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96 Auftritte für die Schweiz – später möchte Xherdan Shaqiri Trainer werden.
96 Auftritte für die Schweiz – später möchte Xherdan Shaqiri Trainer werden.
Bild: keystone
Interview

Nati-Captain Shaqiri übers Impfen und Liverpool: «Wir Spieler sind Vorbilder»

In der verletzungsbedingten Abwesenheit von Granit Xhaka führt Xherdan Shaqiri die Schweizer Nati als Captain an. Kurz vor seinem 30. Geburtstag spricht er übers Impfen, seinen Wechsel nach Lyon und Penaltys.
06.10.2021, 07:4306.10.2021, 10:01
christian brägger / ch media

Sie werben nun auch für die Covid-19-Impfung. Was war der Auslöser und weshalb tun Sie das auch auf Albanisch?
Xherdan Shaqiri:
Man hat gesehen, dass in der Schweiz wohnende Immigranten in ihrer Heimat Kosovo Urlaub machten. Sie steckten sich dort teilweise an, und nach der Rückkehr mussten einige ins Spital. Es ist als Aufruf zu verstehen, sich gegenseitig zu schützen und zu helfen. Wir Spieler sind letztlich Vorbilder. Auch ich habe eine andere Herkunft, und ich wollte deshalb bei einigen Menschen mit Migrationshintergrund etwas auslösen, aber auch beim Schweizer Volk. Gemeinsam mit dem Verband (SFV und BAG spannen für die Kampagne zusammen, die Spieler treten als Privatpersonen auf; Anm. d. Red.) haben sich deshalb einige von uns entschieden, das zu tun.

War es für Sie immer logisch, sich impfen zu lassen?
Ich war ja selbst infiziert. Für mich war es klar, mich alsbald impfen zu lassen.

Hatten Sie damals Symptome?
Einmal war ich sogar falsch positiv in St.Gallen. Wirklich krank war ich dann in England. Ich hatte Fieber, aber keine starken Symptome.

Granit Xhaka will sich offenbar nicht impfen lassen. Haben Sie mit ihm darüber gesprochen?
Nein, beim letzten Zusammenzug war ich nicht mehr dabei, als er sich infizierte. Das muss jeder für sich entscheiden.

Xhaka ist verletzt, Sie werden die Schweiz in den nächsten Spielen als Captain anführen. Stolz?
Ich bin ja nicht zum ersten Mal der Captain der Schweiz. Aber es ist immer speziell und schwingt Stolz mit. Natürlich werde ich versuchen, der Mannschaft mit guten Leistungen zu helfen. Aber meine Rolle wird jetzt nicht gross anders sein als bisher. Zudem: Jeder Spieler des Nationalteams muss Verantwortung übernehmen.

Aber spüren Sie mehr Druck jetzt?
Nein. Die Medien und die Fans erwarten immer viel von mir, ob mit oder ohne Binde. Es gibt nicht den einen Akteur, der alles alleine trägt. Wir haben 24 Spieler, und es war immer unser Rezept, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein und als richtig fokussiertes Team über uns hinauswachsen können.

Es hat Sie ja auch schon einmal genervt, dass die Leute mehr von Ihnen erwarten.
Sagen wir es mal so: Früher war das mehr der Fall als heute. Es gibt Tage, an denen du dein Spiel anders gesehen hast als die Journalisten. Aber ich lese ja sowieso nicht täglich Zeitungen. Und natürlich ist es ein Kompliment, wenn man mir mehr zutraut. Ich möchte mich ja auch mit den Besten messen.

Wie lief der Dialog mit Nationaltrainer Murat Yakin ab, dass Sie nach den vier Fehlschüssen Ihrer Teamkollegen nun der Schweizer Penaltyschütze sein sollen?
Murat Yakin und ich schreiben und telefonieren regelmässig. Er sagte mir dann, er sehe den Captain in der Verantwortung für die Elfmeter. Ich antwortete ihm, das sei kein Problem und ich würde das dann auf dem Platz situativ anschauen. Wenn ich mich gut fühle, werde ich schiessen und sonst anderweitig organisieren. Aber ich bin schon einer, der gerne schiessen will.

Wie weit können Sie abschätzen, was sich unter Yakin nach dem Abgang von Vladimir Petkovic für Sie und das Team verändert hat?
Unter Petkovic und Yakin verändert sich meine Rolle nicht. Ich werde weiter wirbeln müssen. Natürlich hat Muri neue Ideen, die wir nun Schritt für Schritt umsetzen wollen und müssen. Es braucht also Zeit, bis wir auf 100 Prozent kommen. Grundsätzlich ist Muri kein Trainer, der nur auf die Defensive setzt. Er weiss genau, was er zu tun hat, und es ist sein grosses Plus und vielleicht ein Vorteil gegenüber Petkovic, dass er selbst Nationalspieler war und dadurch uns Spieler noch besser versteht. Muri strahlt Gelassenheit aus, bleibt cool in schwierigen Situationen. Das Ziel bleibt ohnehin gleich: Mit diesem Team wollen wir im nächsten Jahr an die WM in Katar.

