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USA stürzen in Report ab – Demokratie weltweit unter Druck

epa12463511 Protesters rally outside City Hall in Los Angeles, California, USA, 18 October 2025. The rally is part of a nationwide 'No Kings' day of action, opposing what organizers see as a ...
Menschen in den USA demonstrieren gegen das autoritäre Gebaren ihres Präsidenten.Bild: keystone

USA stürzen in Demokratie-Report ab – so steht es um die Schweiz

Die Demokratie ist als Staatsform weltweit unter Druck, Autokraten sind auf dem Vormarsch. Ein jährlich erscheinender Report zeigt nun das Ausmass der Krise – nebst dem Absturz der USA gibt es aber auch einige wenige Lichtblicke.
18.03.2026, 10:4618.03.2026, 11:00

Das an der Universität Göteborg in Schweden beheimatete internationale Institut «Varieties of Democracy» (kurz V-Dem) veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über den Zustand der Demokratie in den Ländern der Welt. Am Dienstag wurde die Ausgabe für das Jahr 2025 publiziert. Die Forschenden kommen darin zu einigen besorgniserregenden Erkenntnissen.

9 Erkenntnisse aus dem Report

  • In fast jedem vierten Land der Welt wurden demokratische Elemente 2025 schwächer.
  • 74 Prozent der Menschen auf der Welt leben in autokratischen Staaten. 2005 war es noch ziemlich genau die Hälfte aller Menschen.
  • Die weltweite Verbreitung von Demokratie befindet sich auf dem tiefsten Stand seit 1978.
  • Das Demokratie-Level für einen durchschnittlichen Bürger in Westeuropa und Nordamerika ist so tief wie seit 50 Jahren nicht mehr – vor allem wegen des Demokratieverlusts in den USA.
  • Die USA werden das erste Mal seit 50 Jahren nicht mehr der Kategorie «Liberale Demokratie» zugeordnet. Die US-Demokratie ist so schwach wie zuletzt 1965. Im weltweiten Vergleich stürzte das Land von Rang 20 auf Rang 51 ab.
  • Noch nie haben sich gleichzeitig so viele Länder autokratisiert wie in den vergangenen paar Jahren. Während 2005 noch bei 12 Ländern eine Tendenz zur Autokratisierung festgestellt wurde, sind es 2025 44 Länder.
  • Auch in Europa leidet die Demokratie. In 7 EU-Mitgliedsstaaten ist eine Tendenz zur Autokratisierung feststellbar, ebenso in Grossbritannien.
  • 41 Prozent der Weltbevölkerung leben in Staaten, die autokratischer werden.
  • Nur 7 Prozent leben noch in liberalen Demokratien.

Was untersucht wird und wie Länder eingestuft werden

Die Autorinnen und Autoren klassifizieren die Länder der Welt in fünf unterschiedliche Grundkategorien, je nach ihrem Abschneiden bei demokratischen Kernelementen (siehe Box). Die fünf Kategorien sind:

  • Liberale Demokratien (zum Beispiel die Schweiz, Deutschland, Norwegen, Dänemark, Japan, Südkorea, Australien oder Taiwan)
  • Repräsentative Demokratien (zum Beispiel die USA, Brasilien, Grossbritannien, Kanada, Südafrika, Sri Lanka oder Nepal)
  • Grauzone zwischen Demokratie und Autokratie (zum Beispiel Malaysia, Indonesien, Mexiko, Albanien oder Bosnien-Herzegowina)
  • Repräsentative Autokratien (zum Beispiel Singapur, Russland, Türkei, Philippinen, Ukraine, Indien, Ungarn oder Serbien)
  • Geschlossene Autokratien (zum Beispiel China, Afghanistan, Kuba, Nordkorea, Vietnam, Marokko, Katar oder Saudi-Arabien)
Das wird im V-Dem-Report untersucht
Die Verfassenden untersuchen jeweils eine Vielzahl von Elementen, die für eine demokratische Staatsform unerlässlich sind. Dazu gehören beispielsweise die Durchführung von fairen, freien Wahlen, dass sich politische Parteien und Kandidaten frei formieren und kandidieren können, dass sich gewählte Politikerinnen und Politiker an die geltenden Gesetze und die Verfassung halten oder auch dass liberale Elemente wie Rede- und Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit gewährleistet sind. Darüber hinaus wird bewertet, wie gut machtlimitierende und ausgleichende Faktoren im politischen System funktionieren («Checks and Balances»), ob und wie gut die Gewaltentrennung von Exekutive, Legislative und Judikative funktioniert und ob individuelle Freiheitsrechte gewährleistet werden.

