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Cédric Zesiger spricht im Interview über die Geburt seines Sohnes und YB

Cedric Zesiger (YB) celebre son but lors de la rencontre de football de Swiss Super League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et le BSC Young Boys, YB, ce samedi 8 aout 2026 au stade de la Tuiliere a Lau ...
Seit Sommer ist Cédric Zesiger wieder bei YB – derzeit fehlt er aber verletzt.Bild: keystone
Interview

YB-Star Cédric Zesiger über Vatersein: «Ich finde, darüber wird zu wenig gesprochen»

Er ist der Super-League-Rekordtransfer dieses Sommers. Sein Auftrag: YB fit für den Titel zu machen. Was ihn an der Bundesliga gestört hat, wie er die Nicht-Nomination für die WM aufgenommen hat und was er bei der Geburt seines Sohnes gefühlt hat, erzählt Cédric Zesiger erstaunlich reflektiert.
12.09.2026, 07:0112.09.2026, 07:01
François Schmid-Bechtel / ch media

Bei aller Magie von Alvyn Sanches. Bei allen Toren von Christian Fassnacht. Bei aller Wucht von Samuel Essende. Sollten die Young Boys am Ende der Saison den Meistertitel gewinnen, werden viele zum Schluss kommen, dass ein anderer der entscheidende Faktor war auf dem Weg zurück zum Erfolg: Cédric Zesiger.

3,5 Millionen Euro sollen die Berner für den 28-Jährigen an Augsburg überwiesen haben. Was sie dafür bekommen, ist mehr als nur ein Verteidiger mit der Postur eines Türstehers. Sie kriegen einen Posterboy, eine Identifikationsfigur, einen Leader und einen Menschen, der weit über den Fussball hinausdenkt, offen über seine Gefühle spricht und sich intensiv mit mentaler Gesundheit auseinandersetzt.

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2023 wechselte Zesiger zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga.Bild: www.imago-images.de

Als Zesiger vor drei Jahren von YB zu Wolfsburg wechselt, geht für ihn ein Traum in Erfüllung. Bundesliga, grosse Bühne, Duelle mit den Besten der Welt. Denn da, wo Zesiger aufwächst, scheint die Glitzerwelt in unerreichbarer Ferne zu liegen. Treiten, Berner Seeland, 428 Einwohner. Wobei die Familie nicht im Dorf wohnt, sondern weit draussen, auf dem Bauernhof der Grosseltern.

Er wächst quasi auf dem Bauernhof auf

Insbesondere zum Grossvater, der unterdessen verstorben ist, hat Zesiger eine speziell enge Beziehung. Er hilft ihm im Stall, melkt, mistet, versorgt die Kälber. «Wenn ich heute darüber sinniere, womit ich Heimat assoziiere, dann ist es mit dem Bauernhof meiner Grosseltern», sagt Zesiger.

Natürlich ist sich Zesiger bewusst, dass es in Deutschland rauer zugehen wird als in der Schweiz. Er etabliert sich zwar sofort als Stammspieler. Aber je länger er in der VW-Stadt bleibt, desto weniger wird die Spielzeit, bis in ihm die Erkenntnis reift: «Wenn man in eine grössere Liga geht, in ein Umfeld mit anderen Ambitionen, grösserem Kader, mehr Konkurrenz, ist man plötzlich einer von vielen. Je höher das Niveau, desto weniger wird über den Menschen hinter dem Spieler gesprochen. Man muss einfach funktionieren. Aber wenn du nicht funktionierst, wirst du ausgetauscht, ohne grosse Erklärungen, womöglich ohne die Gründe zu kennen.»

Von YB war er sich anderes gewohnt. Da hat er Wärme gespürt. Da wurde er, wie er sagt, nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch wertgeschätzt. «Dieses Gefühl gibt Sicherheit. Und mit dieser Sicherheit entstehen bessere Leistungen.»

Nicht, dass der Eindruck entsteht, wir hätten es hier mit einem verblendeten Sozialromantiker zu tun. Zesiger erklärt vieles auch damit, dass Fussball in erster Linie Business sei. «Aber man kann noch so viel Qualität im Kader haben. Ohne Teamharmonie funktioniert es nicht.»

