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Nino Schurter erhaelt den Preis als „Sportler des Jahres 2018

Nino Schurter mit der Siegertrophäe. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Warum Nino Schurter der richtige und verdiente Sportler des Jahres ist

Das Nationalheiligtum Roger Federer ist nicht zum achten Mal zum Schweizer Sportler des Jahres ausgezeichnet worden. Und ein kompletter Satz Olympiamedaillen reichte Wendy Holdener nicht. Doch Nino Schurter und Daniela Ryf haben sich den Preis verdient.



Es dauerte zwar nicht Tausendundeine Nacht, bis es endlich «Zoom» gemacht hat. Aber es dauerte ... Neun Mal war Nino Schurter schon für die Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres nominiert gewesen – neun Mal musste er einem anderen Sieger applaudieren.

Gestern, im zehnten Anlauf, hat es doch endlich geklappt für den Mountainbiker. Die Auszeichnung ist das i-Tüpfchen eines fantastischen Jahres, in dem Schurter den Gesamtweltcup gewann und zum vierten Mal in Folge Weltmeister wurde, in Lenzerheide bei einem Volksfest mit rund 30'000 Zuschauern.

BILDPAKET -- ZUM JAHRESRUECKBLICK 2018 NATIONAL, STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Winner Nino Schurter of Switzerland reacts after the men's elite cross country olympic race at the UCI mountain bike world championships, on Saturday, September 8, 2018, in Lenzerheide, Switzerland. The World Championships takes place from September 5 till 9. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Triumphator vor Heimpublikum: Schurter feiert den WM-Titel. Bild: KEYSTONE

Dass diese Erfolge ausreichen würden, war angesichts der Erfolge der Konkurrenz alles andere als klar. So gewann Roger Federer mit den Australian Open ein Grand-Slam-Turnier und er kehrte im Frühling noch einmal als Nummer 1 der Welt auf den Tennis-Thron zurück. Langläufer Dario Cologna wurde in Südkorea zum vierten Mal Olympiasieger, mehr olympische Goldmedaillen hat kein Schweizer.

«Jetzt hat er es aber wirklich einmal verdient»

«Die schwierigsten Siege sind zugleich die schönsten», strahlte Nino Schurter und verdrückte in seiner Dankesrede Freudentränen. Federer und Cologna hatten in der Publikumswahl deutlich weniger Stimmen erhalten.

Die besten Bilder der Sports Awards 2018

Sie würden es nicht zugeben, aber es traf genau das Szenario ein, das sich die Macher der Sports Awards erwünscht hatten. Denn nichts ist langweiliger als ein Seriensieger, selbst wenn es sich bei diesem um Everybody's Darling Roger Federer handelt.

Federer, der in Valbella bei Lenzerheide ein Haus besitzt, gratulierte Schurter zu Gold.

Genügend oft wurde dem Publikum verklickert, dass Schurter doch endlich einmal an der Reihe sei. Die Fernsehzuschauer wussten, dass sich dem 32-Jährigen nicht neun weitere Chancen bieten werden, die Auszeichnung zu gewinnen. Dieses «Jetzt hat er es aber wirklich einmal verdient»-Denken zwischen Zernez und Genf, zwischen Schaffhausen und Chiasso, hat dem Bündner ohne Bündner Dialekt zweifelsohne eine Menge Stimmen gebracht.

Dass Tennis-Weltstar Federer, der sonst auch mal zur Oscar-Verleihung jettet, einmal mehr nicht zur Gala erschien, sondern aus Dubai zugeschaltet war, hatte ebenfalls einen Einfluss. Genauso wie die Tatsache, dass er die Auszeichnung schon sieben Mal gewonnen hat. Ein Tennis-Spieler mit Federers Erfolgen 2018, der noch nie Schweizer Sportler war, hätte Schurter wohl überflügelt.

Der Wahl-Modus

Ein vierköpfiger Ausschuss mit je einem Vertreter von Swiss Olympic, dem Schweizer Fernsehen, von Sponsor Credit Suisse und einem Sportjournalisten trifft eine Vorauswahl. Danach bestimmen Spitzensportler und Journalisten, wer es in die Top 6 schafft. Aus diesen wählt das TV-Publikum seinen Favoriten. Die Stimmen von Zuschauern, Sportlern und Journalisten zählen je zu einem Drittel.

