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Das Lawinenbulletin vom 26. Januar 2018, 8 Uhr. Wer abseits der Piste in den Bergen unterwegs ist, sollte dies <a href="https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation.html" target="_blank">hier</a> zuvor genau studieren.
Das Lawinenbulletin vom 26. Januar 2018, 8 Uhr. Wer abseits der Piste in den Bergen unterwegs ist, sollte dies hier zuvor genau studieren.bild: slf.ch

16 Dinge, die du über Lawinen wissen solltest

Spätestens am Sonntag wird es wieder schön. Wer den Winter dann in den Bergen geniessen will und sich abseits der Pisten auf Skitouren oder Schneeschuhwanderungen wagt, sollte einige Dinge wissen.
26.01.2018, 20:0827.01.2018, 11:44
Reto Fehr
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Hexen, Geister und Gottes Strafe

Erst im Spätmittelalter (ca. 1300 bis 1500) realisierten die Menschen, dass Lawinen durch natürliche Gegebenheiten ausgelöst werden können. Davor glaubte man, es sei das Werk von Hexen, Geistern oder eine Strafe Gottes. Heute werden Lawinen wissenschaftlich erforscht. 

Hexen waren früher die Schuldigen bei Lawinenniedergängen.
Hexen waren früher die Schuldigen bei Lawinenniedergängen.Bild: KEYSTONE

Lawinenbulletin, 3x3 und Nivocheck

Wenn du die Worte Lawinenbulletin und 3x3 und Nivocheck noch nie gehört hast, dann bewegst du dich – ohne Bergführer oder Wanderleiter – besser nur auf markierten und gesicherten Pisten.

Das Lawinenbulletin wird zweimal täglich (8 und 17 Uhr) vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos herausgegeben und bildet die Grundlage für jede Tour.

Der Nivocheck.
Der Nivocheck.bild: bergundsteigen.at

Der 3x3-Check ist das bewährteste Mittel, um die Situation zuhause, vor Ort und im Einzelhang zu beurteilen.

Zwar nicht in einem anerkannten Lehrmittel zu finden, aber doch empfehlenswert ist der dritte Punkt: der Nivocheck. Er sollte am Anfang einer Tour durchgeführt werden. Hier werden eine Reihe Fragen beantwortet und das Ergebnis zeigt, wie «sicher» das Gelände ist.

LVS, Schaufel und Sonde

Sobald du ein bisschen höher willst als auf den Üetliberg: Nimm ein LVS (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät), eine Schaufel (nicht aus Plastik) und eine Lawinensonde (mind. 2,40m lang) mit. Es kann dir oder jemand anderem das Leben retten. 

LVs, Schaufel und Sonde: Diese drei Dinge gehören in jeden Rucksack auf Ski- oder Schneeschuhtouren in den Bergen.
LVs, Schaufel und Sonde: Diese drei Dinge gehören in jeden Rucksack auf Ski- oder Schneeschuhtouren in den Bergen.Bild: KEYSTONE

Gefahrenstufen

Es gibt fünf Gefahrenstufen:

  • Gering
  • Mässig
  • Erheblich
  • Gross
  • Sehr gross
Merkmale und Empfehlungen für die verschiedenen Gefahrenstufen.
Merkmale und Empfehlungen für die verschiedenen Gefahrenstufen.bild: slf.ch/achtung lawinen

Ab «gross» bleibst du besser sowieso Zuhause. Bei «erheblich» solltest du erfahren im Gelände sein. Bei «mässig» und «gering» gilt es noch immer die üblichen Regeln zu beachten.

Wichtig: Die Gefahrenstufen sind «nur» Anhaltspunkte. Es gilt das Gelände immer noch zu beurteilen. Und die Gefahren können sich im Verlauf des Tages ändern.

Meiste Unfälle

Auffallend ist: 90 Prozent der Lawinenunfälle ereignen sich bei «mässig» oder «erheblich». Die Erklärung ist einfach: Bei «gross» und «sehr gross» sind wenige Schneesportler unterwegs, bei «gering» ist die Gefahr tatsächlich klein. Bei «mässig» und vor allem «erheblich» passieren am meisten Unfälle.

