Wirtschaft
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Preiskampf zweier Ölmächte? Der saudische König Abdullah mit US-Präsident Barack Obama. Bild: AP

Fragen und Antworten zur Ölschwemme

Warum die Saudis einen «Preiskrieg» ums Öl anzetteln und das Benzin in der Schweiz trotzdem nicht billiger wird



Die Preise für Rohöl befinden sich auf Talfahrt: Seit Ende Juni sind sie um mehr als 25 Prozent gefallen. Verantwortlich sind eine schwächelnde Konjunktur in China und Europa und ein Überangebot auf den Märkten. Dies führt zu einem Preiskampf, der sich in den letzten Tagen noch verschärft hat: Am Montag kündigte der weltgrösste Exporteur Saudi-Arabien an, die Preise für Ausfuhren in die USA zu senken. Die Preise für Europa und Asien dagegen wurden erhöht.

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Preiszerfall der Sorte Brent. grafik: Financial Times

Der Entscheid der «Ölscheiche» sorgte an den Weltmärkten für Turbulenzen: Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel am Dienstag auf ein Drei-Jahres-Tief von 75,84 Dollar je Fass (159 Liter). Die international wichtigste Referenzsorte Brent aus der Nordsee war mit 82,08 Dollar zeitweise so billig wie zuletzt im Oktober 2010. Die Börsenkurse der grossen US-Ölkonzerne gerieten unter Druck.

Was führen die Saudis im Schilde?

Einige Beobachter interpretieren den «Preiskrieg» des Königreichs als gezielte Attacke auf die Schieferölproduktion in den USA. Dabei wird das «Schwarze Gold» mit der umstrittenen Fracking-Methode aus Schiefergestein herausgelöst. Diese Fördermethode hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt und die USA einem grossen Ziel näher gebracht: Unabhängigkeit von ausländischen Energieimporten. Um dies zu verhindern, wolle Saudi-Arabien die US-Ölindustrie «unterwandern», glauben Analysten.

LOST HILLS, CA - MARCH 24:  Pump jacks are seen at dawn in an oil field over the Monterey Shale formation where gas and oil extraction using hydraulic fracturing, or fracking, is on the verge of a boom on March 24, 2014 near Lost Hills, California. Critics of fracking in California cite concerns over water usage and possible chemical pollution of ground water sources as California farmers are forced to leave unprecedented expanses of fields fallow in one of the worst droughts in California history. Concerns also include the possibility of earthquakes triggered by the fracking process which injects water, sand and various chemicals under high pressure into the ground to break the rock to release oil and gas for extraction though a well. The 800-mile-long San Andreas Fault runs north and south on the western side of the Monterey Formation in the Central Valley and is thought to be the most dangerous fault in the nation. Proponents of the fracking boom saying that the expansion of petroleum extraction is good for the economy and security by developing more domestic energy sources and increasing gas and oil exports.   (Photo by David McNew/Getty Images)

Förderung von Schieferöl in Kalifornien. Bild: Getty Images North America

Andere dagegen meinen, der Wüstenstaat wolle in erster Linie den Schaden begrenzen und nicht noch mehr Marktanteile verlieren. Im August machten die Importe aus Saudi-Arabien 4,6 Prozent des Erdölverbrauchs in den USA aus. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 7 Prozent, schreibt das «Wall Street Journal». Die niedrigen Preise sollten Raffinerien als Anreiz dienen, Öl aus Saudi-Arabien zu beziehen, sagte ein Branchenvertreter der Zeitung.

Unklar ist, wie weit sich «die Scheiche» die Tiefpreise leisten können. Nach Einschätzung von Experten macht das Königreich selbst bei einem Ölpreis von etwa 60 Dollar pro Fass noch Gewinn. Das Fracking hingegen werde unrentabel, wenn der Preis unter 70 Dollar falle. Es gibt aber auch andere Stimmen: Die Deutsche Bank schätzt, die Saudis bräuchten einen Preis von 93 Dollar, um einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen. Die Tiefpreis-Strategie sei deshalb selbst in der Führungsriege des Königreichs umstritten, so das «Wall Street Journal».

