Wirtschaft
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In this photo taken on Tuesday, July 10, 2018,  a six-meter high cartoon baby blimp of U.S. President Donald Trump stands inflated during a practice session in Bingfield Park, north London. Trump will get the red carpet treatment on his brief visit to England that begins Thursday: Military bands at a gala dinner, lunch with the prime minister at her country place, then tea with the queen at Windsor Castle before flying off to one of his golf clubs in Scotland. But trip planners may go out of their way to shield Trump from viewing another aspect of the greeting: an oversize balloon depicting the president as an angry baby in a diaper that will be flown from Parliament Square during what are expected to be massive gatherings of protesters opposed to Trump’s presence. (AP Photo/Matt Dunham)

Der Trump-Baby-Ballon in voller Grösse. Bild: AP/AP

Babys an der Macht

Donald Trump und Boris Johnson benehmen sich wie verzogene Kleinkinder. Ein Politiker-Trend mit fatalen Folgen.



Der Riesen-Baby-Ballon, der als Protest gegen Trumps Besuch in Grossbritannien in diesen Tagen über London schwebt, ist als Provokation gedacht. Der US-Präsident hasst es, mit einem Kleinkind verglichen zu werden. Er ist jedoch auch ein treffendes Symbol für die herrschenden Zustände: Trumps Grössenwahn, seine Tobsuchtsanfälle und seine Sucht nach Anerkennung sind typisch für das Verhalten eines verzogenen Kleinkindes.

Britain's Foreign Secretary Boris Johnson talks to a British armed forces serviceman based in Orzysz, in northeastern Poland, during a ceremony at the Tomb of the Unknown Soldier and following talks on security with his Polish counterpart Jacek Czaputowicz in Warsaw, Poland, Thursday, June 21, 2018. (AP Photo/Czarek Sokolowski)

Boris Johnson am Steuer eines Militärfahrzeuges. Bild: AP/AP

Boris Johnson teilt den Narzissmus von Trump und benimmt sich ebenfalls wie ein Baby. Der Ex-Aussenminister des Vereinigten Königreichs begründete seinen Rücktritt damit, dass sein Land eine «Kolonie der EU» werde, und dass «der Brexit-Traum erdrosselt» würde. Selbst Parteifreunden ist diese übertriebene Jammerei peinlich.

Typisch für Trump und Johnson ist ihr Umgang mit der Wahrheit. In den USA haben die Faktenchecker längst vor den täglichen Lügen des Präsidenten kapituliert. Johnson hat nicht nur im Brexit-Abstimmungskampf schamlos Unsinn verbreitet. Er hat auch als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» die EU mit absurden, frei erfundenen Behauptungen lächerlich gemacht.

Nie klein beigeben

Typisch für die Baby-Politiker ist auch, dass sie nie zugeben, dass sie sich geirrt oder gar einen Fehler begangen hätten. Stattdessen ziehen sie sich in die Schmollecke zurück und stellen sich als Opfer einer Verschwörung dar. Sie wollen auch, dass ihre Forderungen sofort erfüllt werden, seien sie auch noch so absurd. Das hat Trump am NATO-Gipfel in Brüssel soeben wieder unter Beweis gestellt.

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Wie Trump sich mit Elton John vergleicht. Video: YouTube/potter harry

Gegenüber ihren Wählern treten die Baby-Politiker wie Rockstars auf. Gelegentlich wirkt dies geradezu grotesk. So hat sich Trump kürzlich an einer Wahlveranstaltung in Montana mit Elton John verglichen, nur sei er natürlich viel besser, «obwohl ich keine Orgel habe» (kein Witz). Ihre infantilisierten Fans stört dies kaum. Sie reagieren wie Pawlow’sche Hunde auf die immer gleichen Stichworte und grölen dann ihre Parolen wie «lock her up!».

epa06866949 (FILE) - Trucks transport containers at the Port of Qingdao in Qingdao, China's Shandong province, 30 April 2018 (reissued 06 July 2018). According to media reports on 06 July 2018, US businesses will now have to pay a 25 percent additional tax on 34 billion US dollar of imported Chinese goods. China has promised to retaliate with its own tariffs on imported US goods, sparking fears of a trade war which could have a negative impact on the global economy.  EPA/WU HONG

Der Hafen von Qingdao. Chinesische Exporte in die USA sind wegen den Strafzöllen in Gefahr.  Bild: EPA/EPA

Typisch schliesslich ist die Verachtung der Baby-Politiker für Experten. Gerade weil sie selbst über kein Fachwissen verfügen, wähnen sie sich allwissend. Selbst die komplexesten Dinge werden so einfach zu lösen. Handelskriege seien «leicht zu gewinnen», glaubt Trump. Ein Brexit sei kein Problem, behauptet Johnson, die USA würden die Handelslücke füllen, welche die EU hinterlässt.

Die mit Allmachtsphantasien gekoppelte Ignoranz der Baby-Politiker ist brandgefährlich. Trumps vermeintlich leicht zu gewinnender Handelskrieg droht nun, aus dem Ruder zu laufen. Soeben hat die US-Regierung weitere Strafzölle gegen China für Importe in der Höhe von 200 Milliarden Dollar beschlossen. Peking hat postwendend Vergeltung angekündigt. An den Rohstoffmärkten fallen die Preise, die Finanzmärkte werden nervös.

Ernüchterung im Vereinigten Königreich

Auch in London macht sich Ernüchterung breit. Bedeutende Unternehmen wie BMW oder Airbus drohen mit Auszug aus dem Vereinigten Königreich. Die britischen Banken realisieren, dass ihnen die EU keine Sonderzüge erlauben wird. Um einen Absturz zu vermeiden, wird Grossbritannien wahrscheinlich einen miesen Deal akzeptieren müssen.

«Kinder an die Macht», sang einst Herbert Grönemeyer. Der deutsche Barde sah dies als positive Utopie. Er wollte kindliche Phantasie gegen die kalte und alternativlose Realität der Erwachsenen stellen. Nun haben wir Babys an der Macht. Die Aussichten sind erschreckend. Wir sind auf bestem Weg in eine Dystopie.

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