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Shitstorm mit Kalkül

Warum posiert diese Frau mit umgelegten Nashörnern und Löwen? – Weil sie damit Geld verdient

Eine junge, hübsche Blondine posiert mit Gewehr, Pfeil und Bogen und jeder Menge toter Tiere auf Facebook. Dafür bekommt die Jung-Jägerin Kendall Jones Todesdrohungen. Der Shitstorm ist ihr dennoch nicht so unrecht.

Die Berichte zu Kendall Jones werden stündlich mehr: «Blondine spielt Grosswildjägerin und tötet seltene Tiere»«Vor diesem US-Girl (19) ist kein Tier sicher» oder «US-Teenie-Jägerin prahlt mit erlegtem Grosswild auf Facebook» lauten die Schlagzeilen, die im Internet auftauchen, wenn man den Namen der 19-jährigen US-Amerikanerin eingibt.

Kendall Jones ist blond und hübsch und in ihrer Heimat Texas Cheerleaderin. Ausserdem tötet die 19-Jährige «seltene» Tiere in Simbabwe, wie focus.de schreibt. Und danach posiert sie mit den Kadavern auf Facebook und kommentiert diese Bilder unverfroren.

Die «Beute ihres Lebens»

Auf dem Foto, das sie neben einem erlegten Löwen zeigt, spricht Jones von der «Beute ihres Lebens». Den Leoparden, den sie auf einem Bild wie eine Miezekatze in den Armen hält, bezeichnet sie als schönstes Tier überhaupt. Und der weisse Springbock sei das «leckerste Tier», das sie auf ihrer Safari gegessen habe. 

Das bringt Tierschützer und viele andere Facebook-User auf die Palme. Auf Jones' Account, den es erst seit Februar gibt, hagelt es Kommentare von entrüsteten Usern: «Ich hoffe, du wirst von einem Löwen gegessen, du Kuh», schreibt User Thomas Byrne, und Julio Pereira meint: «Komm nach Südafrika und versuche unsere geschützten Tiere zu jagen. Du wirst erschossen. Glaube mir, es wird ein Freudenfest.»

«Du wirst erschossen. Glaube mir, es wird ein Freudenfest.»

Facebook-User Julio Pereira

«Meine Pflicht getan»

Doch Jones bleibt ihren Gegnern keine Antwort schuldig. Neben einem Bild, auf dem sie bei einem Nashorn zu sehen ist, schreibt sie: «Während ihr Jagd-Gegner euch hinter dem Computer versteckt, abscheuliche Kommentare schreibt und mir den Tod wünscht, war ich draussen und habe ein Nashorn mit einem Narkosepfeil getroffen.» Der Veterinär habe dem Tier Blut sowie eine DNA-Probe genommen, eine Wunde versorgt und ihm Antibiotika verabreicht. Später sei das Rhinozeros aufgewacht. «Ich habe wieder einmal meine Pflicht zur Erhaltung der Tiere getan», schreibt Jägerin Jones.

Zwischenzeitlich wurde ihr Facebook-Profil zwar gesperrt. Doch mittlerweile ist Jones wieder online. Mit einer Petition wollen jetzt über 8000 Menschen verhindern, dass Jones je wieder nach Südafrika reisen darf – ein Klacks im Vergleich zu den über 40'000 Likes, die der Teenager bereits auf seiner Seite gesammelt hat. 

«Ich habe wieder einmal meine Pflicht zur Erhaltung der Tiere getan.»

Grosswildjägerin Kendall Jones

Viel Kalkül und ein TV-Sender

Dass Jones aus blosser Freude an ihrem Hobby und aus lauter Naivität gegenüber der Internetgemeinde in einen Shitstorm geraten ist, davon ist nicht auszugehen. Vielmehr dürfte ein gezieltes Marketing und viel Kalkül hinter ihrem Auftritt stecken. «Jones' Profil wirkt inszeniert», sagt Andreas Freimüller, Kampagnenprofi und Social-Media-Experte zu watson. Mit ihren Bildern und ihren Aussagen wolle sie Marktteilnehmer und Medien bedienen. «Der Trophy-Hunting-Markt ist in den USA eine grosse Szene und sie dürfte nicht zuletzt familiäre Interessen verfolgen», ergänzt er. 

Tatsächlich besitzt Jones' Vater selber eine «Hunting Farm» in Texas. Kendall ist zudem ab Januar 2015 für eine US-TV-Show gebucht. Dafür erhalte sie «filmtechnische Unterstützung durch die südafrikanische Firma ‹Comre Safaris›», schreibt das Südafrika-Portal. «Mindestens zwei Kameramänner und ein Fotograf fangen die Jagdmomente der Blondine ein, um aus dem Videomaterial wohl einen Dokumentarfilm für die US-Jagdszene zu produzieren.»

Jagen, Fischen und Sarah Palin

Auf dem Sportsman Channel geht es nur ums Jagen, Fischen und um Waffen. Die Republikanerin Sarah Palin – eine Ikone der stockkonservativen Tea-Party-Bewegung und Verfechterin des uneingeschränkten privaten Waffenbesitzes – hat auf dem Sender sogar eine eigene Show mit dem Namen «Amazing America».

Kendall Jones ihrerseits ist in einer Familie von Jägern und Waffennarren aufgewachsen. Bereits mit 14 Jahren konnte sie sich den Traum eines jeden Grosswildjägers erfüllen und erlegte die «Big Five». Dazu gehören der Elefant, das Nashorn, der Büffel, der Löwe und der Leopard. Ihr nächstes Ziel seien die «Dangerous Seven», wovon ihr einzig das Krokodil noch fehle. Das Nilpferd, das noch in die Aufzählung gehört, hatte sie schon 2009 erlegt.

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«Erinnerungen an 2009», schreibt Kendall Jones zu diesem Bild. Das Nilpferd habe den Bauern die Ernte zertrampt. Es habe sich um einen Problem-Tier-Abschuss gehandelt («PAC-Hunt»: Problem Animal Control). Bild: Facebook/kendalltakeswild

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Kendall mit einem Leoparden. Bild: Facebook/kendalltakeswild

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«Wer glaubt, die Menschen essen kein Elefantenfleisch: Das ist nur ein Teil des Dorfes, der kam, um ein bisschen Protein mit nach Hause zu nehmen», schreibt Kendall dazu. Bild: Facebook/kendalltakeswild



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