlupflöcher im bisherigen Reglement beheben sollen. So soll auch das Porpoising bekämpft werden, das vor allem beim deutschen Rennstall ein Problem darstellte.

Sport Bilder des Tages Formula 1 2021: Abu Dhabi GP YAS MARINA CIRCUIT, UNITED ARAB EMIRATES - DECEMBER 12: Toto Wolff, Team Principal and CEO, Mercedes AMG, and Christian Horner, Team Principal, Red  ...
Werden wohl nicht mehr die besten Freunde: Toto Wolff (l.) und Christian Horner.Bild: imago

Zuvor gab es immer wieder Diskussionen zwischen Red Bull und Mercedes. Red Bull warf dem grossen Kontrahenten der letzten Saison «Lobbyismus» vor, gleichzeitig wiederholte Wolff immer wieder: «Die FIA muss etwas dagegen tun.» Dies hat sie jetzt gemacht und für 2023 wurden bereits weitere Massnahmen bekannt gegeben. Es wäre also keine Überraschung, wenn Hamilton oder Russell bald einmal ganz oben auf dem Treppchen zu sehen sind.

Was erwartet uns in Spa?

Zwar könnte es am Freitag noch regnen, doch ist laut Prognosen ein trockenes Wochenende zu erwarten. Das Wetter dürfte also, anders als letztes Jahr, keine Rolle spielen. Dennoch ist in den belgischen Ardennen immer mit Spektakel zu rechnen. Dies liegt an der Streckenführung und vor allem der spektakulären Kurvenkombination, die «Eau Rouge» genannt wird. Es ist eine der schwierigsten Stellen im Rennkalender – dennoch fahren die Piloten dort mit Vollgas durch.

Die Strecke in Spa-Francorchamps ist bei Fans wie Fahrern eine der beliebtesten, weil sie von den Piloten alles abverlangt und immer für Überraschungen gut ist. So gab es in den letzten sechs Jahren fünf verschiedene Sieger (Rosberg, Hamilton, Vettel, Leclerc, Hamilton, Verstappen). Dennoch könnte es vorerst das letzte Mal sein, dass der Grosse Preis von Belgien stattfindet. Dies wurde gemäss Motorsport von McLaren-Pilot Lando Norris kritisiert. «Es geht nur noch ums Geld und das ist das Problem.» Er wäre traurig, wenn «eine der coolsten Strecken der Saison» aus dem Kalender gestrichen würde.

Wer fährt noch um ein Cockpit?

Während bei den Topteams alle aktuellen Fahrer mindestens auch für die nächste Saison unter Vertrag stehen, stehen bei den restlichen sieben Teams die Hälfte der Fahrer noch in der Schwebe. Allen voran muss Daniel Ricciardo um seinen Platz in der Formel 1 zittern. Sein Vertrag bei McLaren wurde vorzeitig aufgelöst. Das britische Team habe sich Gerüchten zufolge mit Oscar Piastri geeinigt.

Formula 1 2022: Hungarian GP HUNGARORING, HUNGARY - JULY 31: Daniel Ricciardo, McLaren MCL36 during the Hungarian GP at Hungaroring on Sunday July 31, 2022 in Budapest, Hungary. Photo by Carl Bingham  ...
Sein Cockpit wird frei: Daniel Ricciardo verlässt McLaren am Ende der Saison.Bild: imago

Piastri ist eigentlich Ersatzfahrer bei Alpine und sollte Fernando Alonso beerben. Doch der Australier schrieb auf Twitter: «Ich werde nicht für Alpine fahren.» Das Chaos war komplett. Weil Alonso bei Aston Martin auf den zurücktretenden Sebastian Vettel folgt, ist der französische Rennstall noch ohne zweiten Fahrer. Dies geht auch AlphaTauri, Alfa Romeo Sauber, Haas und Williams so. Dort kämpfen Yuki Tsunoda, Zhou Guanyu, Mick Schumacher und Nicholas Latifi noch um ein Cockpit für die nächste Saison.

Vor allem Latifi könnte es schwer haben. Der Kanadier ist der einzige Fahrer im Feld, der noch keinen Punkt auf dem Konto hat. Für ihn könnte der US-Amerikaner Logan Sargeant infrage kommen, wie Motorsport Week berichtet. Derweil hätte AlphaTauri in Liam Lawson einen weiteren Red-Bull-Junior auf dem Radar und Alfa Romeo behalte Theo Pourchaire aus der Formel 2 im Auge.

Wann punktet Sauber endlich wieder?

