Der nette Nebeneffekt des Ausbaus der Erneuerbaren, der oft übersehen wird
Die Schifffahrt trägt je nach Studie und Messverfahren ungefähr zwei bis drei Prozent zum menschengemachten Treibhausgasausstoss bei. Oder in anderen Zahlen: ca. 1,1 Milliarden Tonnen CO₂.
Der Anteil am Gesamtausstoss könnte bis 2050 auf zehn Prozent wachsen – denn jährlich kommen ca. 1,3 Prozent hinzu. Warum? Rund 80 Prozent des weltweiten Handels wird über die Schifffahrt abgewickelt – und der Handel nimmt zu. Doch während beim Strassenverkehr mit der Elektrifizierung ein Wandel im Gang ist, fehlt Ähnliches in der Schifffahrt. Klimaziele werden verfehlt und Innovationen werden nur schleppend umgesetzt.
Deshalb wäre es umso wichtiger, dass Konsumenten das eine oder andere Kleid oder Gadget weniger bestellen. Aber auch die Umstellung auf Erneuerbare würde mithelfen, diese Emissionen zu verringern. Denn eines wird oft übersehen: der enorme Anteil des Transports fossiler Energieträger.
Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2025 sind die Hauptsünder unter den Schiffen die Containerschiffe. Sie sind für mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Gesamtbelastung durch Schiffe verantwortlich. Die vielgescholtenen Kreuzfahrtschiffe kommen bloss auf 4 Prozent.
Mit 21 Prozent auf Platz zwei landen die Massengutfrachter. Sie transportieren Getreide, Dünger, Zement, Eisenerz, oft aber auch Stein- und Braunkohle. Die fossilen Brennstoffe umfassen dabei rund einen Drittel des transportierten Volumens. Diese Angaben bedeuten nicht, dass der CO₂-Ausstoss gleich hoch ausfällt, sind aber ein Indiz dafür, dass Kohlefrachter für einen signifikanten Anteil des Gesamtausstosses dieser Gruppe verantwortlich sind – der mutmasslich sogar noch höher als bei einem Drittel liegt. Denn der Transport von fossilen Energieträgern ist in der Regel ein Langstreckentransport. Man kann deshalb davon ausgehen, dass Kohletanker sieben oder mehr Prozent der Gesamtbelastung durch Schiffe für sich beanspruchen (1/3 von 21 Prozent).
Laut derselben Studie sind Öltanker für rund 16 Prozent des gesamten Schifffahrts-Ausstosses verantwortlich. Etwas schwieriger wird die Berechnung für Gas-Tanker. Sie werden in der Regel nicht mit Schweröl angetrieben – sondern mit ihrer Fracht: Gas. Wird es verbrannt, entweicht CO₂. Laut Daten der OECD bläst die Gastankerflotte rund viermal weniger CO₂ in den Himmel als die Massengutfrachter – also ca. 5 Prozent.
Ein Teil davon entweicht aber auch ungenutzt, der sogenannte Methanschlupf. Dieser beträgt im Durchschnitt 6,4 Prozent und liegt damit weit höher als von der EU lange Zeit angenommen. Methan ist ein Treibhausgas, das über einen Zeitraum von 20 Jahren 80-mal schädlicher ist als CO₂. Diese Belastung kommt zum sowieso schon vorherrschenden CO₂-Ballast hinzu.
In der Summe sind Kohlefrachter und Öl- und Gastanker für mindestens ein Viertel der gesamten Klimabelastung durch den Schiffsverkehr verantwortlich – andere Rechnungen gehen gar von 40 bis 50 Prozent aus. Man kann es drehen, wie man will: Es ist ein signifikanter Anteil. Der Ausbau der Erneuerbaren verringert nicht nur den direkten Treibhausgasausstoss – er sorgt auch dafür, dass sich der klimaerwärmende Transport der Fossilen verringert.
Wie viel das ist, zeigt der Vergleich mit der Schweiz: Ein Viertel einer Milliarde Tonnen CO₂ sind 250 Millionen Tonnen. Die Schweiz belastet das Klima pro Jahr mit 40 Millionen Tonnen.
