Ohne Tor zum besten Spieler der WM: Rodris Weg vom Himmel in die Hölle – und zurück
Es ist eine Auszeichnung, die auf den ersten Blick für Überraschung sorgt: Rodri hat bei dieser Weltmeisterschaft in acht Spielen weder ein Tor erzielt noch eine Vorlage geliefert – und wurde dennoch mit dem Goldenen Ball zum besten Spieler des Turniers gewählt. Er setzte sich dabei gegen zwei der grössten Namen des Weltfussballs und dieses Turniers durch: Lionel Messi erhielt den Silbernen, Kylian Mbappé den Bronzenen Ball.
Rodri takes home the adidas Golden Ball 🏆@adidasfootball pic.twitter.com/duxTkrH5Bd
— FIFA World Cup (@FIFAWorldCup) July 20, 2026
Die Klasse, die man nicht in Toren misst
Wer Rodris Spiel verstehen will, muss auf andere Zahlen schauen. Der Spanier absolvierte laut Sofascore alle acht Partien über die volle Distanz und legte dabei 9,7 Kilometer pro 90 Minuten zurück. Noch beeindruckender: 94,5 erfolgreiche Pässe pro Spiel bei einer Genauigkeit von 93 Prozent, in der eigenen Hälfte gar 95 Prozent. Kein Spieler des Turniers brachte mehr Bälle an den Mann oder hatte so viele Ballkontakte wie der spanische Kapitän.
Doch Rodri ist weit mehr als ein Passgeber. Er gewann 6,13 Zweikämpfe pro Partie (66 Prozent), kam auf 3,25 Tackles und eroberte 5,0 Bälle pro Spiel zurück – Werte, die ihn zum komplettesten Mittelfeldspieler machen. Seine Sofascore-Durchschnittsbewertung von 7,76 war die beste unter allen zentralen Mittelfeldspielern des Turniers und die sechstbeste des Turniers.
Im Finalspiel gegen Argentinien lieferte er dann sein Meisterstück ab: 101 von 106 Pässen kamen an, 80 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er, dazu kreierte er zwei Torchancen. Argentinien brachte in 120 Minuten keinen einzigen Schuss aufs spanische Tor. Messi wurde von Rodris Mittelfeld und der unermüdlichen Abwehrarbeit vom Youngster des Turniers, Pau Cubarsi, schlicht vom Spiel genommen. Spanien gewann 1:0 nach Verlängerung durch das Tor von Ferran Torres in der 106. Minute – und kassierte im gesamten Turnier nur ein einziges Gegentor gegen Belgien.
Vom Himmel in die Hölle – und zurück
Was diesen Triumph so besonders macht, ist der Weg dorthin. Im September 2024 riss sich Rodri im Premier-League-Spitzenspiel von Manchester City gegen Arsenal das Kreuzband im rechten Knie – kurz bevor er zum Weltfussballer gekürt wurde. Erst im Mai 2025 kehrte er in den Wettkampfbetrieb zurück.
Rodri selbst äusserte sich nach dem Finalsieg: «Dass ein Spieler, der den Himmel berührt und dann in die Hölle stürzt, auch wieder aufstehen kann. Das ist ein Beispiel dafür, wie man Schwierigkeiten überwindet, und daran muss man glauben. Es ist unglaublich.»
Aitana Bonmati, die mehrfache Weltfussballerin, die selbst weiss, wie sich der Sieg anfühlt, sprach nach dem Spiel mit dem spanischen Kapitän – und fand ausschliesslich lobende Worte. «Du bist eine tragende Säule der Seleccion. Ich finde, du hast dich während des Turniers stark weiterentwickelt und vor allem deine letzten beiden Matches waren spektakulär», äusserte sie sich gegenüber Rodri.
In einer Reihe mit den Grössten
Mit dem WM-Titel erzielt Rodri einen Erfolg, der nur wenigen gelungen ist. Er gehört nun zu den Spielern, die Weltmeisterschaft, Europameisterschaft, Champions League und den Ballon d'Or gewonnen haben – zusammen mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Zinédine Zidane.
Spanien dominierte im Übrigen auch die weiteren Einzelauszeichnungen: Unai Simon erhielt den Goldenen Handschuh als bester Torhüter und Pau Cubarsi wurde zum besten jungen Spieler gewählt. Den Goldenen Schuh sicherte sich Kylian Mbappé mit zehn Toren vor Lionel Messi, der an diesem Turnier acht Tore schoss.
