«Die geilsten sechs Wochen meines Lebens»: Haaland trotz WM-Aus stolz
Norwegen hat auf der Fussball-Karte bis zu dieser WM keine grossen Spuren hinterlassen. Bei den ersten drei WM-Teilnahmen – die zuvor letzte war 1998 – erreichten die Skandinavier maximal die Achtelfinals, ein Sieg in einer K.o.-Runde gelang nicht. Für Europameisterschaften qualifizierten sich die Norweger nur einmal und scheiterten im Jahr 2000 in der Vorrunde.
Dass sie nun die Viertelfinals erreichten und im Achtelfinal den Rekordweltmeister Brasilien ausschalteten, kommt allerdings nicht von ungefähr. Die Mannschaft verfügt mit Spielern wie Alexander Sörloth, Martin Ödegaard, Antonio Nusa, Andreas Schjelderup, Oscar Bobb und vor allem Erling Haaland über viel Qualität. Die vorangegangene WM-Qualifikation schloss das Team mit acht Siegen in acht Partien und einem Torverhältnis von 37:5 ab – Italien wurde mit 3:0 und 4:1 bezwungen.
An der WM hätte es gar beinahe zum Einzug in die Halbfinals gereicht, fehlte doch bei der 1:2-Niederlage nach Verlängerung im Viertelfinal gegen England wenig zum Weiterkommen. Deshalb blickte Haaland trotz der grossen Enttäuschung positiv auf das Turnier zurück. «Das sind die geilsten sechs Wochen gewesen, die ich vielleicht in meinem ganzen Leben gehabt habe. Das war völlig surreal», sagte der 25-jährige Stürmer von Manchester City nach dem Schlusspfiff. «Diese mehr als 40 Tage sind so schnell vergangen. Das ist eine Erinnerung fürs Leben.»
Eine ganze Nation im Rausch
Haaland blieb gegen England torlos, nachdem er in seinen ersten vier WM-Einsätzen dreimal einen Doppelpack und insgesamt sieben Tore erzielt hatte. Ebenso eindrücklich ist folgende Statistik: Er traf zuvor in 14 Pflichtspielen in Folge und war insgesamt 27 Mal erfolgreich.
Was ihm von der WM in erster Linie bleibt, sind die Emotionen, die sein Team bei den im Kollektiv mitfiebernden Landsleuten ausgelöst hat. Die Bilder, wie eine ganze Nation gemeinsam «ruderte», gingen um die Welt. «Wir haben Norwegen auf die Fussball-Karte gebracht, das bewegt mich am meisten», sagte er. «Ich denke an die Menschen zu Hause und was ihnen das bedeutet. Das hat Norwegen verändert, und ich glaube, das hat auch mich verändert.»
Haaland zeigte auch Grösse und lobte Englands Matchwinner Jude Bellingham, der beide Tore seiner Equipe erzielte. «Er ist einer der besten der Welt. England kann sich glücklich schätzen, denn jeder möchte einen wie ihn in der Mannschaft haben», sagte Haaland nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB über seinen früheren Teamkollegen bei Borussia Dortmund.
Einladung ins Königsschloss
Auf Haaland und seine Teamkollegen wartet nun ein besonderes Treffen: Wie der norwegische Fussballverband NFF bestätigte, hat der sportbegeisterte König Harald V. das Team ins Osloer Königsschloss eingeladen. Auch Ministerpräsident Jonas Gahr Störe zeigte sich stolz. «Danke für viele Wochen mit grossen Erlebnissen, Spielen auf Weltklasse-Niveau, brillanten Leistungen und schönen Toren», schrieb er auf Facebook. «Das wird noch Generationen in Erinnerung bleiben.» Jedenfalls haben die Norweger ein erstes grosses Ausrufezeichen auf der Fussball-Landkarte gesetzt. (car/sda/dpa)
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