Goalie Vozinha wird zum Helden – Kap Verdes berühmteste Grossmutter erobert die Welt
Da stehen die Fans in Praia, der Hauptstadt von Kap Verde, und skandieren seinen Namen: «Vozinha! Vozinha! Vozinha!»
Vozinha heisst mit bürgerlichem Namen Josimar José Évora Dias und ist auf dem Inselstaat vor der afrikanischen Westküste gerade zu einem Nationalhelden geworden. Beim ersten WM-Spiel in der Geschichte seines Landes – und dann auch noch gegen Europameister Spanien – hext der Torhüter insbesondere in der ersten Halbzeit und führt Kap Verde so beim 0:0 zu einem sensationellen Punktgewinn.
Nach dem Schlusspfiff weinte der Goalie des portugiesischen Zweitligisten GD Chaves Tränen der Freude. «Das ist der grösste Moment meines Lebens. Ich bin einfach dankbar und glücklich», sagte er in die TV-Kameras. Kap Verde hätte lange darauf gewartet, auf einer solchen Bühne und gegen solche Gegner zu spielen. «Wir wussten, dass es nicht einfach wird, aber wir haben hart gekämpft und es geschafft», freut sich der Torhüter.
Nach dem Spiel wurde Vozinha als bester Spieler der Partie ausgezeichnet. Seine Vorderleute, insbesondere die Innenverteidiger Roberto Lopes und Diney Borges, machten ihre Arbeit ebenfalls gut. Aber mit insgesamt sieben Paraden – sechs davon Schüsse innerhalb des Strafraums – liess er die Spanier immer mehr verzweifeln. Insgesamt verhinderte er gemäss Expected Goals 1,46 Gegentore und fing zudem drei hohe Bälle ab.
Die berühmteste Grossmutter Kap Verdes
Vozinha, das bedeutet im brasilianischen Portugiesisch «kleine Grossmutter». Dass der Goalie diesen Namen auf dem Rücken trägt, liegt an seinem Übernamen aus der Kindheit und einem Zufall zum Start seiner Auslandskarriere. «Ich spielte in den Strassen meiner Heimatstadt oft mit älteren Kindern Fussball. Weil ich sehr ehrgeizig war, ärgerte ich mich über die Niederlagen und stampfte danach wütend nach Hause», erzählt der Torhüter. «Da ich bei meinen Grosseltern wohnte, machten sich die anderen Kinder lustig über mich, indem sie sagten, ich würde mich bei meinen Grosseltern beklagen. So kam es zum Spitznamen Vozinha.»
Ganz Kap Verde lernte den Goalie als Vozinha kennen. Als er dann für sein erstes Engagement im Ausland nach Angola wechselte, wollte er wieder unter seinem Geburtsnamen Josimar, den er zu Ehren des früheren brasilianischen Aussenverteidigers erhielt, spielen. Doch in seinem neuen Klub gab es bereits einen Josimar, also blieb er bei Vozinha.
Das ist insofern auch passend, da der 89-fache Nationaltorhüter von Kap Verde schon 40-jährig ist. Eigentlich habe er in seinem fortgeschrittenen Sportleralter schon aufhören wollen, doch seine Teamkollegen hätten ihn überzeugt, doch noch weiterzumachen und an die WM zu reisen, erzählt SRF-Kommentator Calvin Stettler während der Partie. Das Märchen nimmt seinen Lauf.
Und so ist Vozinha sicherlich die berühmteste Grossmutter von Kap Verde – und nun auch international eine Kultfigur. Vor dem Anpfiff gegen Spanien hatte Dias auf Instagram 50'000 Follower. Bis zum Schlusspfiff ist diese Zahl regelrecht explodiert und auf 1,5 Millionen angewachsen. Dabei mitgeholfen hat auch das brasilianische Fernsehen, das seine Zuschauer während des Spiels dazu aufrief, dem Torhüter zu folgen.
Cabo Verde goalkeeper reacting to getting 1.5 million instagram followers after today's match
by u/kansasct in soccer
Und natürlich liessen sie es sich nicht nehmen, dem 40-Jährigen danach seine neue Followerzahl zu zeigen. Vozinha reagierte mit einem Lachen und fasste die letzten Stunden seines Lebens in einem einzigen Satz zusammen: «Es ist einfach nur verrückt.»
Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
