Iranische Fans buhen erneut eigene Hymne aus – US-Beamte greifen durch
Beim zweiten Spiel des Iran bei der Fussball-WM ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Ordnungspersonal gekommen. Ein Mann versuchte, nach dem 0:0 gegen Belgien in Inglewood auf den Rasen zu gelangen, wie der Weltverband FIFA mitteilte. Wie auf Bildern zu sehen ist, trug er ein Shirt mit einem Aufdruck der iranischen Fahne aus der Zeit vor der Islamischen Revolution, die von der FIFA verboten wurde.
Der Mann wurde von Ordnern abgeführt. Auch auf den Rängen griff das Sicherheitspersonal ein. Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Die FIFA war am Sonntagabend (Ortszeit) zu weiteren Details der Vorfälle angefragt. Was mit dem Mann passierte, ist bislang nicht bekannt.
Beim Abspielen der Nationalhymnen für beide Mannschaften buhten einige iranische Fans im Stadion ihr Team deutlich hörbar aus. Dies war auch schon beim ersten Spiel der iranischen Elf so gewesen. Wie der US-Sender «FoxNews» berichtet, soll die FIFA die Sicherheitschecks vor dem Stadion für die Partien mit iranischer Beteiligung verschärft haben, um jedwede regierungskritische Symbole – auf T-Shirts oder Flaggen – zu konfiszieren. Dagegen waren Unterstützer des Teheraner Mullah-Regimes von den scharfen Kontrollen ausgenommen: Sie gelangten ohne Durchsuchungen in die Arena.
A compilation of Iranian fans booing the regime’s anthem during Iran v Belgium world cup walkout ceremony
— Throwback Iran (@Tarikh_Eran) June 21, 2026
For the second consecutive world cup tournament, these boos are becoming a tradition among Iranians 🇮🇷 pic.twitter.com/AMIugpvv4J
Demonstranten fordern «Regimewechsel im Iran»
Irans Teilnahme bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada ist wegen des Kriegs mit den USA und Israel in den vergangenen Monaten ein Politikum. Für die iranische Nationalmannschaft gelten strengere Restriktionen, unter anderem bei der Ein- und Abreise. Das Teamquartier hatte der iranische Verband nach Mexiko verlegt. Schon beim ersten WM-Spiel des Iran in dem Stadion nahe Los Angeles hatten sich in der Arena Gegner und Unterstützer Teherans versammelt.
Ein iranischer Demonstrant hielt in der SoFi-Arena ein Schild mit der Aufschrift «Wo ist Rashid Mazaheri?» hoch. Er bezog sich damit auf den ehemaligen Torhüter der iranischen Nationalmannschaft, dessen Inhaftierung im Frühjahr zu einem öffentlichen Aufschrei geführt hatte. Nachdem er Anfang dieses Jahres die Führung des iranischen Regimes öffentlich scharf kritisiert hatte, wurde er in Haft genommen.
Bereits vor dem Spiel hatten sich mehrere Hundert Demonstranten vor dem Stadion in Inglewood versammelt, um gegen die Menschenrechtssituation im Iran zu protestieren. Die meisten von ihnen waren Mitglieder der iranischen Diaspora in den USA. «Wir sind hier, um der Welt zu zeigen, dass wir den Blik nicht von der Situation im Iran und von den Grausamkeiten des iranischen Regimes abwenden werden», sagte eine junge Demonstrantin in einem Beitrag der indischen Nachrichtenagentur ANI News.
BREAKING: Hundreds outside of SoFi stadium in LA, protesting the Islamic Republic during their World Cup match. pic.twitter.com/5OeRaxhI5W
— Eyal Yakoby (@EYakoby) June 22, 2026
«Es geht hier nicht nur um Fussball, es geht darum, den Menschen im Iran unsere Unterstützung zu zeigen. Dies ist nicht unser Team» ergänzte die Frau mit Blick auf die iranischen Nationalspieler, die an der WM teilnehmen. In einem Videobericht der Zeitung «Diario AS» waren Demonstranten zu sehen, die die von der FIFA verbotene Flagge mit dem alten Emblem schwenkten, dazu skandierten sie Parolen wie «Freiheit für Iran» und «Regimewechsel im Iran». (abu/t-online.de)

