Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
KORRIGIERT SCHREIBWEISE VON VORNAMEN VON ULI FORTE - YB Sportchef Fredy Bickel, zweiter links, und Trainer Uli Forte, rechts, beim Fussball Schweizer Cup 1/16 Final Spiel zwischen dem SC Buochs und den Berner Young Boys am 20. September 2014 auf dem Sportplatz Seefeld in Buochs. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Fredy Bickel kündigte nach der Cup-Niederlage gegen Zweitligist Buochs an, dass die YB-Spieler mit einem Lohnabzug rechnen müssten.  Bild: KEYSTONE

YB nach der Cup-Blamage als Paradebeispiel

Lohnkürzungen und Mehrjahrespläne – die «Propaganda-Lügen» des Mannschaftssports

Wer eine schmähliche Niederlage erleidet, muss seine Kunden, allen voran Sponsoren, und Zuschauer beruhigen. Am wirksamsten mit einer Propaganda-Lüge.



In Zeiten der Krise oder der Blamage gibt es keine populärere Massnahme als die Lohnkürzung. Da rockt der Stammtisch, wenn verkündet wird, dass den Stars die Bezüge gekürzt werden. Jawoll, so ist es recht. Da wird durchgegriffen und gut gemänätscht.

Soeben hat auch YB nach der grössten Blamage in der Geschichte des Schweizer Cups (0:1 in Buochs) Lohnkürzungen in hoher vierstelliger Summe angekündigt. Das kommt gut an beim Publikum.

Enttaeuschte  YB Spieler nach dem verlorenen Fussball Schweizer Cup 1/16 Final Spiel zwischen dem SC Buochs und den Berner Young Boys am 20. September 2014 auf dem Sportplatz Seefeld in Buochs. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Die Cup-Niederlage kam unerwartet und traf YB in Mark und Bein. Bild: KEYSTONE

Dabei handelt es sich bei juristischem Lichte besehen um eine reine «Propaganda- Lüge». Um Opium fürs Publikum. Um reinen Populismus, wie er sonst nur von den Politikern zelebriert wird. Um schlaues Ablenken von den wahren Ursachen der Probleme.

Die Schweiz ist ein Rechtsstaat mit einer der fortschrittlichsten und arbeitnehmerfreundlichsten Gesetzgebungen der Welt. Eine Kürzung von Löhnen ist gar nicht möglich und wird auch nie gemacht. Da braucht es nur eine SMS von einem Anwalt an den Sportchef und der Spuk ist vom Tisch. Wer Löhne kürzen möchte, müsste den Arbeitsvertrag fristgerecht kündigen und neu verhandeln. So ist eine Lohnkürzung bei Spielerverträgen, die mindestens bis Ende Saison oder darüber hinaus laufen, gar nicht machbar.

Es gibt aus der jüngeren Geschichte Beispiele von freiwilligen Lohnkürzungen in Zeiten der Krise, um zur wirtschaftlichen Rettung eines Klubs beizutragen. Aber auch in diesen Fällen wurde gehörig geschwindelt. Die Lohnkürzungen wurden meistens später wieder zurückerstattet.

Verpasste Prämien ≠ Lohnkürzungen

Hingegen entgehen den Spielern und Trainern durch Niederlagen, bzw. durch ein Ausscheiden aus einem Wettbewerb, definitiv Prämien. Das ist nicht gelogen. Die meisten Fussball- und Hockeyklubs kennen in den Arbeitsverträgen ein Bonus/Malus-System. Die Entschädigungen hängen von messbaren Leistungen (wie Tore), Siegen, Niederlagen, Punkten, Klassierungen oder Zuschauerzahlen ab. Aber mit Lohnkürzungen hat das alles nichts zu tun.

20.09.2014; Buochs; Fussball Schweizer Cup SC Buochs - BSC Young Boys; Torhueter Samuel Blaettler (Buochs) und Marco Woelfli (YB) tauschen das Leibchen (Daniela Frutiger/freshfocus)

Marco Wölfli kann seinem Torhüter-Kollegen nur gratulieren.  Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Ein weiterer reiner Propaganda-Trick sind sogenannte Mehrjahrespläne. Sie sind bei Sportunternehmen mit schwach entwickelter Leistungskultur (wie etwa bei YB) en vogue. Mehrjahrespläne kennen wir aus dem untergegangenen realen Sozialismus. Dort waren bei der staatlich gelenkten Planwirtschaft solche Pläne üblich – meistens in Form von sogenannten «Fünfjahresplänen».

Erfolg ist nicht planbar

Im Sportbusiness lebt diese Errungenschaft aus dem Sozialismus weiter. Ironie der Geschichte: Sehr oft sind es Erzkapitalisten, die sich im Sportbusiness solche Mehrjahres- oder Mehrstufenplänen unterjubeln lassen, u.a. die Gebrüder Rihs bei YB. Die Sportchefs gaukeln vor, der Erfolg könne man nicht sofort erwarten, es brauche Zeit, und in ferner Zukunft, in zwei oder drei Jahren, werde man Meister – was natürlich nie der Fall ist.

Aber der Leistungsdruck ist erst einmal in eine ferne Zukunft verschoben. Mehrjahrespläne haben, wie wir aus der Geschichte wissen, in der Wirtschaft nicht funktioniert und sind, erst recht für ein so dynamisches Geschäft wie es der Sport ist, völlig untauglich. Der Erfolg ist sowieso nicht planbar.

Andy Rihs, links, und Hansueli Rihs, rechts, Investoren der Sport und Event Holding AG, kommunizieren die Trennung von Kommerz und Sportbereich und die damit verbundene Reorganisation am Dienstag, 30. Oktober 2012 im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)..

Die Gebrüder Rihs wollen mit YB endlich den ersten Titel seit 1987 gewinnen. Bild: KEYSTONE

Die Kunst des Sportmanagements ist es, jederzeit aus den vorhandenen wirtschaftlichen und sportlichen Möglichkeiten ein Maximum herauszuholen, dabei einer Unternehmensphilosophie treu zu bleiben und so für Kontinuität zu sorgen.

Wir können uns also merken: Wenn von Lohnkürzungen und Mehrjahresplänen fabuliert wird, ist grösstes Misstrauen angebracht.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fast jeder fünfte Profifussballer kämpft mit Langzeitfolgen des Coronavirus

Müde Fussballer und ein Bundesligaspieler mit Atemproblemen: Auch für Profifussballer können die Langzeitfolgen des Covid schlimme Folgen haben – nicht nur bei schweren Verläufen. Ein Experte fordert deshalb mehr Tests.

Irgendwann geht es nicht mehr. Wolfsburg-Verteidiger Marin Pongracic stützt die Arme in die Knie, versucht nach Luft zu ringen. Es sind Bilder, die man sonst vielleicht in einer Verlängerung sieht. Gespielt in dieser Bundesligapartie sind aber erst 15 Spielminuten. Pongracic beisst weiter, stützt sich auch in den folgenden Minuten bei Unterbrüchen immer wieder auf seine Knie. Zur Pause muss er raus. Seine Atemnot ist eine Folge einer überstandenen Coronavirus-Erkrankung.

Pongracic ist kein …

Artikel lesen
Link zum Artikel