Die Super League braucht keine Halbzeitshow
Mondpreise für Tickets. Trinkpausen für zusätzliche Fernseh-Werbung. Eine Halbzeitshow im Final. Die WM 2026 in Nordamerika markiert einen neuen Höhepunkt in der langen Geschichte der Kommerzialisierung des Fussballs.
Wenn heute Abend um 18 Uhr die neue Saison der Super League beginnt, wird vieles anders sein. Kein von FIFA-Präsident Gianni Infantino inszenierter Gigantismus. Selbst wenn die Bratwurst und das Bier im Stadion immer teurer werden und der VAR auch hier viel Gesprächsstoff liefert: Im Schweizer Fussball ist alles mehrere Nummern kleiner.
Vertrautheit, Nähe und Rivalitäten
Der fehlende Glamour ist nichts Schlechtes, denn die Super League ist besser als ihr Ruf. Nicht unbedingt fussballerisch: Zwischen Erling Haaland und den Stürmern in der Schweiz liegen Welten. Der Schweizer Klubfussball lebt weniger von der Qualität als von Vertrautheit, Nähe und Rivalitäten.
Und natürlich lebt die Liga von der Spannung: Prognosen über den Ausgang der Saison sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Wirklich niemand hatte vor einem Jahr damit gerechnet, dass mit dem FC Thun ein Aufsteiger Meister wird und dass YB und der FC Basel den Europacup verpassen.
Abrashi täubelet, Shaqiri zaubert
Einen Grund für diese Ausgeglichenheit findet man in der Rolle der Liga. International hat sie den Anschluss an die grossen Ligen verloren. Die besten Spieler wechseln meistens rasch weiter, die Mannschaften bekommen fast jedes Jahr ein neues Gesicht.
Trotz allem ist die Super League ein Renner. Seit der Corona-Pandemie besuchen im Schnitt rund 12'000 Zuschauer die Spiele. Die Fans kommen, um Derbys zu sehen. Um bei ersten Schritten von Eigengewächsen dabei zu sein. Um zu sehen, wie sich Görtler mit dem Schiedsrichter anlegt, wie Abrashi täubelet, Shaqiri zaubert, die Canepas rauchen und Zeidler rumpelstilzt.
Bei der Super League weiss man, was man hat – und trotzdem überrascht sie immer wieder aufs Neue. Auszuschliessen ist vor der neuen Saison nur, dass der Aufsteiger wieder Schweizer Meister wird: Mit dem FC Vaduz kommt dieser aus Liechtenstein. Nicht einmal ein Anruf des Fürsten beim FIFA-Präsidenten könnte etwas ausrichten. Auch das unterscheidet die Super League von der WM.
