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Seit gestern Nacht ist klar: Felipe Nasr wird mit Marcus Ericsson das neue Fahrer-Duo bei Sauber bilden.
Seit gestern Nacht ist klar: Felipe Nasr wird mit Marcus Ericsson das neue Fahrer-Duo bei Sauber bilden.
Bild: Getty Images Europe
Sportliche Aspekte zweitrangig

Das neue Piloten-Duo bringt rund 40 Millionen Franken mit – so manövrierten sich Nasr und Ericsson ins Sauber-Cockpit

Seit Mitternacht wissen wir: Die neuen Sauber-Piloten für die kommende Saison heissen Marcus Ericsson und Felipe Nasr. Die sportliche Komponente spielt bei den Engagements eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind die Millionen, welche die beiden Fahrer in die Sauber-Kasse spülen.
06.11.2014, 14:2306.11.2014, 16:50

Der Schweizer Formel-1-Rennstall Sauber erlebt in der laufenden Saison ein richtiges Debakel. Nach 17 Rennen steht das Team aus dem Zürcher Oberland noch ohne einen einzigen Punkt da. Will heissen, weder Esteban Gutierrez noch Adrian Sutil haben es einmal geschafft in die Top-10 zu fahren. Pech? Wohl kaum. Meistens waren Gutierrez und Sutil soweit von den Punkten entfernt, dass man als Sauber-Fan Sonntag für Sonntag den Fernseher schon frühzeitig ausschalten und sich anderen Sachen widmen konnte. 

Zwei Rennwochenenden bleiben dieses Jahr noch: der Grand-Prix von Brasilien und der Saisonausklang in Abu Dhabi. Die Hoffnungen bei Sauber, vielleicht doch noch einen Punkt zu ergattern, sind – gelinde gesagt – gering. 

Sutil und Gutierrez schossen in dieser Saison nur mit Platzpatronen.
Sutil und Gutierrez schossen in dieser Saison nur mit Platzpatronen.
Bild: Sutton/freshfocus

Die logische Konsequenz

Es scheint also nur allzu logisch, dass man nach einer solchen Katastrophen-Saison Konsequenzen zieht und handelt. Das läuft auch in anderen Sportarten so. Hätte FC-Sion-Präsident Christian Constantin das Sagen bei Sauber, so wären Fahrer, Ingenieure, Motoren, Sponsoren, Pneus und Benzin schon längst entsorgt und durch neues Material ersetzt worden.

Auch wenn Sauber-Chefin Monisha Kaltenborn ein etwas ruhigeres Gemüt als der Sion-Boss hat, auch für sie ist klar: Die Nullpunkte-Fahrer Sutil und Gutierrez müssen weg, es braucht frischen Wind. Schliesslich will man sich als Schweizer Traditionsunternehmen nicht noch einmal zur Lachnummer und zum Gespött der Sportwelt machen. Doch hat Sauber mit den neuen Verpflichtungen auch den sportlichen Erfolg an Bord geholt? 

Nasr und Ericsson sind keine Punktegrantie

Gewiss, Felipe Nasr, der in der GP2-Serie diese Saison schon vier Erfolge feiern konnte, ist talentiert und hat, wie es Monisha Kaltenborn formuliert, «nach einer ausserordentlich erfolgreichen Karriere in Nachwuchs-Rennserien einen Platz in der Formel 1 verdient.» Doch der Wechsel zur Formel 1 ist hart, da nützen die ganzen Vorschusslorbeeren kaum was. Bis der Neuling in die Punkte fahren wird, dürfte es wohl eine Weile dauern. 

Auch mit dem Engagement von Marcus Ericsson ist die Rückkehr des Erfolgs alles andere als gesichert. Der Schwede fährt erst seit dieser Saison in der Formel 1 und hat in 16 Rennen, ebenso wie Sutil und Gutierrez, keinen einzigen Punkt eingefahren. Ob er im Sauber-Boliden auf einmal in die Top-10 fahren kann, bleibt höchst ungewiss. 

Ebenfalls ohne Punkte: Marcus Ericsson diese Saison bei Caterham.
Ebenfalls ohne Punkte: Marcus Ericsson diese Saison bei Caterham.
Bild: AFP

Erste Priorität haben die Finanzen

Warum also nimmt Sauber zwei Fahrer unter Vertrag, bei denen erneut die Gefahr einer Nullpunkte-Saison besteht? Die Antwort ist simpel: Noch grösser als die sportliche Not ist beim Hinwiler Rennstall die finanzielle Misere.