Wie reagieren die USA?

Offiziell gar nicht, doch US-Energiefirmen fürchten, dass sich ihre Ölbohrungen bald nicht mehr lohnen könnten. Grosse Unternehmen wie Exxon Mobil drängen deshalb auf eine Aufhebung des US-Exportverbots für Rohöl. Es wurde vor rund 40 Jahren verhängt, als die Araber dem Westen den Ölhahn zugedreht hatten. Seither darf raffiniertes Öl – etwa Benzin und Diesel – aus den USA ausgeführt werden, Rohöl hingegen nur mit einer Sonderbewilligung.

SAN ANSELMO, CA - OCTOBER 27:  Gas prices are displayed at a Gas & Shop gas station on October 27, 2014 in San Anselmo, California. Gas prices have fallen to their lowest level in four years with the national average for a gallon of regular gasoline dropping to $3.08.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Kritiker fürchten höhere Benzinpreise, wenn die USA Öl exportieren. Bild: Getty Images North America

Das Verbot hat bereits Risse erhalten. Das «Wall Street Journal» berichtete am Mittwoch, der Energiekonzern BHP Billiton verkaufe ultraleichtes Öl aus Texas für 50 Millionen Dollar an die Genfer Handelsfirma Vitol, ohne Genehmigung aus Washington. Das US-Handelsministerium soll allerdings die Unternehmen zu «unabhängigen» Exporten ermutigt haben.

Die Aufhebung des Exportverbots ist in den USA ein heisses Eisen. Kritiker warnen vor höheren Benzinpreisen. Die Befürworter dagegen betonen die Chance, dass Amerika sich als neuer und gewichtiger Player auf dem Weltmarkt etablieren kann. Vor allem asiatische Käufer sollen am US-Öl interessiert sein, um ihre Abhängigkeit vom Nahen Osten zu vermindern.

Was macht die Opec?

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat nicht mehr die einstige Bedeutung für die weltweite Versorgung. Saudi-Arabien als grösster Exporteur hat die unbestrittene Führungsrolle im Kartell. Die neue Tiefpreis-Strategie sorgt bei den anderen Mitgliedern für wenig Begeisterung. Widerstand leistet vor allem Venezuela. Die Südamerikaner sind auf einen hohen Ölpreis angewiesen, um ihre aufwändigen Sozial- und Subventionsprogramme finanzieren zu können.

Saudi Oil Minister Ali al-Naimi (R) shakes hands with Venezuelan Foreign Minister Rafael Ramirez in Margarita Island in this November 5, 2014 picture provided by the Venezuelan Foreign Ministry. Al-Naimi and Ramirez met on Wednesday as part of a climate change conference on the island but offered no comment on oil markets afterward. REUTERS/Venezuelan Foreign Ministry/Handout via Reuters (VENEZUELA  - Tags: POLITICS ENERGY)

ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Der venezolanische Aussenminister Rafael Ramirez trifft den saudischen Ölminister Ali al-Naimi. Bild: HANDOUT/REUTERS

Am Mittwoch kam es zu einem überraschenden bilateralen Treffen zwischen dem venezolanischen Aussenminister Rafael Ramirez und dem saudischen Ölminister Ali al-Naimi. Ramirez sprach danach von einem «exzellenten Meeting», er betonte aber auch die Sorge über die fallenden Preise. 

Das nächste Opec-Treffen findet am 27. November in Wien statt. Beobachter gehen nicht davon aus, dass es zu einer Einigung kommt: «Jeder schiebt die Schuld auf den anderen, aber niemand ist bereit, die Fördermengen zu kürzen», sagte ein Commerzbank-Analyst.

Wie reagiert Russland?

