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Die Kanzlerin spricht vor dem Bundestag.
Die Kanzlerin spricht vor dem Bundestag.Bild: CLEMENS BILAN/EPA/KEYSTONE

Merkel greift Trump an – und eine Studie der Uni Zürich gibt ihr Recht

Die Bundeskanzlerin spricht Klartext gegen den drohenden Protektionismus. Eine soeben veröffentlichte Studie der Universität Zürich zeigt, dass ein weltweiter Handelskrieg auch für die Schweiz gravierende Auswirkungen hätte.
29.06.2017, 20:3130.06.2017, 10:14

Im Wahlkampf hat Donald Trump versprochen, etwas gegen das notorische amerikanische Handelsdefizit zu tun. Jetzt will der US-Präsident offenbar Ernst machen. Der Juli soll ein «made in America»-Monat werden. Das bedeutet, dass die schon lange erwarteten protektionistischen Massnahmen bekanntgegeben werden.

«Wer immer auch denkt, er könne die Probleme der Welt mit Protektionismus lösen, der leidet unter einer Fehleinschätzung.»
Angela Merkel

Im Visier der Amerikaner steht vor allem billiger Stahl aus China, aber auch aus Japan und Europa. Trumps Handelsexperten wollen auf Stahl einen massiven Strafzoll erheben – man spricht von 30 Prozent – mit der Begründung, es gehe darum, die einheimische Waffenindustrie zu schützen. Eine windige Ausrede: Gerade mal drei Prozent des amerikanischen Stahlverbrauchs werden für Kanonen und Panzer gebraucht.    

Gegen die protektionistischen Pläne des Weissen Hauses wird internationaler Protest laut. Am klarsten hat sich nun Angela Merkel dagegen ausgesprochen. «Wer immer auch denkt, er könne die Probleme der Welt mit Protektionismus lösen, der leidet unter einer Fehleinschätzung», erklärte die Kanzlerin am Donnerstag vor dem Bundestag. Sie erwähnte Trump nicht namentlich, doch es war offensichtlich, dass sie ihn gemeint hat.  

EU will zurückschlagen

Auch bei der EU nimmt man Trumps Drohungen ernst. Handelskommissarin Cecilia Malmstöm erklärt dazu: «Wir müssten überprüfen, ob die von den USA ergriffenen Massnahmen in Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation sind – und sollten wir betroffen sein, werden wir uns Gegenmassnahmen überlegen.»  

Wenn es um Handel geht, versteht Donald Trump keinen Spass.
Wenn es um Handel geht, versteht Donald Trump keinen Spass.Bild: EPA/Polaris POOL

Strafzölle oder Importquoten für Stahl könnten so den Auftakt eines weltweiten Handelskrieges bilden. Ein solcher könnte auch die Schweiz empfindlich treffen. Das zeigt eine soeben veröffentlichte Studie von Ralph Ossa, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Zürich.  

Ossa weist nach, dass die Gewinne aus dem internationalen Handel noch grösser sind als bisher angenommen. Das gilt ganz speziell für die kleine und offene Schweizer Volkswirtschaft. Sollte es zum schlimmstmöglichen Szenario kommen, einem weltweiten Handelskrieg mit Strafzöllen von 60 Prozent – so hoch waren sie in den Dreissigerjahren –, dann würden die realen Einkommen in der Schweiz durchschnittlich 14 Prozent sinken.  

Handelskriege sind kein Ding der Vergangenheit mehr

Dieses Szenario ist zum Glück eher unwahrscheinlich. Doch auch ein Handelskrieg zwischen der EU und den USA – und das ist nicht mehr so unwahrscheinlich – würde die Schweiz betreffen. Die realen Einkommen würden dann durchschnittlich ein Prozent sinken. Wenn sich die USA und China in die Haare geraten, hätte dies kaum Auswirkungen auf uns.  

Die fatale Wirkung von Protektionismus und Handelskriegen kennt man bereits aus den Dreissigerjahren. Lange war es undenkbar, dass die wirtschaftspolitischen Fehler dieser Zeit wiederholt werden könnten. «Trump belehrt uns mit seinen Drohungen eines Besseren», so Professor Ossa.

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tilman Fliegel
29.06.2017 21:23registriert Februar 2014
Wenn der Handelskrieg "USA gegen den Rest der Welt" heisst, verlieren dann nicht vor allem die USA?
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Ökonometriker
29.06.2017 21:29registriert Januar 2017
Dass Freihandel besser ist als Protektionismus, hat bereits Ricardo vor 200 Jahren gezeigt.
Die Globalisierung hat aber die sozialen Disparitäten verstärkt, die Automatisierung hat die Ungebildeten ins Abseits manövriert. Die gängigen ökonomischen Modelle betrachten den Wert der Bildung zu wenig. Es müssen mehr Leute technisch mithalten können, sonst gibt es immer mehr Verlierer - und die fordern dann, mangels Perspektiven, Protektionismus und behindern Fortschritt.
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Isa Boletini
29.06.2017 22:51registriert Mai 2017
Dann soll halt mit "gleichen" Waffen gekämpft werden. Sprich: Die Exporte von der USA mit "strafzoll
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