Irans Nationalmannschaft wartet kurz vor WM immer noch auf das US-Visum
Die iranische Fussball-Nationalmannschaft weiss wenige Tage vor Beginn der WM immer noch nicht, ob sie teilnehmen kann. Nun verdichten sich aber die Hinweise, dass es klappen könnte.
Offenbar plant die iranische Delegation nun die Anreise an die WM. Der Präsident des iranischen Fussballverbands Mehdi Taj teilte mit, die Delegation fliege am Samstag nach Spanien. Von dort aus soll es weiter ins Basislager nach Mexiko gehen. Ursprünglich hätte die Mannschaft in Arizona residieren sollen. Die Verantwortlichen hielten es dann aber für besser, das Lager im mexikanischen Tijuana aufzuschlagen.
Wie die Sportnachrichtenagentur SID berichtet, liegt das Visum für Mexiko seit Mittwochnachmittag vor. Das teilte das iranische Staatsfernsehen unter Berufung auf den iranischen Botschafter in der Türkei mit. «Die Visa für die iranischen Spieler wurden innerhalb von 48 Stunden ausgestellt, ohne dass sie persönlich vorstellig werden mussten und ohne Abnahme von Fingerabdrücken in der mexikanischen Botschaft», sagte der Botschafter.
Für die USA fehlt die Einreiseerlaubnis aber weiterhin. Obwohl Verbandspräsident Taj anfangs Woche versicherte, dass die US-Visa «rasch» nach den mexikanischen Visa ausgestellt würden. Die fehlende Bewilligung dürfte der Grund sein, warum die Iraner ihr Base-Camp in Mexiko aufschlagen.
Teilnahme seit Kriegsbeginn ungewiss
Am 16. Juni ist das erste Spiel Irans angesetzt. Dieses und auch die beiden anderen Vorrundenspiele finden in den USA statt. Momentan befindet sich die iranische Delegation in der Türkei, von wo aus sie mit den Botschaften der USA und von Kanada über die Einreiseerlaubnis verhandelt hat.
Die iranische Nationalmannschaft hatte sich als eine der ersten für die WM qualifiziert. Ihre Teilnahme steht aber auf der Kippe, seit die USA und Israel Ende Februar Luftangriffe auf Iran gestartet haben.
«Die Lage im Land und insbesondere der Krieg haben all unsere Pläne über den Haufen geworfen», wird Taj auf «Sport1» zitiert. Zudem sei die Vorbereitung auf die WM durch «finanzielle Schwierigkeiten» beeinträchtigt gewesen, die aus der Wirtschaftskrise des Landes und insbesondere aus der starken Abwertung der nationalen Währung gegenüber dem Dollar resultiert seien.
Mitglieder von Terrororganisation befürchtet
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sagte der US-Aussenminister Marco Rubio am Dienstag, Washington habe «kein Problem» damit, dass das iranische Team in das Land einreise. Es werde jedoch nicht zulassen, dass Beamte oder Mitarbeiter mit Verbindungen zu den Islamischen Revolutionsgarden sie begleiten. «Wir werden das sehr genau im Auge behalten.»
Sowohl die USA als auch Kanada stufen die Islamischen Revolutionsgarden als Terrororganisation ein. Kanada verweigerte dem Verbandspräsidenten Ende April die Einreise zum FIFA-Kongress, weil er Verbindungen zu dieser militärischen Eliteeinheit unterhält.
Die FIFA hat das Ausmass dieser Situation möglicherweise unterschätzt. «Der Image-Schaden für die FIFA und Gianni Infantino wäre riesig, wenn Asiens bestes Team nicht an der WM teilnehmen kann, weil das Gastgeberland den Iran zerbombt», sagt James Montague, Experte für Fussball im Mittleren Osten, gegenüber CNN. Besonders ironisch sei die Lage, weil Gianni Infantino Trump im Dezember noch den FIFA-Friedenspreis übergeben hat. (aargauerzeitung.ch)
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