Mancini kriecht Italien bei seiner Vorstellung zu Kreuze: «Es tut mir sehr leid»
Nach wochenlangem Gezerre um die neue sportliche Führung von Italiens Fussballnationalelf hat der italienische Verband eine Lösung gefunden: Der neue Coach ist ein alter Bekannter. Roberto Mancini wird die «Squadra Azzurra» übernehmen. Der 61-Jährige weckt bei den Tifosi gute Erinnerungen, schliesslich war es Mancini, unter dem Italien zuletzt einen Titel gewann – die EM 2021. Damit bildete Mancini die rühmliche Ausnahme in einer langen Leidensgeschichte der Italiener, die sich dreimal nicht für die WM qualifizieren konnten und international ihren Ansprüchen hinterherhinken.
Bei seiner Vorstellung in der Verbandszentrale in Rom staunten die anwesenden Reporter jedoch nicht schlecht. Als Mancini darüber sprach, was ihn zur Rückkehr als Nationaltrainer bewegt habe, sprach er erst einmal eine Entschuldigung aus. Und zwar in aller Deutlichkeit. «Es tut mir sehr leid, wirklich sehr leid», hob Mancini an.
Tutto il dispiacere di Mancini per l'addio alla panchina dell'Italia di tre anni fa 🇮🇹
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Il nuovo CT della Nazionale ha voluto subito chiarire il suo punto di vista riguardo alle sorprendenti dimissioni dell'agosto del 2023 🔙#Mancini #DAZN pic.twitter.com/IBz5bGhyLM
Der Erfolgstrainer spielte damit auf seinen zwischenzeitlichen Abschied nach Saudi-Arabien und dann nach Katar an. Trotz des EM-Titels hatte er das lukrative Angebot aus der Wüste 2023 angenommen – was ihm viele Fans damals übel nahmen. Ausgerechnet Saudi-Arabien, das nicht gerade als sportliche Grossmacht im Weltfussball bekannt ist.
Dort sollte er die Nationalmannschaft an die internationale Spitze heranführen. Er erhielt einen Vierjahresvertrag, der ihm 25 Millionen Euro pro Saison einbrachte. Doch das Projekt schien nicht den gewünschten Erfolg zu haben und so blieb Mancini nur etwas mehr als ein Jahr. Dann wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein Al-Sadd. Über die damalige Entscheidung sagte er: «Das Trikot der Nationalmannschaft ist ein bisschen wie die Frau des Lebens: Wenn man es verliert, hat man etwas falsch gemacht.»
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«Mangel an Kommunikation»
An der Seite von Italiens Verbandspräsident Giovanni Malago sprach Mancini seinen Wechsel als Nationaltrainer nach Saudi-Arabien gleich zu Beginn an. Und er warf sich förmlich in den Staub. «Es gab damals einen Mangel an Kommunikation zwischen mir und (dem damaligen Präsidenten Gabriele) Gravina. Hätten wir miteinander gesprochen, wäre alles anders gekommen. So ist es nun einmal gelaufen. Es tut mir sehr leid.» So viel Demut hat man bei der Vorstellung eines Nationaltrainers wohl selten gesehen.
Der Posten des Commissario Tecnico (wie der Nationaltrainer offiziell heisst) war seit Anfang April vakant. Damals musste Gennaro Gattuso zurücktreten, weil Italien in einem Entscheidungsspiel zur WM-Qualifikation an Bosnien-Herzegowina scheiterte. Die Suche nach einem Nachfolger entwickelte sich zum Chaos, bis nun Mancinis Rückkehr klargemacht wurde. Als neuen Technischen Direktor hat er eine andere italienische Trainergrösse zur Seite: Claudio Ranieri, zuletzt unter Vertrag bei AS Rom.
Grosse Karriere als Spieler und Trainer
Mancini war bereits Nationaltrainer von 2018 bis 2023. Höhepunkt war der Gewinn der EM 2021 im Elfmeterschiessen gegen England.
Als Spieler stand Mancini in den 1980er und 1990er Jahren für Sampdoria Genua auf dem Platz. Viermal gewann er den italienischen Pokal, einmal die Meisterschaft. Später spielte er bei Lazio Rom und in England bei Leicester City. Als Vereinscoach holte er Meisterschaften mit Inter Mailand und Manchester City. Die nächsten Spiele für Italien sind Ende September in der Nations League gegen Belgien sowie die Türkei und dann gegen Frankreich.
Was er sich von der ersten Partie am 25. September gegen Belgien im Olympiastadion von Rom erhoffe, wurde Mancini gefragt: «Mir ist klar, dass manche Leute gegen mich sein werden», sagte er. «Ich hoffe, dass die Mannschaft gut genug spielt, damit mir die Leute vielleicht verzeihen.» (abu/t-online.de)

