Unvergessen
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ZUR FIFA FUSSBALL WELTMEISTERSCHAFT 2014 IN BRASILIEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZU DEN WELTMEISERSCHAFTEN 1954 IN DER SCHWEIZ UND 1958 IN SCHWEDEN ZUR VERFUEGUNG – Der franzoesische Stuermer Just Fontaine (l) hat den zu Fall gekommenen deutschen Akteur Alfred Kelbassa umspielt und steuert auf das deutsche Tor zu. Just Fontaine erzielt am 28.6.1958 in Goeteborg beim 6:3-Erfolg Frankreichs gegen die deutsche Elf im Fussball-Weltmeisterschaftsturnierspiel um Platz drei allein drei Tore. Damit avanciert der franzoesische Torjaeger von Stade Reims mit 13 Toren zum Torschuetzenkoenig. Die 13 Tore erreicht er in sechs Spielen. (KEYSTONE/epa)

Bild: EPA

Der Durchschnittsstürmer

Unvergessen

19.06.1958: Just Fontaine schiesst im Viertelfinal zwei seiner total 13 Tore an einer WM – ein Rekord für die Ewigkeit

19. Juni 1958: So geradlinig, so wichtig, so entschlossen ist weder vorher noch nachher nie mehr ein Stürmer an einer WM zur Sache gegangen wie der Franzose Just Fontaine. Schon die Statistik zwingt jedem, der sich für Fussball interessiert, Respekt ab. 



Bei der Fussball-WM 1958 in Schweden lässt Just Fontaine, damals 24 Jahre alt, kein Spiel vorübergehen, ohne seinen Beitrag geleistet zu haben. Mindestens ein Tor steuert er in jeder Partie bei. Das hat vor ihm keiner geschafft. Und das wird nie mehr einem gelingen.

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13 Tore an einer WM: Kein Wunder tragen ihn seine Mitspieler auf Händen. Bild: Getty Images

Fontaine trifft in jedem Vorrundenspiel. Man muss es einmal aufzählen, um sich den Dimensionen bewusst zu werden. Dabei ist er erst durch den Ausfall eines Kollegen überhaupt ins Team nachgerutscht. 

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Die 13 WM-Tore von Just Fontaine. Video: Youtube/sp1873

13 Tore in sechs Spielen, ein Rekord für die Ewigkeit: Die WM 1958 macht aus dem Namen Just Fontaine ein Markenzeichen. Gewiss, er hat auch vorher und nachher Aussergewöhnliches geleistet. Er war zwei Mal Torschützenkönig der ersten französischen Division. In der Saison 1957/58 gleich mit 34 Treffern. Aber erst die Tage in Schweden machen aus ihm einen Weltstar. 

Dieser Ruhm ist ihm geblieben. Aber seine Karriere ist viel zu kurz. Ja, er tanzte eigentlich nur in diesem Sommer von 1958. Das Unglück nimmt seinen Lauf bei einem Meisterschaftspiel seines Klubs Stade Reims in Sochaux.

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Fontaine wird immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Bild: Getty Images

Endlose Verletzungsmisere

Am 20. März 1969 bleibt er nach einem Zusammenstoss auf dem Rasen liegen. Die Diagnose: Doppelter Bruch des linken Schienbeins. 45 Tage Aufenthalt im Krankenhaus von Montbéliard. Auf dem Rennvelo bringt er sich wieder in Form.

Am 1. Januar 1961 der zweite Unfall. In Limoges. Wieder bricht er das Bein. Das linke Schienbein. An derselben Stelle. Vier Monate im Gips. Er kehrt zurück. Er übersteht eine Knieoperation und einen Eingriff an der Achillessehne. Doch er spielt nur noch unter halbem Wert. Jeder Antritt, jeder Schritt schmerzt.

