Für den Fussball-Verband ist Murat Yakin «Plan A». Für Yakin hat der Job als Nati-Trainer erste Priorität. Es scheint also alles klar, was die gemeinsame Zukunft betrifft. Trotzdem haben sich die beiden Parteien am Dienstag nicht gefunden. Es geht um Wertschätzung, um Geld und vielleicht auch um die Besetzung des Assistenztrainer-Jobs. Nun sollen die Gespräche am Donnerstag fortgesetzt werden.
Murat Yakin surft nach der sportlich guten EM und der vorzüglichen Aussendarstellung seiner Mannschaft in Deutschland derzeit auf einer Welle der Popularität. Die miesen Umfragewerte – nur 25 Prozent hielten ihn in einer watson-Umfrage vor der EM für den richtigen Trainer – erscheinen heute wie ein Relikt aus einem anderen Jahrtausend.
Im Windschatten Yakins ist auch Assistent Giorgio Contini ins Bewusstsein einer grösseren Öffentlichkeit gerückt. Frühere Assistenztrainer brauchten mehrere Jahre, wofür Contini nicht mal fünf Monate benötigte. Was einerseits in den guten Leistungen der Nati begründet ist, andererseits im Gestaltungsraum, den Yakin ihm gewährt. Noch nie erhielt ein Nati-Assistent so häufig die Möglichkeit, sich ins Rampenlicht zu stellen. Oder erinnern Sie sich noch an das Gesicht von Antonio Manicone, der sieben Jahre Vladimir Petkovic assistiert hat?
Yakin und Contini, es scheint die perfekte Symbiose zu sein. Hier der Chef, der seinem Assistenten mit Kompetenzen und Mitbestimmung ausstattet und ihm Publizität ermöglicht. Dort der Assistent, der alle Landessprachen spricht, der als früherer Stürmer eher offensiv denkt, der extrovertiert und eine perfekte Ergänzung zu Yakin ist. Doch nun sind erste, kleine Risse in der Beziehung zwischen Yakin und Contini erkennbar.
Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Yakin macht seine Vertragsverlängerung nicht von Continis Zukunftsplänen abhängig. Er schätzt sehr wohl die Loyalität, die ihm sein Co-Trainer in den vergangenen Monaten entgegengebracht hat. So hat Contini, dessen Selbstverständnis jenes eines Cheftrainers ist, ein Angebot von Servette nicht angenommen. Der Wechsel scheiterte, weil man in Genf nicht bis zum EM-Aus der Schweizer Nati auf den neuen Trainer warten und Contini seinen befristeten Vertrag mit dem Verband erfüllen wollte.
Aktuell sind Yakin und Contini vertragslos. Und weil beide nicht abgeneigt sind, den Weg gemeinsam weiterzugehen, hätte es durchaus Sinn gemacht, gemeinsam zu verhandeln. Aber das wollte Contini nicht. Warum? Darüber können wir nur spekulieren. Ein Schelm, wer denkt, Contini wolle vorfühlen, ob er zu Yakins möglichen Erben zählt.
In der Trainerdebatte mischt nun auch der frühere Nati-Spieler Valon Behrami mit einer Kolumne bei «20 Minuten» mit. Er fragt, ob sich der Verband den Luxus mit zwei Cheftrainern leisten will. Diese Frage ist einfach zu beantworten: Kommt ganz darauf an, was die beiden Trainer verdienen.
Behrami findet, dass für die gesamte Beurteilung von Yakins Leistungen der resultatmässig vermaledeite Herbst eine Rolle spielen solle. Nun, Herr Behrami, dass Yakin den Turnaround geschafft hat, ist auch ein Leistungsausweis.
Danach wird es offensichtlich, worauf Behrami hinaus will. Der Ex-Kicker schreibt (oder lässt schreiben): «Es ist offensichtlich, dass diese Probleme unter anderem dank des Engagements von Giorgio Contini im Frühjahr behoben wurden. Contini weiss ganz genau, dass er den Unterschied gemacht hat. Eine Lösung nur mit Murat Yakin ist aufgrund der Leistungen in der Qualifikation für mich keine Option. Eine Lösung nur mit Giorgio Contini könnte ich mir zumindest aus fussballerischer Sicht vorstellen.» Starker Tobak.
Beim Verband vermutet man, dass Giorgio Continis Berater hinter Behramis Absicht steht, Yakins Position zu schwächen. Doch wie kommt man darauf? Nun, Continis Berater soll «20 Minuten» Behrami als Kolumnisten vermittelt haben. Ausserdem war der Berater früher auch mal Yakins Agent. Doch seit ein paar Jahren sollen die beiden kein Wort mehr miteinander reden.
Unabhängig davon, ob Contini in die Sache involviert war: Behramis Kolumne hat seine Position nicht gestärkt. Im Gegenteil. Denn nicht nur Yakin wird sich jetzt mit der Frage auseinandersetzen: Ist Contini noch der richtige Assistent?
Noch ist es nicht ausgeschlossen, dass das Duo Yakin/Contini weiterhin zusammenarbeiten wird. Aber dafür müsste der Assistent wohl einen Schritt auf seinen Chef zugehen. Beispielsweise die Verhandlungen mit dem Verband – am Mittwoch war Contini an der Reihe – gemeinsam zu führen. Und Yakin dürfte auch darauf pochen, dass zwischen Heckenschüssen wie jenem von Behrami und der Person Contini keine Verbindung mehr hergestellt werden kann.
Ob Yakin am Donnerstag von Contini begleitet wird, wenn die Löhne verhandelt werden, ist offen. Fakt ist: Der Verband will und kann nicht 2 Millionen Franken für zwei Trainer aufwerfen. Kommt man aber zum Schluss, dass Yakin der erfolgreichste Nati-Trainer der Neuzeit ist, erschiene die Forderung, etwa so viel zu verdienen wie seine Vorgänger, nicht überrissen. Ottmar Hitzfeld kam auf 1,2 Millionen pro Jahr, Petkovic am Schluss sogar auf etwas mehr. Yakin kassierte bis jetzt etwa 750'000 Franken.
Für Yakin könnte bald eine andere Türe aufgehen – jene ins Petrodollar-Paradies. In den nächsten Tagen werden aus dem katarischen und saudischen Raum Offerten für Yakin erwartet, die etwa fünfmal so hoch ausfallen dürften wie das, was Yakin als Nati-Trainer maximal verdienen kann. Ein Störfeuer zwar, aber auch nicht mehr. Denn für Yakin hat die Nati absolute Priorität, wenn er denn die Wertschätzung spürt. (aargauerzeitung.ch)
Wie kommt man zu diesem Schluss? Yakin ist bisher nicht erfolgreicher als Petkovic es war.
Ich bleibe gegenüber Yakin als Einzelperson skeptisch. Trotzdem scheint die Kombi Yakin, Contini und Xhaka sozusagen als Spielertrainer sehr gut zu funktionieren. Es wäre schade, wenn diese Kombi sich nach der sportlich erfolgreichen und skandalfreien EM nicht bestätigen kann.
Immer wieder spannend, wie der CHMedia Sportchef durch Unwissenheit glänzt. Wenn Herr Schmid-Bechtel nicht mal weiss, wie Contini spielen lässt, kann man wohl keinen fundierten Artikel erwarten 😆
Kleiner Tipp an den "Fachmann": Mal mit GC-Fans reden wie er dort spielen lassen hat. Es war eher das Gegenteil von offensiv. Ein Sportjournalist dürfte das ruhig wissen 😉
Bin froh um Erklärungen.