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Zwei Runden hinter dem Safety Car, dann war der Formel-1-GP von Spa zu Ende.
Zwei Runden hinter dem Safety Car, dann war der Formel-1-GP von Spa zu Ende.
Bild: keystone

Die Regen-Farce von Spa: «Eine der grössten Schanden in der Geschichte dieses Sports»

30.08.2021, 13:5130.08.2021, 14:09

Nicht nachlassender Dauerregen und Rennfahrer, die um ihre Gesundheit bangen: Der zwanghafte Versuch, den Formel-1-GP von Belgien zu starten, ist am Sonntag zu einem absurden Schauspiel verkommen. Nach über drei Stunden langen Wartens wurde das Rennen um 18.17 Uhr schliesslich doch noch gestartet, doch nach zwei Runden hinter dem Safety Car ohne Überholerlaubnis war es dann auch schon wieder beendet.

Das etwas gar kurz geratene Regenrennen von Spa.

Denn die Pflicht war erfüllt, mit Pole-Mann Max Verstappen konnte gemäss dem FIA-Reglement ein Sieger ausgerufen werden. Der Niederländer siegte vor Williams-Pilot George Russell und Weltmeister Lewis Hamilton, verteilt wurden wegen der kurzen Renndistanz allerdings nur halbe Punkte. Dennoch war es für alle Beteiligten ein mehr als unbefriedigendes Ende. Am meisten litten wohl die rund 75'000 Fans, die trotz strömendem Regen und Temperaturen um die 13 Grad früh angereist waren und in der Hoffnung auf ein Rennen lange ausharrten.

Doch auch die Fahrer waren am Ende frustriert, dass auf dem anspruchsvollen Kurs von Spa kein echtes Rennen stattfinden konnte. «Das war kein Grand Prix. Sie haben einfach so die Punkte verteilt. Das ist schockierend», sagte Ex-Weltmeister Fernando Alonso. «Wir brauchen als Sport eine bessere Lösung, wenn so eine Situation eintritt. Das Resultat sollte kein Rennen über ein paar Runden hinter einem Safety Car sein», sagte McLaren-Boss Zak Brown, «wir müssen daraus für die Zukunft etwas lernen.»

Das Problem war die Sicht, wie der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel erklärte. «Das höchste Ziel muss unsere Sicherheit sein.» Für die Piloten war wegen der Gischt schon kaum der Vordermann erkennbar. «Meine Sicht war nicht schlecht, aber für die Autos hinter mir war sie natürlich sehr schlecht», erklärte Verstappen vor der Siegerehrung. «Wenn du nicht weisst, wo das Auto vor dir ist, kannst du nicht fahren.»

Die Reaktionen der Fahrer.

Richtig wütend war der Weltmeister. «Es gab keinen Zeitpunkt, an dem wir fahren konnten, es gab kein Rennen. Ich verstehe die Politik dahinter nicht», enervierte sich Lewis Hamilton, der seine WM-Führung trotz des Chaos-Rennens behaupten konnte. Wie er bewerte, dass das Rennen dennoch im kleinstmöglichen Format mit Ach und Krach noch mal für zwei Schleichfahrten inszeniert wurde, wurde Hamilton gefragt.

Freudige Erwartung sieht anders aus.
Freudige Erwartung sieht anders aus.
Bild: keystone

«Geld regiert die Welt», antwortete der Brite und forderte eine Entschädigung für die Zuschauer. «Es war buchstäblich so, dass die zwei Runden des Rennens ein reines Geldszenario waren. Jeder bekommt also sein Geld, und ich denke, die Fans sollten es auch zurückbekommen, denn leider haben sie nicht gesehen, wofür sie gekommen sind und bezahlt haben. Der Sport hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Sie haben uns also nur aus einem Grund rausgeschickt.»

Die Pressestimmen

Le Soir (Belgien):

«Das Wetter und das Geld haben alles ruiniert. Von sintflutartigen Regenfällen ertränkt, bot der belgische Grand Prix einem bewundernswerten, aufopferungsvollen Publikum ein katastrophales Spektakel. Zwei Runden hinter einem Safety Car bedeuteten fast vier Stunden unsägliches Warten.»

Daily Mail (Grossbritannien):

«Max Verstappen hat eine Farce eines Grossen Preises von Belgien gewonnen – eine Prozession hinter einem Safety Car für ZWEI Runden. Das Publikum auf der verregneten Rennstrecke von Spa-Francorchamps wartete dreieinhalb Stunden auf die Ergebnisse, während die bestbezahlten Fahrer der Welt in ihren Garagen sassen und auf besseres Wetter warteten.»

The Guardian (Grossbritannien):

«Der Grosse Preis von Belgien wird als Rennen verbucht werden und die Ehrungen dafür wurden ordnungsgemäss verliehen, aber es lag wenig Würde darin, wie die Formel 1 an einem regendurchnässten Nachmittag in Spa-Francorchamps vorging.»

Bild (Deutschland):

«Beim Grossen Preis von Belgien gab es schon einige Chaos-Rennen, aber DAS übertrifft alles ... Max Verstappen gewinnt ein Rennen, das nie wirklich ein Rennen war, sahnt nach zwei Runden immerhin die Hälfte der eigentlich 25 Siegpunkte ab. Was! Für! Ein! Chaos! Der Grosse Preis von Belgien ist das wohl verrückteste Formel-1-Rennen aller Zeiten.»

AS (Spanien):

«Die Formel 1 erleidet in Spa Schiffbruch. Niemand stellt in Frage, dass die Sicherheit der Fahrer oberste Priorität hat. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse gab es auch nur wenig Spielraum. Das Ergebnis hinterlässt einen fahlen Beigeschmack.»

El Mundo (Spanien):

«Das war eine erbärmliche Pantomime. Eine der grössten Schanden in der Geschichte dieses Sports. Man kann doch nicht das Ergebnis eines Rennens präsentieren, das gar nicht stattgefunden hat. Das ist eine Beleidigung der Geschichte der Formel 1, eine Beleidigung des Wettbewerbs und des Sports im Allgemeinen.»

Gazzetta dello Sport (Italien):

«Die Farce von Spa: So wird die Formel 1 gedemütigt. Man hätte entscheiden können, wegen der extremen Bedingungen nicht zu fahren, es wäre die logischere Entscheidung zum Schutz der Piloten gewesen.»

La Repubblica (Italien):

«Der imaginäre Grosse Preis – die letzte Farce der Formel 1 – in Spa wird nicht gefahren, aber Punkte werden vergeben.»

Blick (Schweiz):

«Die Zeit verstreicht. Der Regen prasselt weiter auf den Asphalt. Der GP von Belgien ist längst zum Skandal geworden. Die Verantwortlichen versuchen, unbedingt noch einen Rennstart hinter dem Safety Car hinzukriegen. Es geht nur um die TV-Millionen.»

(pre)

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