Der zweitgrösste Ölexporteur leidet zunehmend unter den Sanktionen, die wegen des Ukraine-Konflikts verhängt wurden. Und nun verstärken die sinkenden Ölpreise die Krise zusätzlich. Für einen ausgeglichenen Haushalt rechnet Moskau mit einem Preis von 104 Dollar pro Fass, also deutlich mehr als heute. In Schieflage geraten ist der staatliche Ölgigant Rosneft, er hat laut «Handelszeitung» rund 50 Milliarden Franken Staatshilfe beantragt.

CORRECTS TRILLIONS TO BILLIONS -  FILE - In this Oct. 13, 2013 file photo, Russian President Vladimir Putin, center, speaks to workers while visiting the Rosneft oil refinery in the Black Sea port of Tuapse, southern Russia. At left is CEO of state-controlled Russian oil company Rosneft Igor Sechin. A sudden plunge in the price of oil is sending economic and political shockwaves around the world as oil exporting countries face the prospect of billions of dollars of lost revenue and importing nations get some relief in a time of slower economic growth. (AP Photo/RIA-Novosti, Presidential Press Service, Alexei Nikolsky, Pool, File)

Präsident Wladimir Putin besucht eine Raffinerie von Rosneft. Bild: AP/RIA Novosti Kremlin

In diesem Umfeld blühen Verschwörungstheorien. Die USA und Saudi-Arabien wollten den Ölpreis auf 50 bis 60 Dollar senken, um Russland und den Iran unter Druck zu setzen, berichten russische Medien mit Verweis auf die chinesische Parteizeitung «Renmin Ribao». Diese zitiert einen südkoreanischen «Experten», wonach Iran und Russland als Feinde betrachtet würden, «weshalb die westlichen Länder und die Opec den Rohölmarkt erobern und gemeinsam vorgehen».

Wird das Benzin bei uns billiger?

Vorerst nicht, denn der tiefere Ölpreis wird durch den höheren Dollarkurs kompensiert. Er ist seit März von 87 auf 97 Rappen gestiegen. Auch die Frachtkosten aus Rotterdam, von wo die Schweiz das meiste Öl bezieht, sind nach Angaben von Branchenvertretern gestiegen. Deshalb sinken die Preise an den Zapfsäulen nicht. 

ZUR MK DES BUNDESRATS UND DER BEKANNTGABE ZUSAETZLICHER BUNDESGELDER FUER VERKEHRSPROJEKTE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Um die Verkehrssituation in den Staedten und den umliegenden Gemeinden zu verbessern, will der Bundesrat ab 2015 1,68 Milliarden Franken locker machen. Insgesamt sollen 36 Projekte in den Genuss von Bundesgeldern kommen. --- Eine Schweizer Automobilistin tankt an einer BP-Tankstelle am Mittwoch 24. August 2011 im oesterreichischen Hoechst. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Tanken wird vorerst nicht billiger. Bild: KEYSTONE

Über die künftige Entwicklung sind sich die Experten laut «Blick» uneinig. Die einen glauben, dass die Preise in nächster Zeit fallen könnten, andere hingegen gehen sogar von einer Gegenbewegung aus.

Mit Material von sda

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Dieses nukleare Grab im Pazifik droht gerade auszulaufen – Klimawandel und USA sei Dank

Auf den Marshallinseln wurden im Kalten Krieg mehr als 60 Atombomben getestet. Die radioaktiv verseuchte Erde wurde in ein Loch geschüttet und mit einer Betonkuppel versiegelt. Nun droht «The Tomb» jedoch auszulaufen.

Wo befindet sich eigentlich das am stärksten verstrahlte Gebiet der Welt? Fukushima? Tschernobyl?

Falsch. Es ist eine kleine Insel namens Runit auf den Marshallinseln. Forschende der US-amerikanischen Columbia University untersuchten das Gebiet für eine Studie und kamen zum Schluss, dass gewisse Strahlenwerte auf Runit bis zu 1000 Mal höher waren als in Tschernobyl.

Dies ist auch nicht weiter verwunderlich: Während dem Kalten Krieg haben die USA auf den Eilanden der Marshallinseln, die ungefähr …

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