Trump wäre es gerne – doch Jalen Brunson ist der neue König von New York
Die Liste der Menschen, die den Titel als König von New York beanspruchten, ist lang. Neben Filmfigur Frank White aus «King of New York» waren dies vor allem Rapper wie The Notorious B.I.G. oder Pop Smoke. Aber auch US-Präsident Donald Trump erklärte einmal, ganz New York gerettet zu haben, und schrieb dazu: «Lang lebe der König!»
Der im Stadtteil Queens aufgewachsene Politiker hätte diesen Titel wohl gerne, doch die New Yorker Bevölkerung machte während der NBA-Finalserie klar, was sie von Donald Trump hält. Als der Präsident Spiel 3 im Madison Square Garden in Manhattan besuchte, wurde er ausgebuht. Auch dem 79-Jährigen dürfte da klar geworden sein, dass es nur einen König von New York geben kann. Und zwar Jalen Brunson.
Brunson hat die New York Knicks soeben zum ersten NBA-Titel seit 53 Jahren geführt. Der 29-jährige Basketball-Star wurde zum wertvollsten Spieler (MVP) des Playoff-Finals gewählt. Gegen die San Antonio Spurs erzielte er in den fünf Spielen im Durchschnitt 32,6 Punkte, 4,6 Assists und 4,2 Rebounds. Beim entscheidenden 94:90-Sieg in Spiel 5 erzielte er mit 45 Punkten fast die Hälfte seines Teams. Eine phänomenale Leistung. «Ich weiss nicht, was ich fühle, ich bin überwältigt», sagte Brunson nach dem Titelgewinn im ESPN-Interview und musste sich dabei immer wieder sammeln. «Ich habe keine Worte. Es ist alles, von dem ich jemals geträumt habe. Deshalb bin ich nach New York gekommen.»
Als kein Star nach New York wollte, kam Brunson trotzdem
Natürlich brillierten auch seine Mitspieler. Karl-Anthony Towns lieferte am defensiven Ende die wohl beste Playoff-Serie seiner Karriere und bereitete Spurs-Superstar Victor Wembanyama so grosse Probleme. OG Anunoby wurde in den Playoffs zum ultimativen Scharfschützen, der die Hälfte seiner Dreierversuche verwandelte, und überragte auch als Verteidiger. Doch der Schlüssel zum Erfolg war Brunson – mit dem alles anfing.
2022 unterschrieb der damals 26-Jährige bei den New York Knicks. Ein Team, das in den Jahren zuvor eine Lachnummer war, in neun Jahren nur einmal die Playoffs erreicht hat und regelmässig auch neben dem Feld für Peinlichkeiten sorgte. Die Stars wollten nicht mehr kommen. Doch Brunson traute sich zu, den Knicks wieder zum Strahlen zu verhelfen.
Ein Grund für den Wechsel in den Big Apple war auch sein Vater Rick Brunson, der als Assistenztrainer für die Knicks arbeitet und 1999 bei der letzten Finalteilnahme des Teams dabei war. Sein Sohn hatte gerade starke Playoffs für Dallas gespielt und vom Team dennoch ein in seinen Augen lächerliches Angebot erhalten. Einmal mehr sah sich Jalen Brunson mit Zweifeln konfrontiert.
«Alle sagten immer: ‹Jalen Brunson ist gut, aber …›»
Diese begleiteten ihn in seiner Zeit am College, obwohl er mit Villanova in drei Jahren zweimal die nationale Meisterschaft gewann. Und auch danach: Erst an 33. Stelle wurde er 2018 von Dallas gedraftet. Die Zweifel blieben auch, nachdem er 2022 in den Playoffs in Abwesenheit von Superstar Luka Doncic mehrmals über 30 Punkte erzielt hatte. Selbst in den letzten Jahren hiess es trotz seiner überragenden Werte stets, dass ein Team mit Jalen Brunson als bestem Spieler keine Meisterschaft gewinnen könne.
«Seit der Highschool höre ich immer wieder: ‹Jalen Brunson ist gut, aber …›», sagte der NBA-Star einmal selbst über die Beschreibungen von aussen. Er sei «zu langsam», «zu wenig athletisch» oder «zu klein». Dabei würden seine Kritiker etwas ausser Acht lassen: sein Herz. Er kämpft, lässt sich nie unterkriegen und hat vor niemandem Angst. Dies zeigt sich auch in seinem hohen Selbstbewusstsein, dessen Ursache er in seinem grossen Arbeitsethos sieht.
«Wenn ich den Ball habe, denke ich an all die Stunden Training im Sommer, die das hier wahr werden liessen», sagte Brunson nun und fügte an: «Ich denke dann einfach daran, wie ich alleine in der Trainingshalle bin.» Aufgrund seiner hohen Spielintelligenz kann Brunson trotz seiner Körpergrösse von 1,88 m kaum aufgehalten werden. Mit seinem hohen Einsatz macht er gar seine Defizite in der Defensive teilweise wett.
Brunson verzichtete auf viel Kohle
Und er erwies sich auch als echter Teamplayer. Im Sommer 2024 unterschrieb er für 15 Millionen Dollar pro Jahr weniger, als er im Jahr darauf hätte kassieren können. Dies führte erst dazu, dass die Knicks sich per Trade weitere Stars wie Towns oder Mikal Bridges holen konnten. Gemeinsam mit Bridges und auch Josh Hart spielte Brunson bereits am College. Ihre Freundschaft ist schon fast legendär und sorgt auf dem Feld oder bei Pressekonferenzen regelmässig für Lacher.
Ein Fanliebling war Jalen Brunson in New York auch deshalb ohnehin schon – mit dem Triumph hat er sich nun aber in neue Sphären gehoben. Für die verrückten Knicks-Fans ist Brunson nun der grosse Heilsbringer. Auch in San Antonio skandierten die mitgereisten Fans seinen Namen. Er hat geschafft, was Legenden wie Patrick Ewing oder Carmelo Anthony vergeblich versucht haben. Und sich damit zum wahren König von New York gekrönt.
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