Es gibt Argumente für eine WM mit 64 Teams – aber auch Nachteile und mögliche Probleme
Vorteil 1: Mehr Teams hätten eine Chance
Diese WM zeigte, dass auch vermeintlich kleine Fussball-Nationen wie Kap Verde oder DR Kongo durchaus in Spielen mit den grösseren Nationen mithalten können, und sammelte so Argumente für ein noch grösseres Teilnehmerfeld. FIFA-Präsident Gianni Infantino stellte bereits während der WM klar: «Wenn man kleineren Nationen nicht die Chance gibt, an einer WM teilzunehmen, dann nimmt man ihnen den Antrieb, sich zu verbessern.» Besonders Teams aus kleineren Kontinentalverbänden haben dadurch eine grössere Chance, sich auf der ganz grossen Weltbühne zu messen. Auch die Chance für Italien würde wohl steigen, sich mal wieder für eine WM zu qualifizieren.
Vorteil 2: Keine dummen Rechnereien mehr
Mit 64 Mannschaften würde es wieder einen Modus geben, in dem nicht bis zum letzten Spieltag gerechnet werden muss und keine Gruppendritten die K.-o.-Phase erreichen. Der Modus wäre sehr simpel: 16 Vierergruppen und die Gruppenzweiten qualifizieren sich für den Sechzehntelfinal. So sind in der ersten K.-o.-Runde auch nur vier Gegner möglich und die Vorbereitungen für die einzelnen Teams werden einfacher.
Vorteil 3: Nicht noch mehr Spiele für den Weltmeister
Trotz der Erhöhung der Teams würden die Finalisten wie in diesem Jahr «nur» acht Spiele bestreiten, da die K.o.-Phase erneut mit dem Sechzehntelfinal starten würde.
Vorteil 4: 2030 mehr Spiele in Südamerika
Die WM 2030 findet hauptsächlich in Spanien, Portugal und Marokko statt. Allerdings wird (Stand jetzt) noch je eine Partie in Uruguay, Paraguay und Argentinien ausgetragen. Die Spiele in Südamerika finden wegen des 100. Jubiläums der Fussball-WM statt. Sollte die WM auf 64 Mannschaften erhöht werden, ist es durchaus realistisch, dass die jeweiligen Gruppen mit den Co-Gastgebern aus Südamerika ihre Vorrundenpartien alle in Übersee austragen werden.
Nachteil 1: Qualifikation wird immer unbedeutender
Wenn sich 16 weitere Teams für die Weltmeisterschaft qualifizieren würden, könnte die Qualifikation immer mehr zu einer Farce werden. Besonders in Südamerika würde es sehr speziell werden. Bereits jetzt qualifizieren sich sechs von zehn Nationen des CONMEBOL direkt für die WM. Mit einer erneuten Erhöhung würden sich ersten Gerüchten nach acht Teams direkt qualifizieren und der Neuntplatzierte könnte noch in den interkontinentalen Playoffs um ein WM-Ticket spielen. Beim europäischen Verband würden schätzungsweise sechs Nationen mehr teilnehmen und die UEFA wäre mit 22 Mannschaften vertreten.
FIFA President Gianni Infantino has proposed a 64 team World Cup stating in 2030.
— United Soccer America (@reformussoccer) July 14, 2026
UEFA could get 6 more spots. CAF and AFC 3 each. Concacaf and CONMEBOL 2 each pic.twitter.com/oXZBBvamtJ
Nachteil 2: Eine WM-Teilnahme ist nicht mehr so besonders
Sollten 2030 wirklich 64 Mannschaften an der WM teilnehmen, hätte sich das Teilnehmerfeld innerhalb von acht Jahren verdoppelt. Der ehemalige Ghana-Trainer Carlos Queiroz sagte kürzlich zur diesjährigen WM: «Es ist fraglich, ob die Erweiterung auf 48 Teams die WM aufgewertet hat. Etwas hat einen besonderen Wert, wenn es selten ist – jetzt ist fast jeder dabei.» Auch Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa, Präsident der asiatischen Konföderation, spricht sich nicht unbedingt für eine weitere Erhöhung aus: «Wo würden wir dann enden? Es würde zum Chaos werden.»
Nachteil 3: Kaum genügend Spieldaten
Auch wenn das Teilnehmerfeld auf 64 Mannschaften erhöht werden sollte, würde die WM weiterhin nicht länger als um die fünf Wochen gehen. Da es mit zusätzlichen 16 Mannschaften zu 24 Partien mehr kommen würde, müssten bis zu sechs Partien an einem Tag ausgetragen werden.
Nachteil 4: Logistikprobleme bei den Gastgebern
Mehr Spiele sorgen auch dafür, dass es mehr Stadien brauchen wird. Für die 128 Partien wären wohl mehr als 20 Stadien pro Turnier nötig (bei der aktuellen WM sind es 16). Es würde in der Zukunft wahrscheinlich nur noch Weltmeisterschaften geben, welche in mehreren Ländern stattfinden. Ein Problem ist auch, dass die WM in vier Jahren für 48 Teilnehmer geplant ist. Zusätzlich müssen auch für 16 Teams und ihre Fans zusätzliche Schlafmöglichkeiten gefunden werden.