Das Überleben kleiner Teams im grossen Formel-1-Business ist schwierig. So schwierig, dass Caterham und Marussia in den letzten Wochen Insolvenz ankündigen mussten und die Saison nicht zu Ende fahren können. Sauber kann sich gerade noch über Wasser halten. Doch der Super-Gau von Caterham und Marussia hat der Führung des Schweizer Rennstalls einmal mehr vor Augen geführt, dass das finanzielle Überleben oberste Priorität hat. Der sportliche Erfolg kommt an zweiter Stelle. 

Ericsson: Kühler Schwede mit dickem Portemonnaie.
Ericsson: Kühler Schwede mit dickem Portemonnaie.
Bild: Patrik Lundin/freshfocus

Mit diesem Wissen lassen sich auch die Engagements von Ericsson und Nasr erklären. Die beiden Neuverpflichtungen agieren nämlich als sogenannte «Paydriver». Das heisst, sie bringen durch eigene Sponsoren Geld ins Rennteam und sorgen dafür, dass der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Die Fahrer kaufen sich also sozusagen in ein Team ein.

Das ist in der Formel 1 an sich nichts Neues. Bereits Michael Schumacher musste im Jahr 1991 rund 150'000 Pfund an Jordan bezahlen, um ein Cockpit zu erhalten. Doch die Beträge sind in den letzten Jahren regelrecht in die Höhe geschossen.

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Viel neues Geld für Sauber

Marcus Ericsson hat sich in seiner noch jungen Karriere ein exzellentes Sponsoring-Portfolio zusammengestellt und soll rund 20 Millionen Franken mit in den Schweizer Rennstall bringen. In der gleichen Grössenordnung dürfte auch die Mitgift des gestern engagierten Felipe Nasr sein. Der Südamerikaner arbeitet nämlich mit dem grössten Finanzinstitut Lateinamerikas zusammen: der «Banco do Brasil».

Und die Bank ist bereit, Geld in Felipe Nasr zu investieren. Viel Geld. Denn der Markt in Brasilien ist gross und der einzige brasilianische Pilot im aktuellen Fahrerfeld, Felipe Massa, ist mit 33 Jahren auch bereits im Herbst seiner Karriere. Der Marketing-Verantworliche der Bank, Hayton Rocha, trompetet deshalb schon mal grossspurig: «Die ‹Banco do Brasil› glaubt an das Potenzial von Felipe Nasr, der von Experten als grösste brasilianische Hoffnung im Motorsport seit Ayrton Senna bezeichnet wird.»

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn muss viel Acht auf den Finanzhaushalt geben. 
Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn muss viel Acht auf den Finanzhaushalt geben. 
Bild: Sutton/freshfocus
«Ein wichtiger Begleiter und Förderer von Felipe ist die ‹Banco do Brasil› und es freut uns, dass so ein renommiertes Unternehmen ihn bei diesem wichtigen Schritt unterstützt.»
Monisha Kaltenborn freut sich über die Zusammenarbeit, die viel Geld einbringt.

Kein Wunder, dass sich bei solch grossen Tönen und einem derart dicken Portemonnaie auch Monisha Kaltenborn freut: «Ein wichtiger Begleiter und Förderer von Felipe ist die ‹Banco do Brasil› und es freut uns, dass so ein renommiertes Unternehmen ihn bei diesem wichtigen Schritt unterstützt. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.»

«Ein teures Mietwagenrennen»

Das neue Fahrerpaar von Sauber hat sich also weniger durch sein sportliches Können ins Sauber-Cockpit manövriert, sondern durch ein dickes Portemonnaie. Die Gefahr, dass der Schweizer Rennstall auch nächste Saison wieder Nuller um Nuller einfährt, ist damit nicht vom Tisch. Stolz, Image und Erfolg müssen hintenanstehen. Wichtig ist in erster Linie das finanzielle Überleben. Etwas anderes bleibt den kleinen Teams kaum übrig. 

Zu denken gibt diese Entwicklung aber dennoch. Denn so gleicht die Formel 1, wie es kürzlich Ex-Fahrer Jarno Trulli gesagt hat, «immer mehr einem teuren Mietwagenrennen.»

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