USA stürzen in Demokratie-Report ab – so steht es um die Schweiz
Das an der Universität Göteborg in Schweden beheimatete internationale Institut «Varieties of Democracy» (kurz V-Dem) veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über den Zustand der Demokratie in den Ländern der Welt. Am Dienstag wurde die Ausgabe für das Jahr 2025 publiziert. Die Forschenden kommen darin zu einigen besorgniserregenden Erkenntnissen.
9 Erkenntnisse aus dem Report
- In fast jedem vierten Land der Welt wurden demokratische Elemente 2025 schwächer.
- 74 Prozent der Menschen auf der Welt leben in autokratischen Staaten. 2005 war es noch ziemlich genau die Hälfte aller Menschen.
- Die weltweite Verbreitung von Demokratie befindet sich auf dem tiefsten Stand seit 1978.
- Das Demokratie-Level für einen durchschnittlichen Bürger in Westeuropa und Nordamerika ist so tief wie seit 50 Jahren nicht mehr – vor allem wegen des Demokratieverlusts in den USA.
- Die USA werden das erste Mal seit 50 Jahren nicht mehr der Kategorie «Liberale Demokratie» zugeordnet. Die US-Demokratie ist so schwach wie zuletzt 1965. Im weltweiten Vergleich stürzte das Land von Rang 20 auf Rang 51 ab.
- Noch nie haben sich gleichzeitig so viele Länder autokratisiert wie in den vergangenen paar Jahren. Während 2005 noch bei 12 Ländern eine Tendenz zur Autokratisierung festgestellt wurde, sind es 2025 44 Länder.
- Auch in Europa leidet die Demokratie. In 7 EU-Mitgliedsstaaten ist eine Tendenz zur Autokratisierung feststellbar, ebenso in Grossbritannien.
- 41 Prozent der Weltbevölkerung leben in Staaten, die autokratischer werden.
- Nur 7 Prozent leben noch in liberalen Demokratien.
Was untersucht wird und wie Länder eingestuft werden
Die Autorinnen und Autoren klassifizieren die Länder der Welt in fünf unterschiedliche Grundkategorien, je nach ihrem Abschneiden bei demokratischen Kernelementen (siehe Box). Die fünf Kategorien sind:
- Liberale Demokratien (zum Beispiel die Schweiz, Deutschland, Norwegen, Dänemark, Japan, Südkorea, Australien oder Taiwan)
- Repräsentative Demokratien (zum Beispiel die USA, Brasilien, Grossbritannien, Kanada, Südafrika, Sri Lanka oder Nepal)
- Grauzone zwischen Demokratie und Autokratie (zum Beispiel Malaysia, Indonesien, Mexiko, Albanien oder Bosnien-Herzegowina)
- Repräsentative Autokratien (zum Beispiel Singapur, Russland, Türkei, Philippinen, Ukraine, Indien, Ungarn oder Serbien)
- Geschlossene Autokratien (zum Beispiel China, Afghanistan, Kuba, Nordkorea, Vietnam, Marokko, Katar oder Saudi-Arabien)
5 Trends zu mehr Demokratie
Bei aller Sorge um die Demokratie und individuelle Freiheit auf der Welt, gibt es trotz allem auch einige wenige «Lichtblicke», wie die Verfasserinnen und Verfasser festhalten.
- 18 Länder auf der Welt zeigen weiterhin eine Tendenz zu mehr Demokratie. Positive Beispiele sind Mauritius, das erstmals zur Kategorie der Repräsentativen Demokratien gehört oder Litauen, das den Sprung zur Liberalen Demokratie geschafft hat.
- Auch grössere Länder wie Brasilien, Polen, die Dominikanische Republik oder Sri Lanka haben im Jahr 2025 eine Tendenz zur demokratischen Stärkung gezeigt.
- In Botswana, Guatemala und Mauritius hält seit 2023 eine Phase der Demokratisierung an.
- Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist Südkorea: Das Land verhinderte einen Putschversuch des damaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol und klagte diesen an. Die südkoreanische Demokratie zeigte Resilienz und etablierte sich wieder als Liberale Demokratie.
- Nach wie vor gilt: Wenn eine Autokratie einen Demokratisierungsprozess einleitet, ist die Erfolgsquote mit 70 Prozent hoch.
Übrigens: Die Schweizer Demokratie kommt im Report gut weg. Der Demokratieindex für die Eidgenossenschaft ist der vierthöchste weltweit. Nur die nordischen Staaten Schweden, Norwegen und Dänemark erreichen einen höheren Wert. Letztgenannter führt die Rangliste an.
5 Anzeichen, dass sich die USA autokratisieren
- Die Demokratie in den USA erodiert vor allem durch eine starke Ausweitung exekutiver Macht. US-Präsident regiert Donald Trump zunehmend per Dekret, während andere Institutionen an Einfluss verlieren. Diese Machtverschiebung gilt als Kern der aktuellen Entwicklung.
- Der Kongress verliert seine Kontrollfunktion, und auch die Justiz wird geschwächt. Politischer Druck auf Gerichte sowie die Missachtung von Entscheidungen untergraben die Gewaltenteilung – ein zentrales Element liberaler Demokratien.
- Der Bericht zeigt deutliche Rückschritte bei Gleichheit vor dem Gesetz und individuellen Rechten. Antidiskriminierungsmassnahmen werden zurückgebaut, staatliche Eingriffe nehmen zu, und bestimmte Gruppen geraten stärker unter Druck.
- Die Freiheit der Presse und öffentlichen Debatte verschlechtert sich stark. Medien werden politisch und juristisch attackiert, Proteste eingeschränkt und Universitäten sowie NGOs unter Druck gesetzt. Das schwächt öffentliche Kontrolle und pluralistische Diskussion.
- Wahlen bleiben formal funktionsfähig, da 2025 kein Wahljahr ist. Dennoch gibt es zunehmende Hinweise auf politische Einflussnahme und Risiken für zukünftige Wahlprozesse, was langfristig die demokratische Grundlage bedroht.
(con/pre)
