Warum Odermatt Skirennen in Dubai ins Spiel bringt
Der Graben ist deutlich sichtbar. Während die Verbandsbosse von Swiss Ski die Idee einer jährlich stattfindenden Weltmeisterschaft für interessant und prüfenswert halten, lehnen die Athletinnen und Athleten einen Wechsel des traditionellen Zweijahres-Rhythmus entschieden ab. Hauptargument ist unisono der Wertverlust eines WM‑Titels. Am deutlichsten fällt die Antwort des dreifachen Olympiasiegers Franjo von Allmen aus. Ohne zu zögern sagt der Berner Oberländer:
Nur einer tanzt beim Thema aus der Reihe. Nicht, dass Superstar Marco Odermatt für eine zusätzliche Weltmeisterschaft wäre. Aber der Nidwaldner möchte den freien Termin im Februar alle vier Jahre für einen neuartigen Event nutzen.
Odermatt hat Thema diskutiert
«Wieso nicht dem Beispiel der Leichtathletik folgen und ein komplett neues Format wie die ‹Ultimative Championships› ins Leben rufen?», fragt der in acht Tagen 29 Jahre alt werdende Innerschweizer. «Von mir aus darf dieser Anlass auch mal in einer Skihalle in Dubai stattfinden. Im Vordergrund soll stehen, dass der Skisport und wir Athleten damit neue Geldquellen erschliessen und gutes Geld verdienen können.»
Er habe sich rund um die WM-Diskussionen im Sommer seine Gedanken zum Thema gemacht und diese auch «mit der einen oder anderen Person diskutiert». Auch mit dem neuen FIS-Präsidenten Alexander Ospelt hat ein Austausch stattgefunden. Ein Skirennen in der Wüste wird Skirennfahrer Odermatt selbst aber kaum mehr erleben, schliesslich kann er sich nicht vorstellen, weitere zehn Jahre als Athlet im Skizirkus aufzutreten. Und auch die Expertenposition bei TV-Übertragungen will er Beat Feuz nicht streitig machen.
Als Skifahrer muss er sich nicht neu erfinden
Was seine Mitte August erlittene Verletzung – eine Muskelfaserzerrung im Oberschenkel – anbelangt, zeigt sich der fünffache Gesamtweltcupsieger gelassen. Er räumt zwar ein, dass die rund einwöchige Verspätung im Schneetraining «zu einem dummen Zeitpunkt geschah» und einen Einfluss auf seinen Formstand beim Saison-Prolog am 25. Oktober in Sölden haben könnte, relativiert aber die grundsätzlichen Auswirkungen. Am Donnerstag absolviert Odermatt erstmals seit dem Malheur wieder eine Trainingseinheit im Kraftraum.
In Bezug auf die fehlenden Skitage sagt der Nidwaldner: «Ich muss ja die Welt nicht neu erfinden.» Es gehe in der Vorbereitung jeweils darum, «vor den ersten Rennen wieder Vertrauen in den Körper, die Bewegungen im Renntempo und das Material zu fassen».
Es ist eine Mischung aus Routine und Gelassenheit, die Marco Odermatt beim Pressetermin vor seinem elften Anlauf in Richtung Sölden an den Tag legt. Der Rekord von Marcel Hirscher mit acht Titeln in Folge sei nach seinem fünften Sieg im Gesamtweltcup «zwar rechnerisch näher gerückt, aber weiterhin nicht in meinem Kopf».
«Gesund bleiben und Freude haben»
Der Verlust der Riesenslalom-Kugel an den norwegischen Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen Ende letzter Saison animiert ihn ebenfalls nicht zu einer ultimativen Kampfansage in Richtung Konkurrenz: «Schade, ist es nicht aufgegangen. Aber es ist auch logisch, dass nicht immer jede Kugel an mich gehen kann.»
Was denn sein grösstes Ziel für den voll befrachteten Winter mit neuerlicher Heldenverehrung in Adelboden und Wengen, wiederholtem Anlauf zum Abfahrts-Triumph in Kitzbühel sowie einer – ordentlichen – Heim-WM in Crans-Montana sei, wird der Schweizer Sportler des Jahres gefragt. «Gesund bleiben, Freude haben und so viele Rennen wie möglich gewinnen», lautet Marco Odermatts Antwort. Wobei seine drei Ziele wohl in direkter Abhängigkeit voneinander stehen.

