Chum jetz!
Schon wieder diese Gedanken. Seit Tagen zappt mein Gehirn immer wieder zu diesem Knüller. Kann die Schweiz tatsächlich Einmaliges schaffen und in einen WM-Halbfinal einziehen? Gegen Argentinien, den Titelverteidiger? Gegen die Mannschaft mit dem genialsten Fussballer der Geschichte?
Für den Schweizer Fussball ist das alles Neuland. Ein Vorstoss in den WM-Halbfinal wäre ein gigantischer Erfolg – und muss zudem noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Man darf doch, nein: man muss doch träumen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Schweiz im WM-Final – um Himmels willen!
Aber einen Schritt nach dem anderen. Zuerst Argentinien. Zuerst Lionel Messi. Mit 39 Jahren immer noch unwiderstehlich. Nimmt man ihn aus dem Spiel, ist das die halbe Miete. Aber es ist einfacher, einen Fussball durch ein Türschloss zu zwängen, als Messi ganz aus dem Spiel zu nehmen. Man kann nur hoffen, dass die Schweiz in jenen Szenen, die er haben wird, das Glück auf ihrer Seite hat.
Was wäre das für eine Story, wenn Messis WM-Reise ausgerechnet gegen die Schweiz enden würde. Und nicht er der grosse Held wäre, sondern Breel Embolo. Oder Ruben Vargas. Nico Elvedi. Remo Freuler. Zeki Amdouni. Granit Xhaka. Ricardo Rodriguez.
Dieser Viertelfinal kann episch werden. Auch wegen der Anspielzeit von 3 Uhr morgens Schweizer Zeit. Hunderttausende Wecker werden früh klingeln und in den Public Viewings wird die laue Sommernacht zum Tag gemacht. Jeder Fan wird noch Jahre später erzählen können, wo, mit wem und wie er diese Partie erlebt hat – erst recht, wenn die Schweiz gewinnt.
Eigentlich habe ich schon lange aufgehört, vor einem Fussballspiel nervös zu sein. Aber jetzt kribbelte es schon Tage vor dem Anpfiff in Kansas City. Werden wir mit dem Schicksal hadern wie vor zwei Jahren, als die Schweiz im EM-Viertelfinal das Penaltyschiessen gegen England verlor? Sind wir nervlich am Ende wie 2005, als sich die Schweiz in der WM-Barrage gegen die Türkei durchsetzte, in diesem Drama, in dem wir tausend Tode starben?
Skirennfahrer machen uns seit Ewigkeiten stolz. Roger Federer führte den Schweizer Sport in neue Dimensionen. Jetzt ist die Zeit unserer Fussballer. Um es mit dem Tennis-König zu sagen: Chum jetz!
