Wirtschaft
Schweiz

Velo-Initiative – Bürgerliche müssen das Velo fördern

Kommentar

Warum die Bürgerlichen das Velo überall fördern müssen 

Das Stimmvolk hat sich in die Verfassung geschrieben, das Velo als Fortbewegungsmittel zu fördern. Das ist gut, reicht aber nicht. Jetzt sind die Bürgerlichen gefragt, überall! 
23.09.2018, 16:1624.09.2018, 09:37

Von Eddy Merckx stammt das schöne Zitat: «Fahre so viel oder so wenig, wie du magst. Fahre so lange Strecken oder so kurze, wie du magst. Aber fahr!» 

Es ist ein romantisches Zitat, aber es ist in politischer Hinsicht  falsch.

Für den belgischen Radstar der sechziger und siebziger Jahre war die Parole natürlich leicht umzusetzen. Merckx' Heimatgemeinde war ein flandrisches Land-Kaff von 10'000 Einwohnern, ideal für Aus- und Trainingsfahrten, egal ob lange oder kurze.

Anders sieht das für den zeitgenössischen Velofahrer in Schweizer Städten und Agglomerationen aus. Die Bevölkerungs- und damit auch die Verkehrsdichte ist ungleich grösser, und abseits der rotgrün-verkehrsberuhigten Kern-Innenstädte ist es weder um Platz noch Rücksichtnahme durch die motorisierten Verkehrsteilnehmer rosig bestellt. 

Umfassender Masterplan Velo

Wer nun denkt, der heute angenommene Bundesbeschluss ändere daran signifikant etwas, liegt falsch. Der Bund ist nicht verpflichtet, die Kantone und Gemeinden beim Bau neuer Velowege zu unterstützen oder diesen voranzutreiben, er kann sie lediglich unterstützen.  

Der Weg zur Arbeit von Bachenbülach an den Stauffacher oder von Arlesheim an den Aeschenplatz wird deshalb in absehbarer Zeit für die Velo-Pendlerinnen und -Pendler nicht angenehmer, denn letztlich scheitert der Ausbau des Velowegnetzes immer am Geld, das von bürgerlichen Mehrheiten abgeklemmt wird. Und wenn das Geld nicht das bürgerliche Argument gegen den Veloweg ist, dann der Parkplatz, der weichen muss. 

Der Bundesbeschluss wird den Ausbau der Velowege dort beschleunigen, wo der politische Konsens dazu schon vorhanden ist. Ansonsten nicht. 

Wenn es der Bund nun nicht selbst machen darf, müssen andere alle Anstrengungen unterstützen, die Schweiz zum Velo-Land auszubauen. Städte- und Raumplanung, Tourismus- und Präventionsverbände, Think-Thanks, Arbeitgeber, Medien und speziell die bürgerliche Politik sind permanent gefordert, die Velo-Infrastruktur umfassend auszubauen, bis hin zur Duschen-Pflicht im Büro, Veloraum-Pflicht im Hotel und sommerlicher Bikepark-Subvention überall, wo Bergbahnen, Ski- oder Sessellifte stehen. 

Weniger Kosten, mehr Umsatz

Die Schweiz kann so drei fette Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Die Stauzeiten, Unfallzahlen und Luftbelastungswerte auf dem Weg in die Städte und aus ihnen heraus werden massiv verringert, wenn es angenehm ist, mit dem Velo zu pendeln. 

Einer der künftigen Haupt-Todesursachen in Industrieländern, dem fettbedingten Diabetes Typ II, kann ebenso breit entgegengewirkt werden wie der Herzinfarkt-Rate, die mit zunehmender Bewegung ebenfalls erwiesenermassen sinkt. Das Einsparungspotential im Gesundheitswesen ist enorm. 

Und der vom teuren Franken, zunehmend ausbleibendem Schnee und gastfreundlicheren Österreichern gebeutelte Schweizer Alpin-Tourismus könnte mit Einrichtung von familienfreundlichen Bikeparks in der Sommersaison bald mehr Umsatz machen als im Winter. Whistler Mountain in Kanada oder die Churer Bergbahnen am Brambrüesch machen es vor.

Weniger Stau, geringere Kosten, mehr Umsatz.

«Fahre, so oft du kannst»

Auch die bürgerliche Politik sollte diese bürgerlichen Kernanliegen künftig fördern, damit das romantische, aber falsche Zitat von Eddy Merckx in einen breit abgestützten politischen Imperativ verwandeln: 

«Fahre so oft und so weit, wie du kannst! »

Durchfahrt bei Rot für Velofahrer in Zürich

Video: srf

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