Warum die langweiligsten Trikots oft die besten sind
Fussballtrikots sind auch ausserhalb der Stadien angesagt. Blokecore heisst der Modetrend, der junge Menschen weit weg von Norditalien dazu bringt, im Alltag ein schickes Leibchen des sportlich mittelmässigen FC Venedig zu tragen. Der amerikanische Rapper Travis Scott trug einst auf der Tennistribüne in New York eine Trainerjacke des FC Sion.
"I get those goosebumps every time" - @trvisXX when he watches the US Open, probably. pic.twitter.com/h1XZfoIR76
— US Open Tennis (@usopen) September 7, 2024
Klubs wie der italienische Serie-A-Aufsteiger lassen ihre Spieler Saison für Saison in einem neuen Trikotdesign auflaufen. Auch die deutschen Topklubs Bayern München und Borussia Dortmund interpretieren ihre Vereinsfarben regelmässig neu, spielen mit Formen und Elementen.
Dabei muss ein gutes Fussballtrikot nicht jedes Jahr komplett neu aussehen. Von welchem Klub ist dieses hier?
Natürlich von Celtic. Das grün-weiss horizontal gestreifte Trikot des Klubs aus Glasgow ist ein Klassiker, der über die Jahrzehnte für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt. Wie der rote Brustring auf den weissen Trikots des VfB Stuttgart, wie das V beim FC Lugano.
Natürlich darf sich ein Trikot verändern. Die rot-weissen Längsstreifen bei Athletic Bilbao mögen mal schmaler sein, mal breiter, aber sie sind immer da. Sie gehören zur DNA des baskischen Klubs. Schnitt, Kragen, kleine Details können sich ändern – aber nie so sehr, dass sich dadurch der Charakter des Trikots grundlegend wandelt.
Fussballtrikots sind mehr denn je auch Lifestyleprodukte. Dem tragen Klubs und Ausrüster Rechnung, indem sie zahlreiche Sondertrikots auf den Markt bringen. Gerade bei den Auswärts- und dritten Trikots toben sich die Vereine aus, mit neuen Farben und anderen Designs. So kombiniert der FC St.Gallen in dieser Saison beim Auswärtstrikot seine Vereinsfarbe Grün mit Schwarz – und mit Orange, um an die irischen Wurzeln des Stadtgründers Gallus zu erinnern.
Je austauschbarer Trikots durch diese Vielfalt werden, umso wertvoller werden die klassischen Designs. Die Hoops von Celtic, der Brustring des VfB, die Längsstreifen von Milan und Inter (trotz zwischenzeitlicher Abwege) sorgen dafür, dass man nicht einmal aufs Logo schauen muss, um den Klub sofort zu erkennen.
Darum sind vermeintlich langweilige Designs manchmal die besten. Wichtig ist nicht, in welcher Saison ein Trikot getragen wurde – sondern für wen.
