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Afrika-Cup 2017

Aussteigen mitten in der Nacht im Nirgendwo: Willkommen in einem der am einfachsten erreichbaren Nationalparks Gabuns. Bild: watson

Im einsamen Herzen Gabuns mitten im Nirgendwo, 00.51 Uhr: Ich hüpfe aus dem Zug

Die Transgabonais ist die einzige Zugstrecke Gabuns. Sie führt von Libreville im Nordwesten nach Franceville im Südosten auf 700 Kilometern einmal quer durch das Land. 

reto fehr, gabun



«Ich empfehle den Gästen immer: Ab Mitternacht nicht mehr schlafen. Weil man nie genau weiss, wann der Zug ankommt und die Haltestellen werden nicht angesagt», erklärt mir die Dame am Bahnschalter in Libreville. 

Afrika-Cup 2017

Der Bahnhof in Owendo (Libreville). bild: watson

Wenige Stunden später klingelt mein Wecker, um Mitternacht. Ich sitze im Zug, der durch die Dunkelheit wackelt und knarrt. Draussen sehe ich nichts. Fast eine Stunde später hält er an. Draussen: noch immer nur dunkle Nacht. Mein GPS auf dem Handy zeigt: Hier müsste Lopé sein.

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Knapp 700 Kilometer ist die Strecke lang. Der Punkt in der Mitte ist mein Ziel Lopé.

Ich öffne die Türe und schaue raus. Rechts schwarze Nacht, links zirka 200 Meter weiter vorne ein spärlich beleuchtetes Gebäude. Ein Schaffner kommt vorbei. «Lopé?», frage ich. Er nickt. Ich hüpfe aus dem Zug auf das Kies neben den Bahngleisen. 

Afrika-Cup 2017

Der Bahnhof von Lopé. bild: watson

Ziemlich genau sieben Stunden vorher stieg ich in das gelbblaue Ungetüm, das mehrere hundert Meter lang ist. Der Bahnhof Owendo in Libreville wirkte dabei erstaunlich aufgeräumt und sauber. Tickets in der 1. Klasse empfahl man mir. Die Klimaanlage kühle diese Waggons zwar extrem herunter, aber es sei angenehmer und auch nicht teuer. Bis der Zug abfährt geniesse ich in der Bar neben dem Bahnhof das «Public Viewing»:

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Public Viewing à la Gabun. Wer sieht den TV? Bild: watson

Pünktlich fährt der Zug ab. Und wer jetzt an indisch überfüllte Wagen, Chaos, sowie Hühner, Ziegen und Körbe voller Fische denkt: Das könnt ihr gleich wieder aus eurer Vorstellung streichen.

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Wunderbar komfortabel, nicht? bild: watson

Der Zug bietet komfortable Polstersitze, die Rückenlehne ist verstellbar, jeder Sitz reserviert und von Chaos ist rein gar nichts zu sehen. Die Klimaanlage kühlt zwar tatsächlich, aber entgegen einigen Berichten, empfinde ich es nicht als kalt. 

watson am Afrika-Cup

Reto Fehr besucht für watson seinen dritten Afrika-Cup. Bis am 5. Februar wird es in den nächsten drei Wochen in unregelmässigen Abständen Berichte aus Gabun geben. Dabei soll der Fussball nicht immer im Vordergrund stehen. Hier geht es zur gesamten Story-Sammlung aus Gabun.

Schade ist auf der gut 350 Kilometer langen Strecke einzig, dass die Nacht kurz nach Abfahrt über uns hereinbricht und man die Landschaft nicht sieht. Aber so funktioniert der Transgabonais nun mal: In der Nacht für Touristen, tagsüber transportieren kilometerlange Züge Holz oder Mangan (ein eisenähnliches Metall) aus dem Herzen Gabuns nach Libreville und auf den Weltmarkt.

Ich habe Glück: Dem Zug kann immer was passieren. Lokomotiven, die aussteigen oder sonst irgendwelche Dinge, welche die Fahrt stundenlang verzögern können, passieren nicht. Es läuft eigentlich alles wunderbar. Das einzige, was ich vermisse: eine Decke. Weil die ganze Zeit über Licht den Wagen beleuchtet, komme ich nur zu wenig Schlaf, im Gegensatz zu meinen Mitreisenden:

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Schlafen in der 1. Klasse ... bild: watson

Afrika-Cup 2017

... und auch in der 2. Klasse scheint weder Burka- noch Vermummungsverbot zu gelten.  bild: watson

Die meisten fahren bis Franceville, wo der Zug im Normalfall um etwa 8 Uhr morgens ankommt. Die Schiene gilt als weitaus verlässlicher, als der sehr mühsame Weg auf teilweise extrem schlechten Strassen. In Lopé steigt ausser mir scheinbar niemand aus. Ich bin fürs Erste etwas unsicher, laufe aber mal zum Bahnhof.

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Kurz vor der Abfahrt in Libreville: Der Transgabonais fährt jede Nacht von Libreville nach Franceville. bild: watson

Dort wartet tatsächlich Rémy auf mich. «Zum Hotel Lopé?», fragt er. Ich bejahe erleichtert. Wir hüpfen auf seinen Geländewagen und fahren durch die Nacht. Das 600-Seelennest Lopé lassen wir hinter uns, etwas ausserhalb liegt meine Unterkunft.

