Zweimal gescheitert: Frankreich sucht die Revanche gegen Spanien
Spanien – Ballkünstler und Abwehrfestung
Spaniens Start ins Turnier verlief mit einem 0:0 gegen WM-Debütant Kap Verde enttäuschend. Seither kombiniert sich die Auswahl von Luis de la Fuente mit gewohnter, technisch perfekter Ballsicherheit durch das Turnier. Bei 4075 Pässen – mit Abstand die meisten -, die zu 91 Prozent beim Mitspieler ankommen, lassen die Spanier Ball und Gegner laufen.
Das Prunkstück der Spanier ist das Mittelfeld, in dem Rodri, 2024 Gewinner des Ballon d'Or, den Takt vorgibt und Lamine Yamal auf der rechten Seite wirbelt. Der 18-jährige Jungstar des FC Barcelona hatte wegen einer Muskelverletzung seit April kein Spiel mehr bestritten, wurde aber rechtzeitig zur WM fit. Mit Dribblings, Ballstafetten und Wechselpässen versuchen die Spanier, die meist sehr tief stehenden Gegner zu knacken. Führt das nicht zum Erfolg, zückt De la Fuente seinen Superjoker. Arsenal-Stürmer Mikel Merino wurde im Achtelfinal gegen Portugal (1:0 in der 91. Minute) und im Viertelfinal gegen Belgien (2:1 in der 88. Minute) jeweils unmittelbar nach seiner Einwechslung zum Matchwinner.
Im Schatten der Offensivkünstler überzeugt Spanien aber auch als defensives Bollwerk. Hinter der von Aymeric Laporte organisierten Abwehr blieb Torhüter Unai Simon, sein Klubkollege bei Athletic Bilbao, in den ersten fünf Spielen ohne Gegentor. Die neue WM-Rekordserie wurde erst nach 649 Minuten im Viertelfinale gegen Belgien beendet. Am Dienstag steht der ultimative Test bevor, Frankreich hat die nominell wohl beste Offensive zur Verfügung – angeführt von Kylian Mbappé. Auf einen Klubkollegen kann der Stürmerstar von Real Madrid nicht treffen, hat doch Spanien erstmals in der Geschichte keinen Spieler des Rekordmeisters im WM-Kader.
Frankreich – Offensivpower um Mbappé
«Les Bleus» marschierten mit sechs Siegen durch das Turnier und schalteten nach der perfekten Gruppenphase auch Schweden, Paraguay und zuletzt Marokko aus. Mit der achten Halbfinal-Teilnahme der Verbandsgeschichte bietet sich zudem die Chance, als erst zweite europäische Nation nach Deutschland drei WM-Endspiele in Folge zu erreichen.
Überragender Akteur der Franzosen ist einmal mehr Mbappé. Der Stürmerstar hält bereits bei acht Toren und drei Assists, ist mit elf Torbeteiligungen der produktivste Spieler des Turniers. In der ewigen WM-Torschützenliste liegt der 27-Jährige mit 20 Treffern nur noch hinter Lionel Messi (21). Doch Frankreichs Offensive ist keine «One-Man-Show». Weltfussballer Ousmane Dembélé sammelte im Turnier bereits sieben Skorerpunkte (5 Tore, 2 Assists). Die Fäden zieht dahinter Michael Olise, der als Zehner mit Übersicht und Kreativität das Offensivspiel lenkt.
Aber nicht nur offensiv überzeugt Frankreich. Die Abwehr um William Saliba und Dayot Upamecano liess in sechs Turnierspielen lediglich zwei Gegentreffer zu, in der K.o.-Phase blieb Frankreich sogar ohne Gegentor. Mit Manu Koné und Adrien Rabiot verfügt Trainer Didier Deschamps zudem über ein laufstarkes und zweikampfstarkes Mittelfeld, das für die nötige Balance zwischen Defensive und Offensive sorgt.
Die grösste Schwäche der Franzosen vor dem Halbfinal ist daher möglicherweise die Stärke des kommenden Gegners. Gegen Spanien unterlagen Mbappé und Co. zuletzt sowohl im Halbfinal der Europameisterschaft 2024 als auch in jenem der Nations League 2025. (car/sda/apa)
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