Eine Nichtqualifikation wäre demnach ein Misserfolg?
Sagen wir es so: Das Ziel dieser Mannschaft muss es sein, an jedes Turnier zu kommen. Es kann immer wieder passieren, dass es nicht gelingt, siehe Italien. Aber wir haben die Qualität, es auch dieses Mal an die WM zu schaffen

Beim letzten Zusammenzug sind Sie abgereist, um für den neuen Klub Lyon fit zu werden. Wie sind die ersten Wochen angelaufen?
Ich war sehr froh, dass ich nach Lyon wechseln konnte. Ich brauche viele Spiele, um bei 100 Prozent zu sein. Ich habe mit Lyon gut angefangen, spüre, dass ich bereit und in Form bin. Viele Klubs in Frankreich laufen mit der Fünferkette auf, das macht es für mich als Offensivspieler dann nicht einfacher. Aber die Ligue 1 hat viele Talente, sie ist im Aufschwung und mit einigen Wechseln auch attraktiver geworden. Es war wie ein Neustart für mich, aber ich brauche schon noch ein bisschen Eingewöhnungszeit.

Französisch sprechen Sie schon?
Pas de problem. Ja, ich verstehe fast alles. Das Französische ist mir noch von der Schule geblieben. Schriftlich hatte ich eine 4.5, mündlich ebenfalls.

Die Ligue 1 hat ein Gewaltproblem. Wie nehmen Sie das wahr?
Ich war auch etwas überrascht. Es ist schon so: Die Gewalt gehört nie dahin, im Sport braucht es sie nicht.

Warum wählten Sie Lyon?
Der Klub bot mir die besten Perspektiven. Lyon spielt sehr offensiv unter Trainer Peter Bosz. Ein neues Land mit einer neuen Sprache, das alles in der Nähe meiner Familie, das ganze Paket hat mit Lyon am besten gepasst.

Und bereits spielten Sie ja gegen das grosse PSG, verloren aber 1:2.
Ein Tor von PSG war für mich nicht nachvollziehbar, weil davor ein Foul passiert ist. Lionel Messi war immer mein grosses Idol, es war schon speziell, gegen ihn zu spielen, aber ich traf ihn ja schon einmal mit der Schweiz 2014 an der WM in Brasilien.

Es wird erzählt, Sie seien mit Lyon bereits im Jahr 2020 in Kontakt gestanden.
Ich wollte schon früher weg von Liverpool. Aber ich durfte nicht, der Verein liess mich nicht gehen. Wichtig ist für mich, dass ich jetzt weg bin. Es gab auch Angebote aus Spanien, Italien.

Haben Sie also ein Jahr verloren?
Ich denke nicht. Nein.

Wie bilanzieren Sie heute die drei Spielzeiten mit Liverpool?
Sehr gut. Sehr gut.

Aber war es nicht ein goldener Käfig für Sie?
Die Bayern davor in diesem Fall auch? Ich habe im ersten Jahr oft gespielt, Titel gewonnen. Die Champions League gewinnen nicht viele Schweizer.

Also schmerzte der Weggang von Liverpool etwas?
Nein, überhaupt nicht. Sonst hätte ich es nicht getan, ich hatte ja noch einen Vertrag.

Gab es ein Abschiedsgeschenk?
Nein. Dafür konnte ich Titel mitnehmen.

Xherdan Shaqiri gewann mit Liverpool die Champions League.
Xherdan Shaqiri gewann mit Liverpool die Champions League.
Bild: EPA/EPA

Verabschiedete sich Trainer Jürgen Klopp von Ihnen persönlich?
Ich stand mit ihm davor telefonisch in Kontakt. Als es so weit war, schrieb er mir ein SMS. Er wünschte mir darin Glück und sagte, dass ich ein guter Spieler und guter Typ sei. Wir hatten ja nie Probleme miteinander und eine sehr gute Beziehung. Aber ich wollte einfach eine neue Challenge, das ist normal im Fussball. Jürgen hat mir diesbezüglich geholfen.

Wenn es optimal läuft, kommen Sie noch auf 100 Länderspiele in diesem Jahr. Was bedeutet Ihnen das?
Das macht mich schon sehr Stolz. 100, eine schöne Zahl. 100 Spiele für unsere Nation, das ist nicht alltäglich, etwas Spezielles. Wunderbar, dass ich das vielleicht erleben darf.

Und am nächsten Sonntag werden Sie 30 Jahre alt. Werden Sie feiern?
Die Zeit läuft und ich werde langsam ein bisschen älter, fühle mich aber noch jung und bin im besten Fussballalter. Weisse Haare habe ich ja noch nicht. Im Vordergrund stehen für mich die nächsten beiden Länderspiele, die wir unbedingt gewinnen wollen. Und es ist doch schön, wie nahezu in jedem Jahr, meinen Geburtstag im Kreis meiner Nati-Kollegen feiern zu können.

Wenn Sie dann so richtig alt sind, dann spielen Sie wieder für den FC Basel zum Abschluss Ihrer Karriere?
Ich schaue nie gross in die Zukunft – oder wer hätte gedacht, dass ich einmal in solch grossen Klubs spielen werde. Man weiss nie im Fussball, ich möchte jedenfalls so lange wie möglich auf Topniveau spielen. Und später möchte ich dann Trainer werden, in der Tendenz auf einem guten Niveau. Doch auch hier müsste ich mich hinaufarbeiten, Ausbildungen machen. Berater wäre jedenfalls nicht unbedingt meins.

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