Wolfsburg ist Ende der letzten Saison in die 2. Bundesliga abgestiegen. Zesiger hat diese Zäsur bloss aus der Ferne mitgekriegt. Genauer aus Augsburg, wohin er nach eineinhalb Jahren bei Wolfsburg gewechselt ist, um wieder zu mehr Einsätzen zu kommen.

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In Augsburg war Zesiger in anderthalb Jahren grösstenteils gesetzt.Bild: www.imago-images.de

In Augsburg funktioniert es für Zesiger je länger desto besser. Insbesondere 2026. Da belegt Augsburg in der Rückrundentabelle sogar den 6. Platz, siegt auswärts sensationell gegen Bayern München und Zesiger spielt immer gut bis sehr gut. Doch die WM findet ohne ihn statt. «Ein harter Schlag», sagt er. «Aber nicht so sehr, dass ich deswegen an mir zu zweifeln begonnen hätte. Trotzdem brauchte ich zwei Wochen Abstand vom Fussball, um diese Enttäuschung zu verarbeiten.»

In Augsburg im Flow, in der Bundesliga im Rampenlicht und die Chancen auf Einsätze in der Nati sind als Legionär auch besser. Trotzdem nun die Rückkehr in die Schweiz. Wobei er noch im Winter über aufkommende Gerüchte sagte: «Im Moment ist eine Rückkehr kein Thema. Ich bin im besten Fussballeralter und mein Fokus gilt der Bundesliga und Augsburg.»

Herzschmerz, wenn er YB guckte

Das Fenster nach Bern steht indes regelmässig offen. Insbesondere, wenn YB spielt. Zusammen mit Fabian Rieder schaut er sich in Augsburg die Partien des Herzensvereins an. Doch was er dabei sieht, macht nicht nur Freude. Speziell in der letzten Saison. «Manchmal musste ich den Fernseher nach 70 Minuten ausschalten, weil es zu sehr geschmerzt hat, den Verein in dieser negativen Phase zu sehen.»

Warum gibt er den Traum Bundesliga auf und kehrt nach Bern zurück? «Im Sommer hat sich bei mir das Gefühl entwickelt, dass es der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr ist», sagt Zesiger. «YB signalisierte den unbedingten Willen, mich zu verpflichten. Und sie boten mir eine Rolle als Leader an, die man mir in Augsburg nicht gegeben hätte.» Was die Sache für Zesiger noch einfacher macht: Er kehrt nicht in die Schweiz zurück, weil er aus Mangel an Alternativen muss, sondern weil er will. Er unterschreibt in Bern für fünf Jahre und schliesst das Kapitel Ausland mit Genugtuung, «weil ich bewiesen habe, dass ich mich in der Bundesliga durchsetzen kann».

Im Zusammenhang mit der Rückkehr zu YB fällt auch mal «private Gründe», wobei nie näher darauf eingegangen wird. Was ist da dran? «Es ist nicht der Hauptfaktor. Aber das Leben hat sich stark verändert, seit ich vor eineinhalb Jahren Vater geworden bin. Als junge Familie ist es nicht einfach, wenn man weit weg von zu Hause ist, das Umfeld nicht um sich hat und der Kleine nicht mit den Grosseltern aufwachsen kann.»

Das komische Gefühl, als der Bub zur Welt kommt

Es ist spürbar, wie wichtig Zesiger die Beziehung zu seinem Sohn ist. Auch, wie viele Gedanken er sich darüber macht. Nicht, weil er heute sagt, er spiele auch für seine Familie. Sondern weil er offen über seine Empfindungen redet.

Beispielsweise, als Eliano Miles zur Welt gekommen ist. «Natürlich war die Freude riesig. Aber ich habe auch gemerkt, dass die Verbindung nicht von der ersten Sekunde an da war. Ich glaube, als Mutter beginnt diese Verbindung schon während der Schwangerschaft. Als Vater musste ich sie erst aufbauen. Mit jeder Woche bin ich mehr in diese Rolle hineingewachsen. Ich finde, darüber wird viel zu wenig gesprochen.»