5 Trends zu mehr Demokratie

Bei aller Sorge um die Demokratie und individuelle Freiheit auf der Welt, gibt es trotz allem auch einige wenige «Lichtblicke», wie die Verfasserinnen und Verfasser festhalten.

  • 18 Länder auf der Welt zeigen weiterhin eine Tendenz zu mehr Demokratie. Positive Beispiele sind Mauritius, das erstmals zur Kategorie der Repräsentativen Demokratien gehört oder Litauen, das den Sprung zur Liberalen Demokratie geschafft hat.
  • Auch grössere Länder wie Brasilien, Polen, die Dominikanische Republik oder Sri Lanka haben im Jahr 2025 eine Tendenz zur demokratischen Stärkung gezeigt.
  • In Botswana, Guatemala und Mauritius hält seit 2023 eine Phase der Demokratisierung an.
  • Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist Südkorea: Das Land verhinderte einen Putschversuch des damaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol und klagte diesen an. Die südkoreanische Demokratie zeigte Resilienz und etablierte sich wieder als Liberale Demokratie.
  • Nach wie vor gilt: Wenn eine Autokratie einen Demokratisierungsprozess einleitet, ist die Erfolgsquote mit 70 Prozent hoch.

Übrigens: Die Schweizer Demokratie kommt im Report gut weg. Der Demokratieindex für die Eidgenossenschaft ist der vierthöchste weltweit. Nur die nordischen Staaten Schweden, Norwegen und Dänemark erreichen einen höheren Wert. Letztgenannter führt die Rangliste an.

5 Anzeichen, dass sich die USA autokratisieren

  • Die Demokratie in den USA erodiert vor allem durch eine starke Ausweitung exekutiver Macht. US-Präsident regiert Donald Trump zunehmend per Dekret, während andere Institutionen an Einfluss verlieren. Diese Machtverschiebung gilt als Kern der aktuellen Entwicklung.
  • Der Kongress verliert seine Kontrollfunktion, und auch die Justiz wird geschwächt. Politischer Druck auf Gerichte sowie die Missachtung von Entscheidungen untergraben die Gewaltenteilung – ein zentrales Element liberaler Demokratien.
  • Der Bericht zeigt deutliche Rückschritte bei Gleichheit vor dem Gesetz und individuellen Rechten. Antidiskriminierungsmassnahmen werden zurückgebaut, staatliche Eingriffe nehmen zu, und bestimmte Gruppen geraten stärker unter Druck.
  • Die Freiheit der Presse und öffentlichen Debatte verschlechtert sich stark. Medien werden politisch und juristisch attackiert, Proteste eingeschränkt und Universitäten sowie NGOs unter Druck gesetzt. Das schwächt öffentliche Kontrolle und pluralistische Diskussion.
  • Wahlen bleiben formal funktionsfähig, da 2025 kein Wahljahr ist. Dennoch gibt es zunehmende Hinweise auf politische Einflussnahme und Risiken für zukünftige Wahlprozesse, was langfristig die demokratische Grundlage bedroht.

(con/pre)

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Die beliebtesten Kommentare
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nature
18.03.2026 07:41registriert November 2021
Das Zurückdrängen der Demokratie ist nicht das Grundproblem. Die Entwicklung hin zu Nationalismus, zunehmendem Raubtierkapitalismus, Antiwissenschaftlichkeit und Fake News, zunehmender Egoismus, fehlendes Engagement im Bereich Umwelt/Klimaschutz und Verfolgung oder Hetze gegen Minderheiten sind besorgniserregender.
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Chris_A
18.03.2026 07:54registriert Mai 2021
Das kommt davon wenn Wähler Rechtspopulisten wählen. Die kommen demokratisch an die Macht um dann die Demokratie abzubauen. Keine Stimme für SVP und Konsorten.
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MainAccount
18.03.2026 07:42registriert Oktober 2020
Ich bin überrascht, dass die Ukraine als Autokratie klassifiziert wird. Die Verfassung sieht vor, das in Kriegszeiten keine Präsidentenwahlen abgehalten werden.
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