Am nächsten Morgen erst bemerke ich die grossartige Lage. Der Fluss Ogooué fliesst an den zirka 30 Hütten vorbei, ein Swimmingpool lockt und neben mir ist nur ein einziger Gast da. Das Programm ist ausgefüllt. Weil es danach zu heiss wird, wandern wir schon um 7.30 Uhr auf den Mont Brazza (ca. 500 Meter über Meer).

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Die Unterkunft mit dem Mont Brazza im Hintergrund. Ja, zählt als Berg. bild: watson

Am Abend geht es in der Savannen- und Urwaldlandschaft auf Safari. Elefanten, Büffel, Antilopen und Affen entdecken wir. Wer mehr Zeit hat und tiefer in den Nationalpark rein kann, hat gute Chancen auf Flachlandgorillas zu stossen. Mit sehr viel Glück sieht man Leoparde.

Afrika-Cup 2017

Auf Safari. Zu Fuss geht es näher an die Elefanten ran, die sich gut versteckt haben. bild: watson

Giraffen, Nashörner, Nilpferde, Geparde oder Löwen gibt es im Park nicht. Allerdings sei erst kürzlich ein Löwe vom Kongo her nach Gabun eingewandert. Im Park hofft man, den König der Tiere bald wieder zu haben. Vor Jahren wurde er ausgerottet. Wer wegen den Tieren kommt, der ist hier wohl falsch. Aber die Gegend und die Ruhe sind erstklassig.

Lopé ist einer von den 13 Nationalparks Gabuns, die rund zehn Prozent der Landesfläche abdecken. Man versucht sich hier ein Standbein aufzubauen, falls die Ölkrise andauert. Allerdings verirren sich bisher nur wenige Touristen hierher, obwohl Lopé als einfach und einigermassen preiswert zu erreichen gilt. Höhepunkt jeder Gabun-Reise wäre übrigens der Loango Park an der Atlantikküste.

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Lopé: Irgendwo im Herzen Gabuns. 600 Einwohner, einige Ziegen und sonst nicht viel. bild: watson

Elefanten, Gorillas, Schildkröten, Wale und Delfine tummeln sich dort. Und mit viel Glück kann man die legendären surfenden Nilpferde im Meer sehen. Sie strecken in den Wellen ihre Füsse von sich und lassen sich von der Brandung zurück ans Ufer spülen. Mein Guide, der zwei Jahre dort arbeitete, erzählt, dass er nie etwas Unglaublicheres sah. Allerdings braucht es auch hier sehr viel Glück.

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Die BBC versuchte 2011 die surfenden Nilpferde zu filmen. Ohne Erfolg. Video: YouTube/BBCKnowledge

Mein Aufenthalt im Landesinneren endet schon in der Nacht wieder. Um Mitternacht werde ich am Bahnhof abgesetzt. 1,5 Stunden später kommt der Zug endlich. Dieses Mal schlafe ich sofort ein. Denn Libreville ist am nächsten Morgen Endstation, ich kann mein Ziel also nicht verpennen.

Afrika-Cup 2017 in Gabun

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    Alle Leser-Kommentare
  • Son of Wat 25.01.2017 01:34
    Highlight Highlight Wie ist eigentlich das Essen?
    19 0 Melden
    • Reto Fehr 25.01.2017 20:45
      Highlight Highlight Tiptop. Viel Fleisch (Poulet), Fisch und Reis. Grossartige Orangen, Bananen, Mandarinen und Co an jeder Ecke. Und dank der französischen Vergangenheit fantastische Baguettes, Gipfeli und Co.
      6 0 Melden
  • zettie94 24.01.2017 23:27
    Highlight Highlight Im letzten Bild vom Zug hier im Artikel sieht man einen Wagen, der eindeutig europäischer Herkunft ist (RIC-Wagen). Weiss jemand, wo der herkommt?
    16 0 Melden
  • Lucernefan 24.01.2017 22:36
    Highlight Highlight Merci R.Fehr für die tolle Berichterstattung. Fussball ok, aber wenn man schon mal in Gabun ist dann kann man auch mal über Land und Leute schreiben. Bravo! Mich hat beim Lesen gleich das Reisefieber gepackt. Bin gespannt auf weitere Artikel.
    Lg us Lozärn
    55 0 Melden
  • Majoras Maske 24.01.2017 22:22
    Highlight Highlight Ich finde diese Artikelserie wirklich eine klasse Idee. :)
    53 0 Melden
  • Mia_san_mia 24.01.2017 21:42
    Highlight Highlight Die Artikel sind echt super! Weiter so!
    55 1 Melden
  • Eine_win_ig 24.01.2017 20:02
    Highlight Highlight Bravo und danke für diese super Artikel! Schön, auch mal was über den Tellerrand zu schauen und nicht nur dem Sport nachzurennen :)
    42 0 Melden
  • rundumeli 24.01.2017 19:40
    Highlight Highlight grosses kino, reto ... lass den sport sport sein ... go into the wild !
    53 0 Melden

«Wir verspüren keinen negativen Druck» – YB muss in Valencia punkten

Mut und Solidarität verlangt Gerardo Seoane von seinen Spielern für den Match in Valencia. Sie sollen die Zweikämpfe suchen, sich unterstützen und, wenn sich die Möglichkeit bietet, ohne Umschweife nach vorne spielen.

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