Kritik an Paraguay und am Schiri – über diese Szenen ärgert sich Frankreich
Kap Verde fordert Argentinien im WM-Sechzehntelfinal bis aufs Äusserste und verliert am Ende knapp. Trotz der Niederlage werden Spieler und Mannschaft des afrikanischen Landes danach weltweit als Helden gefeiert.
Paraguay schlägt im WM-Sechzehntelfinal sensationell Deutschland und fordert dann im Achtelfinal Frankreich bis aufs Äusserste und verliert am Ende knapp. Fast die ganze Fussballwelt jubelt darüber, dass die südamerikanische Mannschaft endlich draussen ist.
Warum die unterschiedlichen Reaktionen? Die Gründe liegen in der Spielweise. Kap Verde verteidigte in seinen Spielen jeweils heroisch, war dabei aber nie unfair. Am bemerkenswertesten war das 0:0 zum WM-Auftakt gegen Spanien, wo sich die Kapverdier über die gesamte Spielzeit nur ein einziges Foul leisteten. Ganz anders Paraguay. Die Südamerikaner waren vor dem Spiel gegen Frankreich mit neun gelben, einer roten und einer gelb-roten Karte gemeinsam mit Südafrika das unfairste Spiel des Turniers. Und der Auftritt gegen Frankreich dürfte an diesem Bild wenig geändert haben – auch wenn Paraguay unverständlicherweise ohne weitere Karte davonkam.
Denn von Beginn weg war klar, was der Matchplan der Mannschaft von Trainer Gustavo Alfaro war: Frankreichs Superstars mit dreckigen Aktionen zu provozieren, bis sie die Nerven verlieren. Spoiler: Das gelang nicht. Frankreich bewies Geduld und Nerven und sicherte sich den Sieg dank eines Penalty-Treffers von Kylian Mbappé in der zweiten Halbzeit.
Doch davor und auch danach mussten sich die Franzosen allerlei gefallen lassen. Harte Fouls, Tätlichkeiten und andere Unsportlichkeiten – und sie erhielten vom usbekischen Schiedsrichter Ilgiz Tantaschew keinerlei Hilfe. Er verwarnte drei französische Spieler und keinen einzigen von Paraguay. Mbappé sagte nach dem Spiel: «Wir wussten, was das für ein Spiel wird. Wenn wir unsere Hand in Scheisse stecken müssen, dann stecken wir unsere Hand halt in Scheisse. Wir waren das bessere Team.»
Schauen wir uns die strittigen Szenen doch noch einmal an. In der 35. Minute kam es zu einer ersten grösseren Rudelbildung nach einem Foul an Mbappé.
In der 38. Minute schlug Matias Galarza Mbappé, als dieser ohne Ball an ihm vorbeilief. Schiedsrichter Tantaschews Blick war auf die Szene gerichtet, trotzdem blieb die Pfeife stumm. Und auch der VAR schritt trotz einer möglichen Tätlichkeit nicht ein.
In der 63. Minute holte Andres Cubas Désiré Doué von den Beinen. Die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm, obwohl auch die Ref-Kamera zeigte, dass er besten Blick auf die Szene hatte.
In der 69. Minute erhält Frankreich nach einem Foul an Doué (und VAR-Intervention) einen Penalty zugesprochen. Bevor Mbappé diesen zum 1:0 verwertet, versuchte Gustavo Velazquez den Penaltypunkt mit seinen Stollen zu manipulieren.
Velázquez trying to tamper with the penalty spot before the penalty
— The ANF Club ⚽️ (@adjorNfriends) July 5, 2026
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In der 77. Minute lag Paraguays Verteidiger Juan José Caceres bereits am Boden und trat dann noch gegen Mbappé nach. Schiedsrichter und VAR ignorierten die Szene.
Grosse faute de Mbappé qui menace l'intégrité physique du petit orteil de Caceres.
— Pierre B. (@Pierre_B_y) July 4, 2026
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In der 80. Minute verpasste Gabriel Avalos Dayot Upamecano im eigenen Strafraum einen Ellbogenschlag in den Bauch. Schiedsrichter Tantaschew blickte direkt auf die Szene und pfiff nicht.
In der 84. Minute leistete sich Paraguay zwei Fouls innert fünf Sekunden und kam erneut ohne Karte davon.
In der 97. Minute legte sich Galarza mit Michael Olise an und provozierte nach einer Schauspieleinlage eine Gelbe Karte für den Franzosen.
Am Ende konnten Mbappé und Co. aber zuletzt lachen. Weil Paraguay mehr mit seinen dreckigen Aktionen beschäftigt war, suchte es auch im Rückstand nicht wirklich den Abschluss. Auch in der letzten Minute der Nachspielzeit versuchten die Südamerikaner immer noch, Mbappé zu provozieren, doch der konnte darüber nur schmunzeln.
Frankreichs Trainer Didier Deschamps erklärte, dass er gar Spieler zu Mbappés Schutz abstellte: «Ich sagte meinen zwei grössten Spielern, dass sie nach dem Schlusspfiff sofort zu Kylian stehen sollen, weil ich befürchtete, dass sie noch etwas versuchen.»
Neben der paraguayischen Mannschaft musste aber vor allem Schiedsrichter Ilgiz Tantaschew viel Kritik einstecken. «Wir hätten heute in diesem Spiel mit einem anderen Schiedsrichter auf drei Mal Rot gegen Paraguay sehen können», analysierte SRF-Experte Mladen Petric. Noch einen Schritt weiter ging Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich bei MagentaTV. Er sprach davon, dass Tantschew die Kontrolle über die Partie verloren hat: «Wenn du nicht vorsorglich mit den Spielern sprichst und Gelbe Karten zeigst, läuft dir das Spiel aus dem Ruder.»
Klar ist: Nach der 0:1-Niederlage im Achtelfinal müssen Paraguays Fussballer die Heimreise antreten. Und es ist gut möglich, dass es auch für Tantaschew der letzte Auftritt an dieser WM war.