Der typische Unfall

Die SLF beschreibt in ihrer Dokumentation «Lawinenunfälle Schweizer Alpen» den «Muster-Unfall» so:

«Der typische tödliche Lawinenunfall lässt sich wie folgt charakterisieren: In einem sehr steilen Schattenhang oberhalb der Waldgrenze lösen drei Tourenfahrer in der Abfahrt eine trockene Schneebrettlawine aus. Die prognostizierte Gefahrenstufe war ‹erheblich›; der Bruch erfolgte im Altschnee. Zwei der Tourengeher werden erfasst, einer wird ganz verschüttet. Obwohl die ganz verschüttete Person rasch von Kameraden lokalisiert und befreit werden kann, konnte der in der Zwischenzeit mit dem Hubschrauber eingetroffene Notarzt nur noch den Tod feststellen.»

Hangneigung

Lawinengefahr herrscht im Normalfall ab einer Hangneigung von 30 Grad. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte Hänge von 30, 35 und 40 Grad einschätzen und (mit den Skistöcken) messen können. Je nach Gefahrenstufe gelten für verschiedene Hangneigungen unterschiedliche Vorsichtsmassnahmen.

Die meisten Unfälle ereignen sich bei einer Hangneigung von 36 bis 40 Grad.
Die meisten Unfälle ereignen sich bei einer Hangneigung von 36 bis 40 Grad.bild: LAwinenunfälle schweizer alpen, slf

Unfälle in welcher Exposition

In welche Richtung ein Hang sich neigt, ist für die Lawinengefahr mitentscheidend. Meist sind Nordhänge deutlich gefährlicher als Südhänge. 

Unfälle nach Höhenlage

Die Lawinengefahr fängt meist erst auf einer gewissen Höhe über dem Meeresspiegel an. Am meisten Unfälle ereignen sich dabei auf einer Höhe von 1800 bis 3000 Metern – da sind auch die allermeisten Schneesportler unterwegs.

Anzahl Lawinenopfer pro Jahr

In der Schweiz kamen seit 1936 jährlich im Schnitt 25 Menschen ums Leben. Auffallend ist, dass es sich in den letzten Jahren praktisch nur noch um Unfälle im freien Gelände (vor allem Schneesportler) handelte.

bild: slf.ch

Überlebenschance von Lawinenopfern

Die Überlebenschance von Verschütteten ist in den ersten 15 Minuten noch über 50 Prozent. Darum gilt: Schnell handeln. Ohne LVS, Schaufel und Sonde sind Suchaktionen praktisch sinnlos. Bis die Rega kommt, dauert es meist mehr als 15 Minuten.

57 Prozent der ganz verschütteten Personen überlebten im Schnitt der letzten Jahre einen Lawinenunfall. Meist wurden diese in einer Tiefe von bis zu 50cm innert 10 Minuten gefunden. Verschüttete, welche nicht überlebten waren durchschnittlich in einer Tiefe von einem Meter und wurden erst nach einer Stunde gefunden.

bild: slf.ch

Die besten Retter

Wie oben erwähnt: Bei einem Lawinenunfall zählt jede Sekunde. Darum werden 78 Prozent der von ihren Begleitern lokalisierten Opfer lebend aus den Schneemassen geborgen. Es gibt keine besseren Retter als deine Begleiter – vorausgesetzt sie sind ausgerüstet und wissen, was zu tun ist.

Musste auf die Rettungsmannschaft gewartet werden, fallen die Überlebenschancen auf 27 Prozent.

Je besser sich deine Kollegen in Sachen Lawinen auskennen, desto höher die Überlebenschance.&nbsp;
Je besser sich deine Kollegen in Sachen Lawinen auskennen, desto höher die Überlebenschance. Bild: KEYSTONE

Schlechte Skifahrer aufgepasst – Stürze erhöhen das Risiko einer Lawinenauslösung

Rund 90 Prozent der Lawinen werden durch Schneesportler ausgelöst. Wichtig ist dabei auch zu wissen, dass die Gefahr einer Lawine mit dem Druck auf den Schnee steigt. 