Beim Rennstall aus Hinwil laufen längst die Planungen über die Saison hinaus. Ab 2026 soll angeblich Audi bei Sauber einsteigen, doch darüber will Teamchef Frédéric Vasseur gemäss Motorsport-Total noch nicht reden. «Ich will das Beste für Alfa Romeo geben», sagt der Franzose. Denn die Zusammenarbeit mit den Italienern geht mindestens noch ein Jahr weiter. Und in dieser Saison ist das Team so erfolgreich wie lange nicht mehr.

In der Konstrukteurenwertung ist Alfa Romeo Sauber auf Rang 6. So gut war der Schweizer Hersteller zuletzt 2012. Das liegt vor allem am erfahrenen Finnen Valtteri Bottas, der 46 der 51 Punkte in dieser Saison eingefahren hat. Doch in den letzten vier Rennen gab es keine Punkte mehr. Bottas schied in Ungarn aber in der zweitletzten Runde auf einem Punkterang liegend aus. Es ist also noch kein Grund zur Sorge. Zumal Haas noch 17 Punkte zurückliegt. Jedoch waren Kevin Magnussen und Mick Schumacher zuletzt im Aufwind.

77 BOTTAS Valtteri fin, Alfa Romeo F1 Team ORLEN C42, action during the Formula 1 Aramco Magyar Nagydij 2022, Hungarian Grand Prix 2022, 12th round of the 2022 FIA Formula One World Championship, WM,  ...
Valtteri Bottas vor Teamkollege Zhou Guanyu.Bild: imago

So sollten Bottas und Zhou am besten schon in Belgien wieder in die Punkte zurückkehren. Nach vorne geht wohl nicht mehr viel, Alpine und McLaren sind mit 99 bzw. 95 Punkten enteilt. Aber den 6. Rang gilt es zu verteidigen, denn im Vergleich mit Haas und AlphaTauri hat das Team in diesem Jahr neben der besseren Ausgangslage auch das stärkere Auto.

Wie sieht die Zukunft der Formel 1 aus?

Die Formel 1 soll nachhaltiger werden. Das hat nicht nur Sebastian Vettel immer wieder gefordert, das ist auch das Ziel der FIA. Mit dem neuen Reglement, das ab 2026 gelten wird, ist ein wichtiger Schritt getan. Denn: Die neuen Motoren sollen durch 100 Prozent nachhaltigen Kraftstoff angetrieben werden und 50 Prozent mehr elektrische Power bieten. So soll die Formel 1 bis 2030 CO₂-neutral werden.

Das macht auch den Weg für zwei neue Motoren-Hersteller frei. Neben Audi, das bei Sauber einsteigen könnte, will auch Porsche in die Formel 1 zurückkehren. Beide machten ihr Vorhaben aber von den neuen Regeln bezüglich der Motoren abhängig. Besonders auf die Nachhaltigkeit legten sie Wert. Diese Kriterien sind nun erfüllt. Porsche plane, 50 Prozent von Red Bull zu kaufen. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten steht die Einigung kurz bevor.

Alpine soll aber bereits über die nächste Neuerung nachdenken. Wie formel1.de berichtet, habe der französische Rennstall eine Studie in Auftrag gegeben, ob der Wasserstoffverbrennungsmotor in Zukunft in der Formel 1 eingesetzt werden könnte. Alpine-Chef Laurent Rossi sieht den elektrischen Antrieb nicht als Zukunft und wolle deshalb andere Möglichkeiten prüfen. Die Formel 1 tüftelt also weiter an Neuerungen und Möglichkeiten, um den Rennsport nachhaltiger zu machen.

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stevemosi
25.08.2022 16:23registriert April 2014
Zum Thema Restspannung:
Nicht zu vergessen ist der Aufholmarathon von Mercedes gegenüber Ferrari in der Teamwertung. Die liegen nur noch knapp dahinter.
Das wäre eine der grösseren Enttäuschungen in der Welt des Sports wenn das Team mit dem nominell besten Auto (Ferrari) noch daran scheitern würde den 2.ten Platz zu halten
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Rabbitas
25.08.2022 15:56registriert April 2017
Danke, Niklas Helbling, für diesen guten Artikel! Als Formel 1-Fan bin ich da gleicher Meinung. Die Fahrer- und Team-WM sehe ich auch bereits als entschieden an und dennoch bleibt es enorm spannend bei den einzelnen Rennen und nicht nur an der Spitze sondern auch im Mittelfeld.
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Époisses
25.08.2022 16:38registriert Februar 2022
Also wir halten die Stange für den Pechvogel vom Dienst.
Charles Leclerc mit Ferrari.
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