Sein letztes Spiel bestreitet er am 6. Juli 1962 in Guadeloupe. Er hat nur 21 Länderspiele bestritten und dabei sagenhafte 30 Tore erzielt. Seine Karriere ist zu Ende. Er ist erst 28 Jahre alt. Dass er nur im Sommer 1958 auf Weltniveau tanzte, hat wohl auch damit zu tun, dass er mit einer Grösse von lediglich 1,74 Meter für seine generöse Spielweise wohl zu zerbrechlich ist.

Der hechtende brasilianische Torhueter Gylmar (l) kommt nicht an den Ball, der franzoesische Stuermer Just Fontaine (M) erzielt den 1:1-Ausgleich im Halbfinale der Fussball-WM zwischen Brasilien und Frankreich am 24.6.1958 vor 27.100 Zuschauern im Goeteborger Rasunda-Stadion. Am Ende gewinnt Brasilien mit 5:2 und zieht in das Endspiel ein. (KEYSTONE/EPA/Str)

Fontaine umkurvt den gegnerischen Torhüter und schiebt ein. Bild: EPA

«Monsieur Dynamite» ist in Marokko geboren. Er spielt bis 1953 für Marrakesch und Casablanca, bis 1956 für Nizza und dann bis zum Schluss seiner Karriere für Reims. Fontaine kann ohne Sorgen vom Fussball lassen. Beizeiten hat er sich abgesichert. In Toulouse hat er ein Sportgeschäft («Justo-Sports») aufgebaut. Er vertritt die Marke Adidas in dreizehn Départements. 

Der Torjäger hätte nach der WM 1958 jenen Schritt wagen können, der ihn zum Fussballmillionär gemacht hätte. Er hat Angebote aus Barcelona und Valencia. Aber er bleibt in Reims und nach dem Rücktritt zieht er nach Toulouse, die Stadt seiner Frau. Er wird Trainer und ein halbes Jahr sogar für zwei Partien Nationaltrainer.

Der Prototyp des Durchschnittspielers

Diese Karriere endet am 3. Juni 1967 in Paris mit dem Spiel gegen die UdSSR. Frankreich verliert 3:4. Später wird er noch eine Saison lang Marokko trainieren (1980/81). Ende 1961 wird der streitbare Goalgetter zum ersten Präsidenten der französischen Spielergewerkschaft UNFP gewählt und behält diese Funktion bis 1964 inne. Er ist auch der erste französische Fussballspieler, der eine Schallplatte aufnimmt («Vas-y Fontaine») und gar eine LP besingt: «Just Fontaine chante Gil Bernard».

Bleibt die Frage: Wer war der Fussballspieler Just Fontaine, der diesen sagenhaften WM-Torrekord aufgestellt hat? Albert Batteux, der Trainer, der ihn am stärksten geprägt hat, sagt es so: «Fontaine ist der Prototyp des Durchschnittsspielers. Er ist durchschnittlich in allem.» Andere seien schlauer, bessere Dribbler und schnellere Stürmer gäbe es viele.

Former France's national team player Just Fontaine attends a Euro 2012 friendly soccer match in Reims May 31, 2012.   REUTERS/Charles Platiau  (FRANCE - Tags: SPORT SOCCER HEADSHOT) - RTR32XSK

Fontaine an der WM 2012 in Polen und der Ukraine. Bild: Reuters

Aber Just Fontaine hat eben von allen Eigenschaften etwas. Und er ist nicht der schnellste Stürmer. Aber mit dem Ball ist er schneller als seine Gegenspieler ohne Ball. Und er ist ein eindimensionaler Spieler. Fussball ist für ihn eine Einbahnstrasse. Das Wort defensiv ein Horror. Er ist völlig und ausschliesslich aufs Toreschiessen fixiert.

Nur so ist es möglich, das er einen WM-Rekord für die Ewigkeit aufstellen kann. 13 Tore. Gerd Müller kommt ihm 1970 mit 10 Treffern am nächsten. Seither hat niemand mehr an einer Endrunde zweistellig getroffen.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Die Offside-Regel klaut Kevin Keegan «das schönste Tor, das ich nie erzielt habe»

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