USA, USA und nochmal USA – was mir am Fussball im US-TV gewaltig auf den Zeiger geht
Damit du nach dem Aufstehen schon die wichtigsten Neuigkeiten von der Fussball-WM lesen kannst und kein Redaktor in der Schweizer Nacht durchackern muss, begleite ich das Turnier aus den USA. Meistens schaue ich die Spiele deshalb beim Sender Fox, der hier die Übertragungsrechte hält. Und wie dieser die WM begleitet ist ungewohnt – und teilweise ein echtes Ärgernis.
Erstmal aber zum Positiven: Die US-Amerikaner sind sich bewusst, dass sie in Sachen Fussball noch Nachholbedarf haben. Oder plakativ gesagt: Sie haben keine Ahnung – und wissen es auch. Deshalb haben sie sich vor allem Experten aus Europa und Mexiko geholt. Den brillanten Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic und Peter Schmeichel oder Clarence Seedorf, Thiago und Chicharito.
Auch schon haben der Schotte Darren Fletcher und der Engländer Owen Hargreaves ein rein britisches Kommentatoren-Duo gebildet. Zur Seite stand ihnen Schiedsrichter-Experte Mark Clattenburg, auch er kommt aus England. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Alexi Lalas, der mit seinen «Analysen» selbst seinen Nebensitzern Ibrahimovic und Henry auf die Nerven geht.
Dass der US-Sender auf Expertise aus dem Ausland setzt, ist deshalb löblich – doch leider hört es mit dem Positiven da schon auf.
Vor lauter Werbung ist für Wiederholungen keine Zeit
Die Übertragungen werden überladen mit Werbungen. Vor dem Spiel, in der Halbzeit und in den Trinkpausen. Wiederholungen sind Mangelware, während des Spiels werden Szenen, abgesehen von den Toren, kaum ein zweites Mal gezeigt. Und in den Trinkpausen haben sie dafür auch keine Zeit, weil sie eben lieber in die Werbung schalten. Selbiges gilt für die Trainer-Interviews in der Halbzeit, die es im SRF zu sehen gibt.
Fast noch verrückter ist die – leider nicht überraschende – Fixierung auf die USA. Und wenn gerade kein Topteam spielt, reduziert Fox das Programm aufs Mindeste. Bei den Spielen Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada gegen Katar, die am Donnerstag direkt nacheinander liefen, gab es nicht einmal ein Studio. In der Halbzeit des Nati-Spiels wurde zwar zu einem Expertenpanel geschaltet, doch das befand sich in Seattle, wo die USA am Folgetag gegen Australien gespielt hat. Dort ging es um das nächste Spiel der US-Boys. IN DER HALBZEIT EINES ANDEREN WM-SPIELS!
Manchmal gibt es nicht mal nach dem Spiel die Highlights
Vor- oder Nachbesprechung? Fehlanzeige. Auch Highlights blieben nach den Partien aus. Und vor dem Spiel gegen Mexiko ging es während 60 Minuten Vorlauf (inkl. Werbeunterbrechungen) zu mehr als der Hälfte um … die USA natürlich. Erst gut 20 Minuten vor Spielbeginn wurden der Zuschauer und die Zuschauerin doch noch auf die Partie des Co-Gastgebers eingestimmt.
Es gibt weitere Dinge, die als Europäer ungewohnt sind. Zum Beispiel, dass in der Grafik oben links nach einem Platzverweis nicht nur eine kleine Rote Karte gezeigt wird, sondern auch der Hinweis steht: «Down to 10 Players». Das stört mich aber nicht. Die weniger Fussball-affinen Fans sollen bei einem solchen Turnier ruhig mit dem Sport vertraut gemacht werden. Das erinnert mich etwas an die Anfangszeiten vom American Football auf Ran in Deutschland. So kann auch ein Hype entstehen.
Die vielen Werbungen, fehlenden Wiederholungen und der Mangel an Interesse an anderen Nationen, die nicht zu den Favoriten gehören, ist hingegen sehr stossend. Dagegen ist der spanischsprachige US-Sender Telemundo richtig erfrischend. Man merkt, dass in den USA vor allem die lateinamerikanische Bevölkerung den Fussball lebt. Hier gibt es die gewohnte Berichterstattung, Spielanalysen und hochemotionale Kommentatoren. Und anstatt Werbungen sieht man in den Trinkpausen die Spieler oder Wiederholungen. So macht Fussball Spass!
Aber weil ich mir die Wohnung hier drüben mit einem Mitbewohner teile, der zwar ebenso ein Fussballfan ist wie ich, aber kein Spanisch versteht, bleibe ich in der «USA, USA, USA»-Hölle von Fox gefangen.
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