«PEP suisse !!!»: Amaudruz' Erbe aus Monaco
Drei Ausrufezeichen setzte ein Jurist in Monaco hinter seine Notiz: Die Erbin sei eine politisch exponierte Person aus der Schweiz. Gemeint war Céline Amaudruz, Genfer Nationalrätin, SVP-Vizepräsidentin und Anwärterin auf die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin.
Im Nationalrat kämpft Amaudruz an vorderster Front gegen Grenzgänger-Regeln aus Brüssel. Die EU will, dass die Schweiz arbeitslosen Frontaliers länger Geld zahlt. Das koste jährlich bis zu 900 Millionen Franken, warnte die 47-Jährige im September in der französischsprachigen Tageszeitung Le Temps. Wie eine Recherche des SonntagsBlick aufzeigt, gibt es auch Grenzgänger-Regeln, die die Parlamentarierin selbst tangierten – bei Schlupflöchern für grosse Vermögen.
Ein Anwalt der Mächtigen
Ihr Vater Michel Amaudruz, Wirtschaftsanwalt und seinerzeit selbst SVP-Politiker, starb im Januar 2022 in Genf. Bei seiner Arbeit vertrat er mehrere Diktatoren und half dabei, die Villa eines russischen Ex-Ministers an der Côte d'Azur hinter Firmenkonstrukten zu verbergen.
An einem Ort, den Vater Amaudruz bestens kannte. Denn auch er selbst wohnte offiziell an der Côte d'Azur – in Monaco mit seiner zweiten Frau.
Monaco oder Schweiz?
E-Mails aus dem Umfeld eines monegassischen Notars, die dem «SonntagsBlick» zugespielt wurden, zeigen nun das Ringen um den Nachlass samt den Konten in Monaco. Die Frage: monegassisches oder Schweizer Recht?
Laut einer E-Mail von Céline Amaudruz' Stiefmutter an das Notariat wollten ihre beiden Stieftöchter, die Bundesratsanwärterin und ihre Schwester, den Nachlass lieber direkt über Monaco regeln.
Juristen hätten dabei vor einem möglichen Scheinwohnsitz gewarnt. Einer notierte: «C'est une PEP suisse !!!» Gemeint ist eine politisch exponierte Person, ein Begriff aus dem Geldwäschereirecht.
Amaudruz habe in den E-Mails an den Nachlassverwalter ihre Signatur als Nationalrätin samt Hinweis auf das SVP-Vizepräsidium genutzt. Den Vorwurf, dass sich privates Erbe und politische Funktion so vermischten, weist Amaudruz gegenüber der Zeitung zurück: «Ich sehe nicht, inwiefern die transparente Nennung meiner Funktionen in einer Signatur ein Problem bei der bankenrechtlichen Compliance darstellen sollte.»
«Eine Form von Belästigung»
Darüber, wie genau die Abwicklung einer Erbschaft nach monegassischer Art vonstatten geht, schweigt die Stiefmutter.
Amaudruz sagt, der Gerichtsstand sei rechtmässig und ohne ihr Zutun festgelegt worden. Er ergebe sich aus dem letzten Wohnsitz des Vaters. Erbschaftssteuern wären bei direkter Erbfolge weder in Genf noch in Monaco angefallen.
Die E-Mails seien rechtswidrig beschafft worden. Die Berichterstattung nennt sie «Politiker-Bashing», eine Form von Belästigung, die ihrem Ruf schaden solle. (val)