Sind Sie über sich selbst erschrocken? Zesiger sagt: «Ich hatte andere Erwartungen an den Moment, an dem mein Sohn zur Welt kommt. Ich dachte, es würde noch emotionaler sein. Das wurde es später, als mein Prozess, in die Vaterrolle hineinzuwachsen, Fahrt aufgenommen hat. Die Monate nach der Geburt, in der ich die Bindung und die Liebe zu ihm aufbauen konnte, waren wunderbar. Und jetzt bekomme ich Feedback, wenn er lacht, Papi sagen kann und mir in die Arme läuft. Das ist das Schönste.»

Mentale Gesundheit als Leistungsfaktor

Zesiger braucht seinen Kopf nicht nur, um den Ball aus der Gefahrenzone zu spedieren. So setzt er sich intensiv mit dem Thema mentale Gesundheit auseinander. Für ihn kein Nebenthema, sondern ein Leistungsfaktor. Und dabei geht er so weit, auch sein Leben neben dem Fussballplatz zu hinterfragen. Stichwort: Strukturen des Alltags.

«Das Unterbewusstsein liebt Struktur», sagt Zesiger. «Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass genau das zur Falle werden kann. Wenn du alles immer gleich machst, verknüpfst du deine Leistung mit diesem Ablauf. Aber wenn dann etwas nicht passt, der Zeitplan sich verschiebt, du nicht am gewohnten Platz sitzt, geht im Kopf sofort etwas los: Ich hatte nicht meinen Ablauf, jetzt kann ich nicht performen.»

YB Spieler Cedric Zesiger posiert am Rande einer Medienkonferenz zum Saisonstart, am Donnerstag, 23. Juli 2026 im Stadion Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Der 28-Jährige macht sich auch über Details Gedanken.Bild: keystone

Zesiger kämpft aktiv gegen die Macht der Gewohnheit, um resistenter zu sein. Es sind kleine Dinge. Beispielsweise, den Platz am Esstisch immer wieder mal zu wechseln. Oder Variationen beim Shake einzubauen, den er morgens zu sich nimmt. Und das Resultat? «Ich bin heute selbstbewusster. Früher war es wichtiger für mich, wie der Trainer über mich dachte, welches Vertrauen er mir entgegenbrachte. Heute hingegen gehe ich in jedem Fall mit einer inneren Überzeugung auf den Platz.»

Er soll YB wieder zu alter Stärke führen

Aktuell ist das nicht möglich. Zesiger hat sich eine muskuläre Verletzung im Oberschenkel zugezogen und kann erst in ein paar Wochen sein Comeback geben. Aber auch ohne den neuen, alten Abwehrchef – «er hat sich sensationell entwickelt», so Trainer Seoane – steht YB in der Tabelle ziemlich gut da. Wobei 14 Tore nach sieben Spielen doch etwas viel sind. Dem stimmt auch Zesiger zu, jedoch betont er, dass sein Team trotzdem nicht viele Chancen zulässt. Zudem stimme ihn zuversichtlich, «welche Wucht wir in der Offensive wieder entwickeln können».

Ja, es erinnert bei YB wieder einiges an die glorreiche Zeit vor Zesigers Abgang nach Wolfsburg. Wobei es einen Punkt noch zu klären gibt: Kommt nicht Wehmut auf an die Bundesliga-Zeit, wenn er in Vaduz vor vielleicht 5000 Zuschauern aufläuft? «Unser Ziel ist es, mit YB wieder magische Europacup-Nächte zu erleben. Der Weg auf die grosse Bühne führt auch über kleinere Stadien wie in Vaduz. Deshalb müssen wir diese Spiele als Ansporn sehen. Denn ich bin auch nach Bern zurückgekommen, weil es mehr Spass macht, um Titel zu spielen statt im Mittelfeld der Tabelle festzuhängen.» (schweizheute.ch)

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