Ist ein Skitourengänger in der Aufwärtsbewegung, belastet er die Schneedecke weniger stark, als wenn er in der Abfahrt eine Kurve macht. Extrem wird's bei einem Sturz: Dann wirken rund achtmal so hohe Kräfte. In anderen Worten: Die Gefahr eine Lawine auszulösen, ist bei einem Sturz grösser.

Die Fernauslösung

Ab der Gefahrenstufe «gross» sind Fernauslösungen typisch. Das bedeutet: Eine Lawine kann auf grosse Entfernung – und selbst in flachem Gelände – ausgelöst werden. Dazu kommt, dass bei «gross» spontane Lawinen (die ohne äussere Einwirkung abgehen) wahrscheinlich sind. Du kannst also unten im Flachen an einem Hang entlanggehen und plötzlich löst sich oben eine Lawine – spontan oder von dir ausgelöst. 

Bei «erheblich» sind Fernauslösungen nicht typisch, aber können ebenfalls vorkommen.

Bild: KEYSTONE

Nützliche Links und Infos

  • Wer auf Schneeschuh- oder Skitouren geht, sollte sich die App «White Risk» aufs Smartphone laden.
  • «Whiterisk.ch» bietet zudem umfassende Informationen und Lernprogramme im Bereich Lawinen.
  • Das SLF informiert wie schon erwähnt zweimal täglich mit dem Lawinenbulletin und bietet auf seiner Seite auch sonst nützliche Tipps und Informationen.
  • Eine davon ist das Faltblatt «Achtung Lawinen», welches gratis zu beziehen ist.
  • Hangneigungskarte ab 30 Grad von Swisstopo.

Übrigens: Woher kommt das Wort «Lawine» eigentlich?

Das lateinische Verb «Labi» für «gleiten» ist der Ursprung unseres Wortes «Lawine». Den gleichen Wortstamm haben übrigens «Lapsus» und «labil». Irgendwie noch passend.

Im Berner Dialekt gibt es auch das Wort «Louänä» für Lawine. Daher kommt auch der Ortsname Lauenen – mit dem berühmten See – in der Nähe von Gstaad. Das ganze Tal war bekannt für Felsstürze und Lawinengefahr.

Eine Lawine im Januar 2018 in Saas-Fee.Video: YouTube/rro Oberwallis

Die Schneemassen fegen über alles hinweg

Video: srf/SDA SRF

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Simsalam Shrimbam
26.01.2018 20:32registriert Juli 2017
Auch wenn ihr dass immer glaubt aber der Üetliberg, ist kein Berg. Eher ein Hügeli 😉😂😂
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Don Alejandro
26.01.2018 21:22registriert August 2015
Leider gibt es immer wieder Leute die sich selbst über - und die Lawinensituation unterschätzen. Ich selbst weiss leider wie schnell es passieren kann. Genau jetzt wo alle nach dem schönen Wetter in den Bergen hungern ist die Gefahr am grössten. Guter Beitrag zur richtigen Zeit.
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undduso
26.01.2018 22:36registriert September 2016
Obwohl ich seit mehrereb Jahren regelmässig auf Skitouren gehe, 2 mehrtägige Lawinwnkurse besucht habe, mein Wissen jeden Winter auffrische und meinen Zivi zum Teil im SLF absolviert habe, sagt mir der Nivocheck nichts 🤔
Sieht für mich auch eher nach einem "deutschen" Modell aus. Die wollen bei Naturgefahren alles in Zahlen erfassen und daraus ein Risiko ableiten.
Aber wie soll ich am Start der Tour die Schneehöhe am Ende abschätzen? Auch Wummgeräusche treten praktisch nie am Start der Tour auf.
Das bewährteste Mittel ist das 3x3 mit Berücksichtigung der Faktoren Mensch, Wetter, Topografie.
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