Der Gruppensieg ist Tatsache – aber eine Sorge bleibt in Form von alten Geistern
Lange war die Nati auf souveränem Weg zum Sieg in der Gruppe B. Ruben Vargas und Johan Manzambi brachten die Schweizer früh in der zweiten Halbzeit in Führung und in der Folge verwalteten sie den Vorsprung souverän. Doch nach der Trinkpause folgt der Knick im Spiel. Promise David verkürzt für Kanada auf 1:2 und mit dem wieder euphorisierten Heimpublikum im Rücken bringen die Ahornblätter die Nati gewaltig ins Wanken.
Mehrere Male rettet Goalie Gregor Kobel als letzter Mann und bewahrt die Schweiz so vor dem Ausgleich. Am Ende bringen Granit Xhaka und Co. den Sieg im Spiel und jenen in der Gruppe zwar über die Zeit. Doch es sind ein wenig alte Geister, die rund um die Nati an diesem Turnier wieder herumspuken.
Rückblick auf die Qualifikation zur Europameisterschaft 2024. Die Nati startet mit souveränen Siegen gegen Belarus (5:0) und Israel (3:0) in die Kampagne. Doch dann folgt ein Knick. Auswärts gegen Andorra gibt es nur einen 2:1-Sieg und danach folgt ein bedenkliches Tief mit vielen Unentschieden und am Ende einer Niederlage gegen Rumänien. Die Nati landet nur auf Rang 2 in der Gruppe und bei der Auslosung in Topf 4.
Auffallend in dieser Phase: Murat Yakins Mannschaft gibt gleich vier Mal in zehn Spielen eine Führung in der Schlussphase wieder aus der Hand. Etwas mehr als zwei Jahre später vergibt die Nati gegen Katar einen 1:0-Vorsprung in der Nachspielzeit. Und nun die wenig überzeugende Schlussphase gegen Kanada. Sind die Geister von damals wieder zurück?
Gregor Kobel winkt ab. Das seien einfach die normalen Phasen des Spiels, die man durchmache, sagt der Schweizer Torhüter. Er erklärt: «Kanada hatte nichts mehr zu verlieren. Dass sie vor Heimpublikum dann alles raushauen, ist normal.» Trainer Yakin sieht hingegen durchaus noch etwas Verbesserungspotenzial: «Wir konnten uns teilweise gut lösen, hatten dann aber unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung.» Dabei äussert er auch leise Kritik an seinen Einwechselspielern.
Das Anschlusstor der Kanadier fällt, kurz nachdem Silvan Widmer (für Luca Jaquez) und Michel Aebischer (für Djibril Sow) eingewechselt worden sind. Beide sind am Gegentor allerdings nicht direkt beteiligt. Trotzdem wirkt die Verteidigung danach nicht mehr gleich stabil wie zuvor. Noch extremer wurde es, als Christian Fassnacht (für Johan Manzambi) und Cedric Itten (für Breel Embolo) ins Spiel kamen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern gelang es diesem Duo kaum mehr, die Bälle in der Offensive zu halten. In dieser Phase wären jeweils auch die Führungsqualitäten von Captain Granit Xhaka gefordert, doch der leistete sich selbst auch den einen oder anderen Ballverlust.
Murat Yakins Poker mit Manzambi und Vargas (und etwas überraschend auch Djibril Sow) in der Startelf ging bis zum 2:0 voll auf. Es war aber auch offensichtlich, dass dann nicht mehr die gleiche Qualität von der Bank gebracht werden konnte. Immerhin haben der Trainer und sein Staff nun einige Tage Zeit, um sich die Taktik für den Sechzehntelfinal vom 3. Juli – gegen einen noch unbekannten Gegner – auszudenken.
