Englands tragische Figur – seine Verletzung führte zu Argentiniens Siegtor
Auf bitterere Weise hätte die Hoffnung auf ein Ende der «60 Years of Hurt» kaum zerstört werden können. England scheitert trotz Führung im WM-Halbfinal an Argentinien. Die Südamerikaner drehten die Partie dank Toren in der 85. und 92. Minute zum 2:1-Sieg. Damit warten die Three Lions mindestens zwei weitere Jahre auf ihren zweiten grossen Titel und dauert der im Lied «It's Coming Home» besungene Schmerz seit der Weltmeisterschaft 1966 weiterhin an.
Nach dem Schlusspfiff sass der Schock bei den Engländern tief, die Trauer war riesig. Doch das Team von Trainer Thomas Tuchel hat sich die Niederlage zu einem grossen Teil selbst zuzuschreiben. Nach dem Führungstor in der 55. Minute igelten sich die Engländer in und um den eigenen Strafraum ein. Argentinien hatte in der zweiten Halbzeit 73 Prozent Ballbesitz, die Engländer gaben sich damit zufrieden, den Gegner das Spiel machen zu lassen. Dann liessen sie Enzo Fernandez beim Schuss aus rund 20 Metern viel zu viel Platz, der Ausgleichstreffer war die Folge. Und kurz danach kam auch noch Pech dazu. Oder vielleicht passt Unglück im Glück besser.
In der 92. Minute steht Alexis Mac Allister am Strafraumrand ziemlich frei, dieses Mal landet der Schuss eines argentinischen Mittelfeldduos aber am Pfosten. Von dort rollt der Ball durch Englands Strafraum, doch hat Linksverteidiger Djed Spence aufgepasst. Gerade noch vor Lionel Messi spitzelt er den Ball weg, verletzt sich dabei aber.
Weil sein Gegenspieler einen Moment lang humpelt, hat der 39-jährige Argentinier viel zu viel Raum auf dem rechten Flügel. Nico O'Reilly kommt Spence zwar zur Hilfe, kann die perfekte Flanke aber auch nicht mehr verhindern. Messi spielt den Ball zielgenau auf den Kopf von Lautaro Martinez, der freistehend einköpfen kann. John Stones und Ezri Konsa haben in der Mitte nicht gut genug aufgepasst. Wenig später wird der angeschlagene Spence ausgewechselt.
Vor dem folgenschweren Moment machte Spence ein starkes Spiel auf der linken Abwehrseite. Seine beste Szene hatte er zwei Minuten nach dem englischen Führungstreffer, als Argentiniens Giuliano Simeone bei einem Konter ziemlich alleine auf das gegnerische Tor zulief. Spence schaltete jedoch den Turbo ein und grätschte den Ball im Strafraum ab. Damit verhinderte der Tottenham-Profi womöglich den Ausgleichstreffer.
— Mediaa (@Mediaabayt) July 15, 2026
Am Ende blieb die Grätsche aber ohne Bedeutung, da England sich das Spiel auch so noch aus der Hand nehmen liess. Und so wurde Spence vom Helden zur tragischen Figur des Abends.