Subjektive Eindrücke entscheiden

Eine Sportler-Wahl kann nie gerecht sein. Wie soll man Leistungen in einem Weltsport wie Tennis mit Erfolgen in Randsportarten wie Mountainbike oder Langlauf objektiv vergleichen? Wie Einzel- mit Mannschaftssportlern?

Es geht nicht. Also entscheiden subjektive Eindrücke die Wahl. Das gilt auch für die anderen Kategorien: Fussballmeister YB hätte die Auszeichnung als Team des Jahres genauso verdient wie die Eishockey-Nati und Skirennfahrerin Wendy Holdener, die mit einem kompletten Medaillensatz von den Olympischen Spielen nach Hause kam, so wie Ironman-Dominatorin Daniela Ryf.

BILDPAKET -- ZUM JAHRESRUECKBLICK 2018 SPORT, STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Berns Torhueter Marco Woelfli, rechts, und Materialwart Heinz

YB wurde nach 32 Jahren erstmals wieder Meister, aber nicht zum Team des Jahres gekürt. Bild: KEYSTONE

Ein Land, viele Kulturen

Krass ist, dass es NBA-Star Clint Capela nicht einmal auf die erweiterte Liste der Nominierten geschafft hatte. Der Genfer spielt bei den Houston Rockets so gut, dass er einen 5-Jahres-Vertrag über gesamthaft 90 Millionen Dollar erhielt. Kein Wunder, dass sich die Welschen benachteiligt fühlen in einer Sendung, die seit Jahr und Tag in der Deutschschweiz vom Deutschschweizer Fernsehen produziert wird.

Basketball ist hierzulande vor allem in der Romandie und im Tessin zuhause, während dort dafür Handball ein Schattendasein fristet. Andy Schmid, seit Jahren der beste Handballer der deutschen Bundesliga, war im Gegensatz zu Capela nominiert. Der Romand, der für seinen Traum von der grossen Karriere schon als Junior ins Ausland ging, wurde aber nicht einfach vergessen. Vielmehr ist es so, dass Mannschaftssportler für eine Nominierung einen Titel oder eine individuelle Auszeichnung gewinnen müssen.

Houston Rockets center Clint Capela, top, reacts after dunking during the second half of an NBA basketball game against the Chicago Bulls, Saturday, Nov. 3, 2018, in Chicago. (AP Photo/Nam Y. Huh)

Capela ist in Nordamerika eine grosse Nummer. Bild: AP

Anders als im Wettkampf auf der Piste oder im Stadion geht es bei der Sportler-Wahl nicht um Zentimeter oder Hundertstelsekunden, sondern ausdrücklich um die Unterhaltung des Publikums. Sie ist kein Wettkampf, sondern eine Show.

Wenn nun in den Fanlagern der jeweiligen Sportler darüber debattiert wird, ob die Wahl «gerecht» war, dann zeigt das vor allem eines: Wie viele überaus erfolgreiche Sportler diese kleine Schweiz besitzt. Jeder Ausgang der Wahl ist deshalb in Ordnung, denn wer nominiert wurde, hat Herausragendes geleistet. Nino Schurter ist deshalb ein absolut verdienter und richtiger Sieger.

Die zehn letzten Sieger

2018: Daniela Ryf und Nino Schurter.
2017: Wendy Holdener und Roger Federer.
2016: Lara Gut und Fabian Cancellara.
2015: Daniela Ryf und Stan Wawrinka.
2014: Dominique Gisin und Roger Federer.
2013: Giulia Steingruber und Dario Cologna.
2012: Nicola Spirig und Roger Federer.
2011: Sarah Meier und Didier Cuche.
2010: Ariella Kaeslin und Simon Ammann.
2009: Ariella Kaeslin und Didier Cuche.

Wer rast schneller den Hang hinunter?

Video: watson/nico franzoni

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