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Sport
Unvergessen

Die Welt staunt – Katar und Russland dürfen die Fussball-WM austragen

epa04634776 (FILE) A file picture dated 02 December 2010 of FIFA President Joseph Blatter announcing that Qatar will be hosting the 2022 Soccer World Cup during the FIFA 2018 and 2022 World Cup Bid An ...
Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter zaubert Katar aus dem Couvert.Bild: EPA/KEYSTONE FILE
Unvergessen

Die Welt ist entsetzt! Katar und Russland kriegen den Zuschlag für die Fussball-WM

3. Dezember 2010: Die Empörung am Tag nach der WM-Vergabe an Russland und Katar ist gross. Aus allen Rohren schiessen die Medien gegen Sepp Blatter und seine FIFA. Besonders harsch ist die Kritik in England.
03.12.2022, 00:0529.11.2022, 15:31
Corsin Manser
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Am Freitagmorgen des 3. Dezember 2010 gibt es in England nur ein Thema: die FIFA und Sepp Blatter. Selten wehte einem Schweizer auf der britischen Insel so viel Hass entgegen wie an jenem Dezembertag. Keine Zeitung, kein Pubgespräch, in dem der FIFA-Boss und seine Organisation unbescholten davonkommen.

Rückblende: Zürich, Donnerstagabend, 2. Dezember 2010, kurz nach 17 Uhr: Die englische Delegation rund um Prinz William, David Cameron und David Beckham traut ihren Augen nicht. Vor ihnen umarmt Sepp Blatter die russischen WM-Botschafter, Andrei Arschawin und Igor Schuwalow, und drückt ihnen den WM-Pokal in die Hand.

«Ladies and Gentlemen: The 2018 World Cup will be organized in Russia.»Video: YouTube/PBS NewsHour

Die Russen haben soeben den Zuschlag für die WM 2018 erhalten. Und das obwohl man England, dem Mutterland des Fussballs, eigentlich die besseren Chancen eingeräumt hatte. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, nach Zürich zu reisen. Cameron und Konsorten kommen sich vor wie im falschen Film. Von 22 möglichen Stimmen haben die Briten nur deren zwei geholt. Ähnlich enttäuscht dürften auch die Portugiesen, Spanier, Belgier und Holländer sein – sie hätten die WM ebenfalls gerne ins eigene Land geholt.

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So stimmten die FIFA-Exekutivmitglieder.bild: wikipedia.org
vote wikipedia

Wenig später darf auch noch die katarische Belegschaft ins Rampenlicht treten. Die WM 2022 geht in die Wüste. Australien, Japan und Südkorea gehen leer aus.

«DISGRACE», «DISASTER.»
«Schande», «Desaster»: «The Daily Telegraph»
epa04011942 (FILE) A file picture dated 02 December 2010 shows FIFA President Joseph S. Blatter (R) and Sheikh Hamad bin Khalifa Al-Thani (L), Emir of Qatar, with the World Cup trophy after Qatar was  ...
Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani und Sepp Blatter freuen sich: Die WM 2022 geht nach Katar.Bild: EPA

England ist «not amused»

Dass dieser ungewöhnliche Entscheid Kritik hervorrufen würde, war absehbar. Doch die Heftigkeit, mit welcher die WM-Vergabe ins Kreuzfeuer genommen wird, überrascht wohl auch die kühl kalkulierenden Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees. Das Erdbeben mit Epizentrum in London, welches durch die Medien-Landschaft donnert, spürt man bis ins Oberwallis.

Die englischen Medien schiessen aus allen Lagen auf den FIFA-Entscheid.
Die englischen Medien schiessen aus allen Lagen auf den FIFA-Entscheid.bild: bbc.com
«FIXED.»
«Schiebung»: «The Sun»

Die Schlagzeile der Printausgabe der «Sun» lautet: «They stink, it's all over – FIFA bungs Russia the World Cup», «Sie stinken, alles ist vorbei – die FIFA stopft Russland die WM zu». Auf dem Online-Portal der «Sun» prangt in fünf grossen Lettern das Wort «FIXED».

«THEY LIED.»
«Sie haben gelogen»: «The Daily Mail»

Spannend auch der Kommentar der «Daily Mail»: «Sie lächelten, schüttelten sich die Hände und versprachen, für England zu stimmen ... sie haben gelogen.»

«HUMILIATED»
«Gedemütigt»: «The Daily Express»
«SOLD.»
«Verkauft»: «The Daily Mirror»

Für den «Daily Mirror» ist klar, wie das Ganze vonstattengegangen ist: Die ölreichen Nationen Russland und Katar haben sich die WM gekauft. Während der «Daily Express» von einer «Demütigung» spricht, ist die WM-Vergabe für den «Daily Telegraph» eine «Schande» und ein «Desaster». Beim «Daily Star» ist man sich einig: Die Sache war abgekartet.

England ist nicht alleine

Blick: «45 Grad und kein Bier. WM in Katar: So ein Scheich!»
Auch der «Blick» hat seine Bedenken: «45 Grad und kein Bier. WM in Katar: So ein Scheich!»Bild: «blick.ch»

Der Entscheid des FIFA-Exekutivkomitees wirft auch in der Schweiz hohe Wellen. Das Verdikt des «Blick» ist eindeutig: «Dass die FIFA sich einen Dreck um die Fans schert, braucht sie uns nicht mehr zu beweisen. Was zählte, war die Steuerfreiheit. Das Geld im Überfluss. Und Blatters Eitelkeit, auch den Ostblock und den Nahen Osten mit einer WM zu beglücken.»

«WHAT A FIX.»
«Was für eine Schiebung»: «The Daily Star»

«20 Minuten» macht sich derweil Sorgen um das fussballerische Niveau der WM 2022. Dort wird Katar als Gastgeber nämlich einen Fixplatz haben und ebenfalls teilnehmen. «So gut kickt Katar – aus einem Meter daneben», titelt die Pendlerzeitung.

Die Kritik an der WM-Vergabe ist auch elf Jahre nach dem Entscheid nicht abgeflaut. Menschenrechtsorganisationen, welche die Arbeitsbedingungen in Katar bemängeln, die anhaltenden Korruptions-Vorwürfe, ein geplantes Alkoholverbot und die Verlegung in den Winter sorgen bei einigen FIFA-Funktionären nach wie vor für Kopfzerbrechen, obwohl Sepp Blatter längst abgesetzt ist.

Unvergessen
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Medienschau nach der WM-Vergabe

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Die Schweiz qualifiziert sich für die WM 2022 – und so feiern die Nati-Stars diesen Erfolg

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ueli_DeSchwert
03.12.2019 07:04registriert September 2018
Und Blatter so "Die Fifa ist nicht korrupt".
Nein nein, Seppli. Sieht auch gar nicht so aus 🤪
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Hunter Stockton
03.12.2019 09:23registriert September 2015
Ich werd mir diesen Bullshit keine Sekunde geben. Eigentlich müssten die Verbände geschlossen hinstehen und sagen "wir machen nicht mit!" Dann können Qatar und die FIFA mal sehen, wie genial diese Idee war, wenn weder Teilnehmer noch Fans in die Wüste reisen. Aber es wird laufen wie immer: die Verbände nehmen teil, weil es Geld gibt für sie und die Fans werden kommen, weil sie ihre Mannschaft spielen sehen wollen. Besser wäre es, darauf zu verzichten und ein Zeichen setzen! Da muss man eben von seiner persönlichen Freiheit ein Stück abgeben.
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